Canadian Whisky hat viele neue Qualitäten. Bars und Cocktails profitieren von der Vielfalt.

Von Bastian Heuser | August 31, 2011 um 16:00 | Keine Kommentar | Whisk(e)y | Tags: , , , , ,

Kanadischer Whisky ist nicht nur durch die Prohibition zu Berühmtheit gelangt. Er hat aufgrund seiner besonderen Eigenschaften viele Fans und die Gemeinde wächst. Das hat auch damit zu tun, dass nicht nur die „Großen“ wie Canadian Club oder Seagrams den Weg in die Bars finden, sondern auch kleinere Produzenten wie Glen Breton und Forty Creek nach vorne drängen. Seven and Seven, der berühmte Longdrink, hat nun eine größere Bandbreite und die Cocktailwelt weitere bisher kaum bereiste Inseln.

»Seven and Seven« heißt einer der meistgeorderten Longdrinks in den Vereinigten Staaten und Kanada. Jeder lang gediente Bartender kennt diese Order und hat sie in seinem inneren Bartender-Glossar verewigt. Hinter der Bestellung verbirgt sich Seagram’s Seven Crown Whisky, aufgefüllt mit der Zitronenlimonade Seven Up. [Seagram's Sven Crown ist ein US-amerikanisches Produkt. Die Autoren waren hier auf dem Holzweg. Der Stil von Seagram's ähnelt allerdings demjenigen kanadischer Mainstream-Whiskys. Anm. d. Red.] In europäischen Gefilden hat kanadischer Whisky dagegen keine Tradition und schon gar keine Signature Drinks aufzuweisen. Eine Gruppe von Bartendern warf im Taste Forum einen Blick hinter die Kulissen.

Zur Auswahl standen Whiskys, die in Europa bekannt sind sowie Marken, die kaum eine Bar derzeit führen dürfte in den GSA-Ländern. Die Standards der Bartender in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind in der Regel die Marken Crown Royal und Canadian Club, weltweit jeweils die Nummer eins und zwei der Kategorie Canadian. »Leichtgewichte dieser Art lassen sich widerstandslos kippen«, beschreibt Schumanns-Bartender und Whisky- Experte Stefan Gabanyi diese Brände. »Sie entsprechen dem Beuteschema der Vodka-Fraktion.«

Schottische Wurzeln und Zwistigkeiten

Dabei waren es vor allem schottische Einwanderer, die die kanadische Whisky-Tradition begründeten. Glenora ist eine der kleinen Destillerien, die im Ahornland versuchen, die dominanten Geschmacksmuster aufzubrechen und wieder an die Tradition der Vorfahren anzuknüpfen. Dort werden die ersten kanadischen Single Malts produziert. Dem mächtigen schottischen Interessenverband der Whisky-Industrie, der Scotch Whisky Association, war die Namensgebung Glen Breton Anlass genug, die kleine Destille mit einer Klage zu überziehen. Man wollte erreichen, dass in Kanada das gälische Wort »glen« ausschließlich importierten, schottischen Bränden vorbehalten bliebe.

Das in der kanadischen Provinz »Nova Scotia « ansässige Glenora gewann das Verfahren. Die Marke spielte sich prompt auch in der Blindverkostung des Taste Forums in den Vordergrund. Mit 70 von 100 möglichen Punkten war Glen Breton Rare 10y ein Favorit der Bartender. Weitere Marken, die sich Spitzenplätze in der Verkostung sichern konnten, waren der 12 Jahre gereifte Canadian Club mit ebenfalls 70 Punkten und Forty Creek Double Barrel Reserve, ein weiterer kleiner und unabhängiger Produzent, der mit 80 aus 100 Punkten am besten abschnitt.

Kleine Produzenten im Taste Forum weit vorne

»Glen Breton und Forty Creek sind Whiskys, die wir uns auf jeden Fall einmal ansehen werden«, bestätigte Caroline Krahmer das Ergebnis. Christoph Liebermann von der Amano Bar fand noch eine andere unbekanntere Marke spannend: »Neben dem Single Malt Glen Breton fand ich auch Black Velvet sehr interessant.« Allerdings ist er von der Kategorie an sich noch nicht überzeugt: »Das Tasting hat mich insofern bestätigt, dass ich immer noch nicht so gut kann mit Canadian, allerdings gibt es eine größere Vielfalt, als man gemeinhin denkt.«

Den typischen Zugang des europäischen Bartenders zu Canadian beschrieb Teilnehmer Jakob Etzold von der Bar Stagger Lee treffend: »Mich erinnert Canadian an die ersten Schritte beim Mixen. Man sagte mir, dass man Manhattans nur mit Canadians machen darf. Später fand ich heraus, dass Canadian eigentlich nur ein Provisorium war und der Cocktail mit echtem, amerikanischem Rye viel knackiger wird.« Da er im Lauf seiner Karriere eine große Affinität zu Bourbon entwickelt habe, könne er mit den leichten Aromen kanadischer Brände wenig anfangen. Die Manhattan-Schlacht in den führenden Bars ist offensichtlich mittlerweile geschlagen. »Unsere Manhattans mischen wir generell mit Rittenhouse Rye, es sei denn, der Gast wünscht etwas anderes«, erzählt auch Amano-Bartender Christoph Liebermann. »Der ist unserer Meinung nach ideal für den Cocktail. Kanadischen Whisky haben wir im Rückbufett, aber nicht im Pouring.«

Im Sturm wird kanadischer Whisky auch in seinen neuen Varianten die Bars nicht erobern. Das haben die Erfahrungen der Bartender im Taste Forum gezeigt. Die kleinen, unabhängigen Abfüller scheinen aber den Geschmack moderner Mixologen bereits zu treffen, wie die Bewertungen zeigen. So zeigt sich auch Caroline Krahmer von bargraphics verhalten optimistisch: »Es waren schöne, ausgewogene Blends dabei, mit fruchtigen oder auch rauchigen Aromen. Diese lassen sich an der Bar durchaus an den Gast empfehlen und verkaufen. « Einen Fuß haben die Kanadier also bereits in der Tür. Hoffen wir, dass sie in den nächsten Jahren mehr draus machen.

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Der Autor

Bastian Heuser

Bastian Heuser ist Miteigentümer der Bar- und Beverage-Consulting-Agentur Barworkz. Er ist Mixology Magazins Spezialist für Cocktail-Themen und betreut die Bartender-Verkostungen der Kolumne "Von Bartendern für Bartender".

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