Mixology: Magazin fur Barkultur

Wolfgang Mayer vom Mojitos in Düsseldorf gewinnt in Hamburg

Uncategorized 13.2.2009 4 comments

Eine Reise nach Hamburg ist derzeit wohl immer mit langen Nächten verbunden, wie man diversen Blogeinträgen entnehmen kann. Kurz nach meinem Aufenthalt in Mannheim für ‚Blog trifft Gastro‘ machte ich mich auf in die Hansestadt, um am DV7 Cup teilzunehmen. Herr Dirk Verpoorten (rechts im Bild) hatte uns gefragt, ob jemand von Mixology die Jury des Wettbewerbs komplettieren würde.

Am Montag traf ich demnach im Indochine ein und fragte mich im ersten Moment, ob ich fälschlich auf einer Sektionssitzung der DBU gelandet war. Überall sah man große Hähne auf dunklen Jacken, Damen rückten sich gelbe Halstücher zurecht und auch Sascha Thieben a.k.a. Mr. X hatt sich das Revers so voll mit Metallansteckern aus verschiedenen Buchstabenkombinationen dieser Vereinigung gehängt, dass ich mich wunderte, wie er damit noch aufrecht gehen konnte.

Einen Kaffee später klärte sich der Blick jedoch glücklicherweise und ich begrüßte auch ein paar mir zum Teil unbekannte Bartender in zivil. Sechsundzwanzig (26!) Bartender spulten an diesem Tag ihr flüssiges Wettbewerbsprogramm ab. Kein leichtes Programm für die Tasting-Jury, der ich zugeteilt war. Dazu kam auch noch ein Reglement, dass den kreativen Schwüngen des Bartenders statt weiter, winterlicher Tiefschneehänge einen Eiskanal auf Schwarze Piste-Niveau anbot.

Fünf Dashes Angostura waren mit zwei Sirups aus dem Hause Verpoorten und einer Spirituose des Seven Spirits-Portfolios zu kombinieren. Die Tasting-Jury, bestehend aus Angostura Brand Ambassador Mickael Perron, Danzka Brand Ambassador Lars Vestbirk, Thorsten Holdorf von Bley & Bley, Herrn Johannes Bak aus Bassum und meiner Wenigkeit machte sich tapfer ans Werk. Der Großteil der Drinks kam erwartungsgemäß auf dem Bauch den vereisten Hang hinunter geschlittert.

Ein Erdbeersirup-Schwung hin, ein Maracujanektar-Schwung zurück auf die andere Seite, den Vanillesirupstock noch kurz eingesetzt, aber es half alles nichts: pardauz! kam eine Safbombe auf die Jury zugesaust, bei der man nicht wußte, wo unten und wo oben ist. Ein Gestrüpp an Ikebana-haften Garnituren versperrte zudem noch häufig karnevalesk die Sicht. Es war kein einfaches Unterfangen. Erschreckend auch die Tatsache, dass manche Teilnehmer halbvolle Hurricane-Gläser ins Rennen schickten. Aber auch Nackt-Skifahren brachte hier keine Punkte. 

Wie löst man so eine Aufgabe? Zwei Sirups und eine Menge Bitterstoff zu balancieren? Es kristallisierte sich nur eine Handvoll Drinks heraus, die sich auf dem Weg ins Tal nicht verkanteten. Einer davon machte dann auch das Rennen:

Seven Senses

(Wolfgang Mayer, Mojitos in Düsseldorf)

5 dash Angostura
4 cl Angostura Anejo Rum
2.5cl Zuckersirup DV7
1 Spritzer Himbeersirup DV7
2cl fr. gepr. Limettensaft
2cl weißer Pfirsichmark
2 Blatt Salbei 

Dieser Drink von Wolfgang Mayer (im Bild oben links) war mein persönlicher Favorit und dass er sich durchsetzte, zeigt, dass zumindest die Tasting Jury keine Saft- und Sirupbomben mochte. Es gab nämlich keine Absprachen zwischen uns. Jeder Jury-Teilnehmer verkostete für sich und machte sich seine eigenen Notizen. Trotzdem hatte auch dieser Drink seine Schwächen. Die Garnitur bestand aus frischen Salbeiblättern und frischen Himbeeren (was richtig das ungefähre Thema des Drinks ankündigte), aber war etwas lieblos und mathematisch aufgereiht worden.

"Die erste Idee war ein leicht frozen Daiquiri mit Salbei, danach kam
dann die Idee noch mit dem Pfirsichmark", schrieb mir Wolfgang als
Erklärung zu seinem Drink. Ich finde es keine gute Idee Kräuter im Mixer zu verarbeiten, da in nahezu 100% aller Fälle die Bitterstoffe in den Drink gelangen. Außerdem ist es kein Vergnügen, kleine Salbeistückchen auf der Zunge und zwischen den Zähnen zu haben. Ich hätte empfohlen, den Drink zu schütteln und den Salbei hernach abzusieben (fine-strain). Aber Wolfgang hatte trotz kleinerer Mängel der Komposition als einer der wenigen Teilnehmer verstanden, wie man das starre Reglement umschiffen kann. Angostura Bitters mit neutral schmeckendem Zuckersirup balancieren und den zweiten Sirup in geringer Dosierung einsetzen. 

Nach der Siegerehrung, die Routinier Torsten Spuhn (Modern Masters, Erfurt) mit nur geringem Abstand auf Rang zwei, und Sebastian Wachs (Hotel Lindenau in Radebeul) auf Platz drei sah, folgte noch ein Ausflug in die Eisbar des Indochine. Anschließend machte sich der Tross auf in die Rathausstrasse, um dem Löwen einen Besuch abzustatten. Herr Meyer hatte kürzlich eine Wette gegen mich verloren, die mit einer Flasche Bollinger vergolten wurde. Dieser folgte naturgemäß noch mindestens eine weitere und das Foto eine sabrierten Flasche Gosset 1999, das mich am nächsten Tag per Mail erreichte, deutet einen noch durchaus perligen Verlauf der Nacht an. Aber ganz so ‚umfassend‘ wie bei den GSA Bloggern war der Hamburg-Aufenthalt dann auch nicht. Prosit!

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