Das Haus Ziegler bringt im Oktober seine zweite Abfüllung seines Single Malt Whisky, den Aureum 1865 in den Verkauf. MIXOLOGY ONLINE hatte vorab die Möglichkeit den Badener auf den Zahn zu fühlen und machte sich auf, die Hintergründe des Whiskys zu erforschen.
Die Verantwortlichen hinter diesem deutschen Single Malt, sind die Destillateure der Edelobstbrennerei Ziegler, die bereits 1865 in Freudenberg am Main als Brauerei mit Brennrecht gegründet wurde. Die Brennerei steht auch heute noch auf dem originalen Grundstück von damals. Bier wird dort aber lange nicht mehr gebraut, seit Langem hat man sich auf die Destillation, vor allem von Obstbränden spezialisiert. Die Stadt Freudenberg liegt zwischen Miltenberg und Wertheim in Baden-Württemberg. In dieser Idylle gibt es etwa 30.000 Klein- und Kleinstbrennereien, die um die Gunst des Genießers im Wettstreit stehen, ebenso wie viele exzellente Weingüter.
Die Grundlage des Aureum ist laut Produzent 100 % Prozent Bio-Gerste. Hergestellt wird der Whisky im Potstill-Verfahren in zwei Stufen. Als Erstes ein Rohbrand gefolgt von einem Feinbrand, also eine doppelte Destillation. In die Fässer kommt dann das Herzstück dieses Brandes zur Reifung. Diese findet zuerst in leicht getoasteten, das bedeutet ausgebrannten Eichen- und Kastanienfässern aus Frankreich statt. Das Finish erhält der Tropfen in alten Bourbon-Fässern. Der Fasskeller des Hauses Ziegler wird durch Ventilatoren stetig mit Luft versorgt, damit will der Hersteller erreichen, dass die Aromen der Obstblüten und die Düfte der Mähwiesen in die Poren des Holzes eindringen. Dieses Verfahren wendet Ziegler an, da sie verstanden haben, dass die Klima- und Natureinflüsse essential für den Charakter eines Whiskys sind. „Mit Wasser aus unserer eigenen Quelle wird er schließlich auf die Trinkstärke von 43 % reduziert“ so Barbara Wolf-Sykes Marketing Managerin.
Wie kommt ein Obstbrenner dazu, Whisky zu brennen?
„Wer Obstbrände brennen kann, kann auch Whisky brennen“, so Wolf-Sykes. Dies liegt ihrer Meinung daran, dass Obstbrände komplexer sind und ihre Brennereimeister wahre Könner sind. Geschäftsführer Alaine Langlois kam auf einer Schottlandreise mit seinem Personal auch zu dieser Überzeugung, als sie die dortigen Destillerien unter die Lupen nahmen. „Dort verwenden sie riesige Brennkessel mit 15.000 Liter, unser Brennkessel dagegen fasst nur 500 Liter“ so Langlois. „Dadurch soll ein viel feineres Produkt entstehen, dies bedeutet aber nicht, dass es ein besseres Produkt ist“, so Wolf-Sykes. „Deutschen Whiskey kann man nicht mit Irischem oder Schottischem Whisky vergleichen, das liegt unter anderem auch am Klima und der Umgebung.“ Deutscher Whisky sollte deshalb viel milder und feiner sein.
Was zeigt der Badener im Glas?
Der Name Aureum ist offensichtlich eine Anspielung auf die Farbe des Whiskys, da er im Glas golden leuchtet. Die Nase wird von blumigen Tönen dominiert, gepaart mit fruchtigen Aromen. Diese zeigen sich auch im Mund. Dort bilden sie eine Symbiose mit Butteraromen, die am hinter Teil der Zunge zu finden sind. Der Nachhall ist mild und lang anhaltend. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Aureum ein milder Vertreter ist, woran man erkennen kann, dass er aus dem Haus eines Fruchtbrenners kommt. Vergleichen lässt sich das Destillat am ehesten mit Malts aus den schottischen Highlands, wie Oban oder Glenmorangie. Für die Rauchfans, die eher auf Ardbeg oder Bruichladdich stehen, ist er dagegen nichts. Hier kann man mal wieder schön erkennen, wie stark das Klima verantwortlich ist für das Aroma eines Whiskys.
Der 3-jährige Whisky soll in einer begrenzten Auflage von 5000 Stück ab Oktober, vielleicht auch schon früher, für einen stolzen Preis von 59,90 € im Fachhandel erhältlich sein. „Mit der Abfüllung und Verpackung sind wir jetzt schon fast fertig, deshalb können wir schon früher ausliefern.“, so Wolf-Sykes.
Mit dem Aureum 1865 ist Ziegler ein interessantes Produkt gelungen, das für seine drei Jahre schon sehr komplex ist, man kann gespannt sein wie sich der Whisky im Fass in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Trotzdem bleibt eine Frage weiterhin bestehen. Warum müssen viele Brennereien in den GSA-Ländern seit Jahren Whisky brennen, obwohl sie nicht darauf spezialisiert sind, gibt es nicht schon genug Whiskys auf dem Markt? Es bleibt also zu Beobachten ob der Aureum sich seinen Weg bahnen kann.
Produktdaten Ziegler Aureum
Preis: ca. 60€
Herkunft: Baden-Württemberg/Deutschland
Füllmenge: 0,7 l
Hersteller: Gebr. J. & M. Ziegler GmbH
Internet: brennerei-ziegler.de
Alkoholgehalt: 43 % Vol.
// Aureum Whisky kaufen: Derzeit ist es leider noch nicht möglich, die sonst üblichen Verkaufsinformationen hier in voller Breite zu liefern, da Aureum noch nicht im Handel verfügbar ist. Aber ab Mitte Oktober wird er über die gängigen Onlineshops zu beziehen sein.//
(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Ziegler erhalten. Außer dem Aureum Whisky – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)