Gin & Juice statt Hip & Hop. Genießen kann so einfach sein.

Trends & Innovation 5.6.2012 4 comments

Wie entsteht die Idee für einen guten Drink? Der typische West Coast Hip Hopper würde antworten: „Keep comin´ up with funky ass shit like every single day, homeboy“. Münchener Bartender fahren einfach nach Österreich.

Reisen bildet. Und so unternimmt Klaus St. Rainer mit seinen Bartendern der Goldenen Bar in München regelmäßig Exkursionen zur Fortbildung des Teams. Eine dieser Touren führte kürzlich zum Weingut Bernhard Ott im österreichischen Feuersbrunn. Beste Grüne Veltliner aus ökologischem Anbau prägen die Produktion des Winzers. Ein benachbartes Weingut erzeugte eine Überproduktion von roten Zweigelt und Pinot Noir Trauben, die Bernhard Ott kurzerhand aufkaufte, um für den örtlichen Kindergarten einen leckeren, biodynamischen Saft herzustellen.

Diesen Saft bekam das Team der Goldenen Bar als Erfrischung vorgesetzt und befand ihn flugs für köstlich. Mit angemessenen Traubensaftvorräten im Gepäck zog die Reisegruppe weiter zu Hans Reisetbauer, dem vielfach ausgezeichneten Brennmeister im Hausruckviertel, unweit von Linz. Dieser stellte eine Flasche seines Blue Gin auf den Tisch. Die klassische Kombination mit Gin und Saft lag auf der Hand. Hingerissen nippte die Runde an der Mischung aus Ott und Reisetbauer, zweier leidenschaftlicher Produzenten, die schon länger freundschaftlich verbunden sind. Ein herrlicher Drink erblickte in diesem Augenblick das Mondlicht.

„Der erste Arbeitstitel war ´Blutsbrüder´, aber das schien eine zu merkwürdige Bestellung an der Bar. Dann erinnerten wir uns in unserem ureigenen Humor an den alten Hip Hop Titel von Snoop Doggy Dogg: Gin & Juice“, berichtet Rainer. Fast schon ein Klassiker des Hip Hop, ein Oldie des Gangsta Rap aus dem Jahre 1994, als der Titel auf Platz 52 der Jahres-Charts landete, zwischen Bruce Springsteen (Streets of Philadelphia) und Mariah Carey (Anytime you need a friend). In dem Song fährt der Hundi Hund durch die Straßen, raucht fragwürdige Substanzen und schlürft Gin & Juice. In der damaligen Rezeptur meist mit Orangen- und Cranberrysaft, oder beiden zusammen, interpretiert. Unvergessen eine der brutalsten Szenen der Musik-Video-Geschichte, als Snoop Dogg die hingehaltenen Becher nicht(!) mit Seagram´s Gin füllt.

The Biatch don´t want no Hugo

Der Drink mit Blue Gin, serviert in einem großen Weinglas auf soliden Eiswürfeln, aufgegossen mit dem Traubensaft und optional mit einer Grapefruit-Zeste versehen, entpuppte sich als absoluter Renner auf der Terrasse. Der Bruch zwischen Gangsta-Allüren und hochwertigen Produkten im eleganten Glas entspricht genau dem Stil der Goldenen Bar. Die ersten 120 Liter Traubensaft waren umgehend aufgebraucht. Die Gäste zeigten sich glücklich, ein spannendes Getränk serviert zu bekommen, aber einmal nicht mit Hugo oder Spritz uniformiert zu sein.

Der Traubensaft von Bernhard Ott wird wohl eine einmalige und limitierte Edition bleiben. Dennoch stehen dem Markt weitere feine Traubensäfte zur Verfügung. Ran an die Beeren, Bartender, der Drink ist es wert. Großartige Produkte brauchen kein Chi-Chi. „Es ist wie beim Essen“, resümiert Klaus St. Rainer, „ein gutes Steak braucht keine opulenten Soßen und Aromen. Eine Prise Fleur de Sel, ein Hauch feines Olivenöl. Gut ist´s. Cocktails können genauso funktionieren.“ Laid back, homey!

 

Gin & Juice

4 – 5 cl Blue Gin

Roter Traubensaft

Glas: Weinglas

Garnitur: Grapefruit-Zeste

Zubereitung: Blue Gin auf Eiswürfeln mit Traubensaft auffüllen und optional mit einer Grapefruit-Zeste versehen.



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4 comments

  1. Tobias

    toll, jetzt brauche ich wieder einen neue Drink, sonst heißt es ach bei Mixology gelesen obwohl wir den schon eine gaaaanze weile trinken. 😉 aber vielleicht bekommt man ihn dann auch öfter denn roter Traubensaft ist scheinbar selten in vielen Bars

  2. Hans Peter

    Die Referenz zum Hiphop ist nett, aber wieso ist die negativ? Finde ich beleidigend und ignorant.

    • Hans Peter

      Ich genieße übrigens gerade beides, es zu trennen ist nicht nötig!

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