Blood and Sand. Hollywood-Klassiker aus den 30er Jahren.

Klassik 31.7.2011 6 comments

Blood and Sand, der Klassiker aus den 30er Jahren mit Hollywoodbezug, kann in unzählige Rollen schlüpfen. Es wird mit allen Zutaten experimentiert und sogar die Basisspirituose Scotch durch rauchigen Mezcal ersetzt. Eine historische Übersicht und ein Überblick aktueller Trends und Entwicklungen.

Wenn man nur die Rezeptur durchliest, ist Blood and Sand nicht unbedingt überzeugend: Der Drink besteht zu gleichen Teilen aus Whisky, Orangensaft, italienischem Wermut und Kirschlikör. Das klingt zu süß, zu nichtssagend, zu fruchtig, wie diese unausgeglichenen Cocktails, die sich eine Werbeagentur zum Tag des Wermuts ausdenkt. Doch geschüttelt und in einem Cocktailglas serviert, ist es eine erstaunliche Kombination. Sie ist frisch, saftig, geschmacklich abgerundet, nuanciert, und weist, je nachdem, welcher Scotch verwendet wird, eine männlich rauchige oder leichte, elegante Note auf. Und Cocktailfans frohlocken, denn ein aus vier Zutaten bestehender Drink bedeutet, dass diese vier Zutaten einzeln oder auch kombiniert immer wieder abgewandelt werden können.

Stierkampfarena als Namenspatron

Viele amerikanische Cocktailklassiker wurden nach berühmten Broadway-Schauspielern und Theaterstücken benannt, Blood and Sand hingegen geht auf den Schwarzweiß-Film »Blood and Sand« aus dem Jahr 1922 zurück (deutscher Titel: »König der Toreros«). Rudolph Valentino spielt einen jungen Spanier, der als Stierkämpfer zu Ruhm gelangt, dann aber doch scheitert, hin- und hergerissen zwischen seiner Jugendliebe und einem reichen Vamp. Da es sich um einen Stierkampf-Film handelt, ist das Ende vorhersehbar. (Wer mehr wissen will, sollte sich den Farb- und Tonfilm von 1941 mit Tyrone Power als Stierkämpfer und Rita Hayworth als Vamp anschauen.)

In keiner der beiden Fassungen spielen Cocktails oder Trinkgelage eine Rolle, es muss also der Erfolg des Films gewesen sein, dem der Drink seinen Namen verdankt. Von den Zutaten kommen wahrscheinlich nur die Orangen aus Spanien, Scotch und Orangensaft können aber als sandfarben gelten, und Kirschlikör und italienischer Wermut lassen sich mit Blut assoziieren.

Gedruckt taucht die Rezeptur zum ersten Mal in Harry Craddocks Savoy Cocktail Book aus dem Jahr 1930 auf. Zwar hat das Savoy Cocktail Book viel von früheren Cocktailbüchern übernommen, doch Blood and Sand scheint eines der wenigen Rezepte zu sein, das zum ersten Mal auf seinen Seiten Erwähnung fand. Greg Boehm, Besitzer von »Cocktail Kingdom« und Experte für alte Cocktail Bücher, meint jedoch, der Name des Drinks – nicht das Rezept – wäre bereits in A Cocktail Continentale aus dem Jahr 1926 angeführt worden.

Blood and Sand
Die im Savoy Cocktail Book erschienene Rezeptur
2cl Orangensaft
2cl Scotch Whisky
2cl Cherry Brandy
2cl Italienischer Wermut
Gut auf Würfeleis schütteln und in ein vorgekühltes Cocktailglas abseihen.

Die Basis-Spirituose

Der Drink wird häufig mit Blended Scotch Whisky serviert, einem Blend aus Single Malt Scotch und Grain Whiskys, wobei Chivas, Johnnie Walker und Dewars die drei führenden Scotch-Marken sind. Blood and Sand verträgt sich aber auch bestens mit einem Single Malt Scotch oder einem Blended Malt Scotch, einem Whisky-Verschnitt aus verschiedenen Single Malts also (früher unter dem Namen »Vatted Malt« bekannt). Die geschmacksneutraleren, durch Kolonnendestillation gewonnenen Grain Whiskys in einem Blended Scotch vermitteln dem Drink jedoch weniger Geschmack und Textur als ein Single Malt.

Als Standard Scotch wird in der Londoner Hide Bar gewöhnlich ein Blended Malt namens Monkey Shoulder verwendet. Der Besitzer Mathew (der in Bejing als Consultant arbeitet und den Blog BloodAndSand.com verwaltet) beschreibt den Scotch folgendermaßen: »Er hat einen angenehm abgerundeten Geschmack, der sich behaupten kann. Mischungen mit viel Grain Whisky sind meiner Meinung nach etwas zu leicht für den Drink. In Anbetracht der Intensität der anderen Ingredienzen, finde ich, dass der Whisky sich als Rückgrat des Drinks behaupten muss. Wir bevorzugen einen rauchigen Single Malt, doch für einen normalen Drink ist das einfach zu kostenintensiv. Deshalb empfehlen wir ihn eigentlich nur zum Kennenlernen.«

Die teuerere Variante wäre, sich nach dem Geschmack des Kunden zu richten. Mathew meint: »Die rauchige Version würde ich jemandem empfehlen, der auf seinen Whisky steht und die Sache etwas kühner angehen will. Einem Gast, der bislang Gin Cocktails getrunken hat oder einen Aperitif möchte, schlage ich einen leichteren Whisky vor, und zum Kennenlernen wäre auch ein weniger intensiver Wermut besser.«

Blood and Sand
Rezeptur von Paul Mathew
3 cl Compass Box Peat Monster oder Lagavulin 16
2 cl Carpano Antica Formula Vermouth (oder 2,5cl Punt y Mes, falls nicht erhältlich – er ist etwas weniger intensiv)
2,5 cl Cherry Heering
2,5 cl frischer O-Saft oder rosa Grapefruitsaft, um mehr Säure zu bekommen.

»Über sehr kaltem Eis kräftig schütteln, dann in ein gekühltes Margaritaglas abseihen. Ich lasse die Zeste weg, da ich die bittere Note unnötig und irgendwie auch unpassend finde – manche Bartender fügen eine angeflämmte Orangenzeste hinzu. Kräftiges Schütteln und ein einmaliges Abseihen halte ich für unerlässlich, damit sich auf der Oberfläche des Drinks ein dünner Film aus abgeschilfertem Eis bilden kann, durch den er vorsichtig, aber nicht zu langsam, getrunken werden sollte«.

6 comments

  1. prachoff

    der beste Blood and Sand, was ich getrunken habe, war mit bourdier kirschlikör zubereitet ist leider schwer zu kaufen in DE.

  2. Mini Me

    Ich mache den Blood and Sand für bestimmte Gäste, auch mal gerne mit Ardbeg 10 yrs. Das rauchige vom Single Malt kommt leicht raus, ist ganz nett. Aber ich nehme dabei dann auch 0,5 cl mehr Kirschlikör, sonst wird das ganze zu herb. Ansonsten in allen möglichen Variationen ein grossartiger Drink.

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