Mixology on the Road. Auf Bar Jagd in Melbourne.

Stadtgeschichten 14.4.2013

Die pulsierende Barszene Australiens ist viel diskutiert. Sydney beheimatet große Bars. Aber auch die Szene Melbournes bietet gustatorische Highlights. Viele nationale und globale Schwergewichte der Barszene sind in hiesigen Gefilden zu finden. Begeben wir uns also auf die Jagd in den nächtlichen Großstadtdschungel – den Trinklöchern auf der Spur!

Bär Bar

Beginnen wir im Kodiak Club. Benannt nach dem kanadischen Riesenbären. Ein Bild von seiner Heimat, den Rocky Mountains, beherrscht den Tresen. Eine überaus umfangreiche Bourbon- und Ryeauswahl wird stilecht von einem Burger & Fritten-Menü komplettiert. Diese Mischung prägt zusammen mit der sehr gastfreundlichen Art und dem passenden Interieur die gesamte Atmosphäre. Es ist eine Nachbarschaftsbar. Doch weder der bestellte, viel zu saure Trinidad Sour, noch die zur Schau gestellten Fertigkeiten hinter der Bar rechtfertigen den allgemeinen australischen Hype um dieses,„local watering hole.“

Drink über Bord

Enttäuscht geht es, bei strömendem Regen, eine Ecke weiter. Wir gehen an Deck der Black Pearl. Eine Bar in ihrem 14. Geschäftsjahr, der große internationale Anerkennung zuteil wird. Wir schlängeln uns an mehreren, diese Bar umgebenden, Lokalen vorbei ,pirschen uns an vielen Gruppen paarungswütiger Großstadtgazellen vorbei, um noch einen Platz an der Bar zu ergattern. Ein Rusty Nail und ein Holunder Cocktail sind schnell erlegt. Beide Getränke leiden unter dem Zeitmangel und sind demnach unausgewogen und ziemlich süß. Es ist Samstagabend und demnach ist der ganze Dschungel auf den Beinen. Keine viel besungene Gemütlichkeit. Es ist heiß, laut und allerlei Balzrituale sind zu beobachten. Es ist ein In-Spot, immer etwas lauter, blasierter. Es herrscht ein Habitus aus unbegründeter Selbstverliebtheit.

Keine Frage eine fantastische Bar und eine der „Big Five“ auf unserer Tour. Aber die „viertbeste Bar der Welt“? De gustibus non est disputandum!

Everleigh die Zweite

Also wieder raus aus der Partyhöhle, rein in den strömenden Regen und ab ins Everleigh. Erst kürzlich von einem Mitarbeiter des Milk & Honey eröffnet, schickt die Bar sich an, Melbournes Szene zu attackieren. Ganz der „Speakeasy“-Mode erlegen, muss man an einem amerikanischen 50er-Jahre Diner vorbei, durch einen leider lieblos gestalteten Flur in die erste Etage finden, bis sich die Bar vor einem im vollen Glanz ausbreitet. Elegante dunkle Hölzer, dezentes Licht und der wunderschöne Tresen, prägen das Stilvolle Interieur. Die Barwerkzeuge, die Originalbarbuch-Bibliothek und Vintage-Shaker hinter Glas sind ein Augenschmaus. Dem Konzept einer anderen Institution unter den Melbourner Bars folgend, werden hier Getränke eher nach einem kurzen Gespräch, als einem Blick in die Karte empfohlen. Nach eben jenem kurzen Austausch werden wir auf einen Last Word und einen Gold Rush eingeschätzt, was ins Schwarze trifft. Abgesehen von einer Bar, hinter welcher das Arbeiten einfach eine Freude sein muss, waren auch die Getränke ein Volltreffer. Der Last Word war minimal zu süß, doch der Gold Rush kriegt zehn von zehn Punkten. Uns über guten, jedoch etwas kühlen Service freuend, bemerken wir dankbar, dass der vorherige, weniger bemerkenswerte Besuch hier wohl eine unglückliche Ausnahme war und begeben uns auf die Pirsch in die Innenstadt.

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