Paloma Cocktail. Der Tequila-Star der Bar

Trends & Innovation 26.8.2011 2 comments

Es flattert ein zartes Täubchen durch das Märchenland und erheischt mehr und mehr Aufmerksamkeit, von Bartendern wie auch Konsumenten. Der Paloma Cocktail erobert die Bars im Sauseschritt.

Jeder Spirituosenhersteller träumt davon. Ein wohlschmeckender, erfrischender Longdrink, angefertigt mit »seiner« Spirituose. Leicht herzustellen, mit einem Hauch Kreativität und Exotik ausgestattet, aber auch nicht zu viel davon, speziell in deutschen Breitengraden. Nicht zu profan für Bartender, nicht zu komplex für den Verbraucher. Er passt in die Fünf- Sterne-Hotel-Bar, aber auch in die Kiezkneipe oder die Großraum-Disco. Alle Zutaten sind leicht erhältlich und nicht teuer und einmal im Glas, sieht er auch noch gut aus! Er ist – im wahrsten Sinne des Wortes – in aller Munde, macht große Volumen und wird so das Gesicht der Marke, das jeder sofort wiedererkennt. Richtig, ich rede von der eierlegenden Wollmilchsau namens »Signature Drink«.

Jedes Jahr aufs Neue sieht man solche sogenannten Signature Drinks in immer wiederkehrenden Kombinationen, mit den ihnen immer aufs neue oktroyierten Attributen »neu«, »erfrischend«, »spritzig« gebrandmarkt, als Pressemitteilungen durch den Internet- Kosmos flattern. Aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Der letzte erfolgreiche Signature war (und ist) der Aperol Spritz und ist nach wie vor die Messlatte, an dem sich alle künftigen Möchtegerne werden messen müssen. Welcher Verbraucher über 18 Jahre hat den Spritz nicht schon getrunken? Kennt nicht seine Zutaten und verbindet ihn nicht untrennbar mit der Marke Aperol? Ein wahr gewordener Traum im Märchenland der Getränkeindustrie.

Seit ca. 2 Jahren nun flattert ein zartes Täubchen durch das Märchenland und erheischt mehr und mehr Aufmerksamkeit, von Bartendern wie auch Konsumenten. Vielleicht auch, weil es nicht so ein fettes, dreckiges, gieriges und lautes Exemplar ist, wie man sie so häufig antrifft. Es schmeißt nicht mit Superlativen um sich und hat einen kleinen aber feinen Makel, der mit Sicherheit zu seiner Faszination beiträgt: Eine der Zutaten gestaltet sich nämlich als durchaus schwer zu besorgen. Lange Rede kurzer Sinn: Dieses Täubchen, von dem ich spreche, kommt aus Mexiko und hört auf den Namen Paloma. Von Bartendern liebevoll »Palömchen« getauft, hat diese Longdrink- Variante, bestehend aus Tequila, Salz, Limettensaft und Grapefruit Limonade, in sehr kurzer Zeit einen gewissen Kultstatus erreicht.

Die verschiedenen Limonaden und Salze

Die Paloma ist in den Tequila-produzierenden Regionen Mexikos angeblich der meistkonsumierte Tequila-Drink, noch weit vor der Margarita platziert und erinnert an einen anderen dort so typischen Longdrink, den Batanga. Letzterer besteht aus Tequila, Limettensaft, Salz und Cola und ist der Signature Drink der La Capilla Bar. Erfunden wurde er dort von Don Javier Delgado Corona, dem weit über 80jährigen Besitzer der Bar, der seine Batangas auch weiterhin vor Ort mittels seines großen Messers verrührt, bevor er sie seinen Gästen kredenzt. Über die Paloma gibt es keine solche Geschichte zu berichten, weswegen sie aber nicht weniger erfrischend wäre. Die Paloma erinnert durch die Zugabe von einem Hauch Salz eigentlich an ein isotonisches Getränk, zugegebenerweise mit einem Spritzer Alkohol. Nichtsdestotrotz genau das Richtige für einen Landstrich, in dem es gerne mal 45°C warm wird und das bei einer Luftfeuchtigkeit von 90%.

Die Paloma wurde nach dem Produktlaunch von El Jimador Tequila Mitte der Neunziger Jahre als Signature Drink adaptiert, konnte sich aber im Exportmarkt Nr. 1 für Tequila, den USA, nie gegen die übermächtige Margarita durchsetzen. Obwohl man sich in den USA glücklich schätzen kann, durch Squirt und Fresco zwei geeignete und leicht erhältliche Grapefruit Limonaden auf dem Markt zu haben. Ganz im Gegensatz zu Deutschland. Hier gilt Grapefruit augenscheinlich einzig und allein als Geschmacksrichtung für isotonische Getränke, gesüßt mit Süßstoff, nicht mit Zucker. Ein Mangel, der nicht nur Bartender kreativ gemacht hat.

Als Sierra Tequila vor zwei Jahr begann, die Paloma als einen ihrer Signature Drinks in Deutschland zu vermarkten, kaufte man, aufgrundeiner fehlenden deutschen Alternative, palettenweise die jamaikanische Grapefruit Limonade Ting.

Auch Bartender organisieren sich weiterhin größere Mengen Ting durch Sammelbestellungen, da die Einzeldosen in karibischen Shops bei einem EK-Preis von ca. 1 € liegen.

Eine andere, aber noch wesentlich teurere Variante, den Drink herzustellen, ist die französische Feinkost-Grapefruit-Limonade »La Mortuacienne «. Hier liegt der Literpreis bei weit über 5 € und widerspricht damit jeglichem Kostenmanagement eines Gastronom.

Trotz und alledem war auch »La Mortuacienne « beim Paloma-Workshop vertreten, an dem im August (passenderweise an einem heißen Sommertag) über zehn Bartender aus Berlin teilnahmen.

Erklärtes Ziel war es, der Faszination dieses Drinks, der alle fünf Geschmacksrichtungen (Süß: Limonade, Sauer: Limette, Salzig: Salz, Bitter: Grapefruit, Umami: Salz) anspricht, auf die Spur zu kommen und hoffentlich einen All-Time-Favorite zu finden. Um eines vorwegzunehmen: Der All Time Favorite wurde nicht gefunden, aber doch jede Menge Interessantes rund um das »Palömchen«.

2 comments

  1. Erich WASSICEK

    ein freundliches hallo,

    sehr schade ist das es die Thomas Henry Grapefruit Limonade nicht nach Österreich schafft, aber alle anderen TH Produkte seit anfang Juni erhältlich sind….

    Lieben Gruß aus Wien
    Erich WASSICEK / HALBESTADT BAR

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