Solanum Lycopersicum. Vom Feld, in die Stube, ins Glas.

Trends & Innovation 1.10.2013

Sie kann rot, gelb, grün oder schwarz sein und wird in vielen Regionen unseres schönen Deutschlands auch der „Paradeiser“ oder „Paradiesapfel“ genannt. Sie gehört zur Gattung der Nachtschattengewächse und sie ist eine Beere. Es handelt sich dabei um die Tomate. Aber findet die Tomate eine andere Verwendung in Cocktails außer für die Bloody Mary?

Die Deutschen essen, der Studie „Agriculture in the European Union – Statistical and economic information 2005“ nach, durchschnittlich 22kg Tomaten pro Jahr. Der eine mehr, der andere weniger. Den Ursprung unserer Beere finden wir in Mittel- und Südamerika. Die ersten Schriften über die schmackhaften Beeren stammen aus dem 16. Jahrhundert. 1544 hielt Pietro Andrea Mattioli fest, dass es sich bei dieser Frucht um einen „Pomo d’oro“, italienisch für „goldener Apfel“, handele.

Die Solanum Lycopersicum wurde, laut „Das große Früchte- und Gemüselexikon“ von Lothar Bendel im Jahr 2002, im 17. und 18. Jahrhundert lediglich als Zierpflanze gehalten und fand kaum Beachtung in der Küche. Auf der Wiener Weltausstellung von 1873 wurde die Tomate als Exponat präsentiert und fand ihren Einzug in deutsche Küchen um 1905 herum. Der Versuch, die Tomate in Deutschland zu beheimaten, war 1890 nur vereinzelt möglich, da die Anbaumöglichkeiten für das Gewächs, auf Grund klimatischer Bedingungen, begrenzt war und der Irrglaube herrschte, dass es sich bei der Tomate um eine höchst giftige Zierpflanze handelt.

Vom Strauch ins Glas

Doch wie fand der Paradiesapfel seinen Weg in die Cocktailgläser des 20. Jahrhunderts? Man sagt, dass Fernand Petiot die Bloody Mary erfunden habe. Allerdings bestätigt, wie wir in „Cocktailian – Handbuch der Bar“ Band 1 nachlesen können, Petiot selbst in einem Interview von 1964, dass das Rezept und die Idee durch George Jessel an ihn herangetragen wurden. Dies wiederum wird durch eine schriftliche Erwähnung von dem Kolumnisten Lucius Beebe 1939 bestätigt. Bei der Bloody Mary könnte man sagen, dass es sich dabei um eine Abwandlung oder Interpretation des Red Snapper Cocktails handelt, der aus Gin, Tomatensaft und vielen Gewürzen besteht.

Sowohl die Bloody Mary als auch der Red Snapper sind sehr variantenreiche Drinks. Ein Cocktail, der zum Experimentieren einlädt.  Die Vielfalt an Gewürzen und Kräutern, mit denen man den Cocktail kombinieren kann, sind mindestens genauso groß wie das, was unser Kräutergarten hergibt. Doch zu verdanken hat man diese Variabilität dem Saft der Tomate.

Tomate auf Abwegen?

Erich Wassicek, Inhaber der Halbestadt Bar in Wien, verriet uns eine wunderbare und geschmacksintensive Variante eines Daiquiris. Auf das Rezept ist Erich Wassicek durch einen Zufall, beim Besuch seines Freundes Andreas Obermeier im Nightfly’s, gestoßen.  Er präsentiert ihn am liebsten in einer Blindverkostung an seine Gäste und lässt die Damen und Herren am Tresen philosophieren: „Ist es weiße Himbeere? Oder vielleicht doch etwas völlig anderes? Vielleicht aber auch eine unreife Birne?“ Die Hauptsache ist, dass es schmeckt.

Und so findet auch dieses so „bärige“ Getränk Einzug in die deutsche Bundeshauptstadt. Eine im Katz Orange Restaurant und Bar, in Berlin, häufig bestellte Variante ist der Chinese-Solanum-Daiquiri, kurz auch CSD genannt, mit infusioniertem  Rum und selbst aromatisiertem Zucker. In fast jeder Bar finden sich frische Tomaten oder Tomatensaft. Begeistern Sie ihre Gäste mit einer Cocktailvariante, hergestellt aus der gefährlichsten Zierpflanze des 19. Jahrhunderts. Cheers!

(Tomaten-) Daiquiri von Erich Wassicek
adaptiert von Mr. Boston Official Bartender`s Guide 2009

5cl dunkel gereifter Rum
3cl frischer Limettensaft
2cl Zuckersirup
1Stk Cocktailtomate
2dashes Angosturabitter
1Prise schwarzer Pfeffer

Glas: Cocktailschale/Coupette
Garnitur: Prise schwarzer Pfeffer
Zubereitung: Alle Ingredienzien, bis auf den schwarzen Pfeffer, in einen  Shaker geben, diesen mit Eiswürfel füllen und kräftig 10 bis 15 Sekunden (10-15 mal) schütteln. Doppelt in das vorgekühlte Gästeglas abseihen.

 

Chinese-Solanum-Daiquiri von Phum Sila-Trakoon
adaptiert von Erich Wassicek 2013

6cl spiced Rum, mit Koriander- und gerösteter Reis-Infusion
1,5cl frischer Limettensaft
1BL Zucker, durch Vanilleschoten aromatisiert
2Stk Kirschtomaten (vorher filetieren)
1Prise Fleur de Sel

Glas: Coupette
Garnitur: Rose aus einer Tomatenschale
Zubereitung: Alle Ingredienzien in einen Shaker geben, diesen mit Eiswürfel füllen und kräftig 10 bis 15 Sekunden (10-15 mal) schütteln. Doppelt in das vorgekühlte Gästeglas abseihen.

 

Bildquelle: CC BY mythja via shutterstock

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel