Der Sea & Tonic. Wenn Algen balgen.

Trends & Innovation 31.7.2012 3 comments

Geht es um innovative Cocktail-Trends, sind sich die Spanier grün. Meerespflanzen sind in. Und erst recht im Gin & Tonic. Der Signature Drink Sea & Tonic von Sternekoch Ángel León und der Marke Gin Mare, vermählt nun Phytoplankton mit katalanischem Gin und fruchtigem Tonic. Ein algengrünes Fusions-Experiment.

Verwunderlich ist es ja nicht, dass es dem mediterranen, spanischen Volk nach etwas mehr Meer in ihren Drinks dürstet. Schließlich stehen Meeresfrüchte und Fischspezialitäten ganz oben auf dem Speisplan. Und laut Angus Winchester wird 85 % des Gins in Spanien als Gin & Tonic konsumiert – die dortige Gin-Kultur ist über die letzten Jahre explodiert. Zeit also, das Lieblings-Gin-Getränk der Spanier mit etwas maritimem Phytoplankton aufzumischen, jedenfalls war das die Idee von Ángel León, dem mehrfach prämierten Koch, der unweit der Sherry-Hochburg Jerez im Küstenort El Puerto de Santa María das Restaurant Aponiente betreibt. Gemeinsam mit dem Sommelier Juan Ruiz entwickelte er eine Variante des Gin & Tonics, die mit Phytoplankton angereichert wird. Der spanische Gin Mare hat sich mit Ángel León zusammengetan, um dem Sea & Tonic zu größerer Bekanntheit zu verhelfen. Wir wollten wissen, ob der Sea & Tonic auch hier zu Lande funktioniert.

Von Teilchen in Tütchen

Getestet haben wir, wie es das Originalrezept vorsieht, mit Gin Mare. Empfohlen wird dann das Auffüllen mit 1724 Tonic. Als essbare Garnituren werden dem Getränk Rotalgen und Meeresspargel zugegeben. Das Highlight allerdings bildet die, wie ein Erfrischungstuch verpackte, Phytoplankton-Mischung zum Unterrühren.  Eigentlich dient Phytoplankton als Basisnahrung vieler Meerestiere. Außerdem ist es die Sammelbezeichnung aller im Wasser schwebenden Organismen, die sich zum größten Teil nicht selbst fortbewegen, sondern durch die natürlichen Bewegungen von Meer oder See transportiert werden. Pflanzlicher Plankton heißt Phytoplankton, das tierische Plankton wird als Zooplankton bezeichnet. Das Phytoplankton setzt sich aus Bakterien und einzelligen Algen zusammen.

Laut León kostet ein Kilo des kostbar gezüchteten Planktons rund 1800 Euro. Reichhaltige Proteine, Vitamine, Antioxidantien, Aminosäuren und Omega 3-Säuren mögen zur besseren Gesundheit beitragen, so der Hersteller. Das Resultat der Arbeit Leóns ist eine Mixtur aus Phytoplankton, Zitronenthymian und Zitrusfrüchten. Zur besseren Haltbarkeit werden die Zutaten dehydriert und als Pulver in kleine Tütchen verpackt. Aber wie schmeckt er denn nun, der Sea & Tonic?

Es ist die giftgrüne Farbe, die mutige Entdecker wecken und scheue Connaisseurs abschrecken könnte. Auch geschmacklich dürfte er polarisieren. In der Nase leicht nach Alge riechend, kommt auf der Zunge ein frisches, geleeartiges Mundgefühl auf – das Geschmackserlebnis erfolgt in Wellen – der erste Schluck lässt Zitrusnoten erkennen, der Nachhall ist trocken. Im Mundraum eröffnet sich eine starke Umami-Note. Umami bezeichnet einen Geschmackseindruck und bedeutet übersetzt so viel wie schmackhafte Deftigkeit. Dieser Geschmackseindruck wird durch die Aminosäure Glutaminsäure getragen. Erstaunlich: Der Ursprungscharakter von Wacholder und Bitternoten bleibt erhalten. So explosionsartig er beim ersten Schluck beginnt, so ruhig klingt er im Geschmack aus. Ein gelungener Auftakt zur Meeressaison. Und selbst in „My Fair Lady“ hieß es schon: „Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen!“ Die jüngsten Blüten des Gin & Tonic Konsums in Spanien sind in diesem Jahr besonders grün und kommen aus dem Meer.  Ahoi!


Sea & Tonic (Plankton & Tonic)

5 cl aromatischer Gin (z.B. Mare)

1 Planktonmischung

Fill Up mit Tonic Water (z.B. Fentimans, 1724)

Garnitur: 1-2 Zweig(e) Meeresspargel

Glas: großes Longdrinkglas

Zubereitung: Gin in das vorgekühlte Glas geben, Planktonmischung zugeben und mit Barlöffel  verrühren. Anschließend Glas mit Eiswürfeln füllen und mit Tonic Water aufgießen. Mischung kurz anrühren und mit Meeresspargel dekorieren. Zu beziehen gibt es die Planktonmischung bei Enólogos, dem deutschen Importeur von Gin Mare.

 

 

Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

 

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.