Bar Shows. Glitter oder Splitter.

Veranstaltungen 14.11.2011

Angus Winchester kennt alle relevanten Bar-Events der Welt aus eigener Anschauung oder als Referent. Hier trennt er die Spreu vom Weizen und definiert einen persönlichen Leitfaden, der Interessenten durch das Dickicht der Veranstaltungen führen soll.

Bar Shows, die glanzvollen Messen unserer Branche, zählen zu meinen großen Lieben. Ich stand als erster Redner auf der Bühne der Bar01 (auch bekannt als die London Bar Show, das Event, das sich guten Gewissens mit dem Titel 1. Barmesse der Neuzeit schmücken darf), sitze selbst im Seminar Selection Commitee von Tales of the Cocktail, gestalte aktiv die Agenda des amerikanischen Bartendings mit und habe als Redner beinahe jeder wichtigen Bar Show der Welt beigewohnt. Im Grunde bin ich wie prädestiniert, hier die Sonnen- wie die Schattenseiten der Welt der Bar Shows zu beleuchten.

Wir sprechen tatsächlich von einer ganzen Welt. Schon  kürzlich schrieb ich  über den immer globaleren Berufsstand des modernen Bartenders. Heutzutage gibt es wahrlich so viele Bar-Events, wie uns die Industrie weismacht. Monatlich findet irgendwo auf dieser Welt eine Show statt. Angesichts dieses enormen Angebots sollte sich ein jeder, der nicht gerade in Geld schwimmt, diese grundlegenden Fragen stellen:

Was sehe ich mir an?

Was tue ich, um das Beste für mein Geld zu bekommen?

Wie hole ich das Meiste aus dem Event heraus?

Im Folgenden präsentiere ich als erfahrener Showgänger meinen persönlichen Leitfaden. Zunächst gilt es, ein paar Definitionen festzulegen. Die für Bartender interessanten Events teilen sich in drei Kategorien (deren Termini und Einordnung nicht als obligat anzusehen sind):

No 1 — Die Bar Show

Das bekannteste und kommerziellste Event. Eine Bar Show spielt sich in der Regel auf zwei Ebenen ab: Im Handelsbereich werden Marken präsentiert, Lieferantenhände geschüttelt und an Ständen verschiedene Serviceleistungen angeboten. Man läuft umher, verkostet, fragt, informiert, sammelt Broschüren und kauft ein. Im meist vorhandenen Showbereich werden Vorträge gehalten, Verkostungen angeleitet und Lesungen veranstaltet. Die BCB ist die wohl berühmteste Bar Show, doch auch die frühe London Bar Show, Cocktails & Spirits in Paris und Kopenhagen, die holländische Venuez und die Sydney BarShow zählen zu dieser Kategorie. Hier geht es um Geschäfte zwischen Firmen, Barbesitzern und Bartendern.

No 2 — Das Bildungsevent

Im Grunde existieren nur 2 Bildungsevents – Tales of the Cocktail und Manhattan Cocktail Classic. Diese intensiven Veranstaltungen legen mehr Wert auf den Fortbildungsaspekt und locken mit esoterischen Partys und Verkostungen. Hier werden weniger Geschäfte gemacht, dafür setzt hier die Cr`eme de la Cr`eme der Barwelt neue Trends für den ganzen Planeten. Auf den Bildungsevents geht es also in erster Linie um Know-how und Networking.

No 3 — Die Bar Week

Eine immer beliebter werdende Form des Happenings. In einer Bar Week werden in einer bestimmten Stadt die dortigen Bars selbst mit in das Programm einbezogen. Es finden vor Ort kleine Seminare zu den jeweiligen Bars und den dazugehörigen Drinks statt. Mit speziellen Angeboten werden neueste Kreationen promotet. Der gesamte Mixologenkosmos der Stadt lädt zum Entdecken ein, wobei die Veranstaltungen geographisch wie zeitlich weiter auseinanderliegen, als bei einer Bar Show oder einem Bildungsevent.

Drei goldene Fragen, anhand derer der Eventbesuch zum Erfolg wird

No 1 — Was ist Sinn und Zweck der Reise?

Tendiert das Interesse zu neuen Trends in der Umgebung? Oder geht es gleich auf die andere Seite des Planeten? Zuzuschauen, wie ein ganzes Heer amerikanischer Bartender fragwürdige Zutaten zu Drinks zusammenmixt, die der Kunde daheim auf keinen Fall trinken, ergo kaufen würde, ist zwar sehr spaßig, aber auf kurze Sicht nicht besonders dienlich. Auch auf der Suche nach potenziellen Lieferanten und neuen Produkten ist die Bahnfahrkarte meist die bessere Wahl als das Flugticket. Und wie steht es um die eigenen Sprachkenntnisse? Obwohl die meisten Shows überwiegend auf Englisch gehalten werden, finden durchaus viele Events in der Landessprache statt (Bar Show Barcelona, Venuez und BCB). Dazu wird bei den Bildungsevents ein mehr akademischer denn umgangssprachlicher Ton angeschlagen – gute Language Skills sind hier von Vorteil.

No 2 — Gibt es Verhaltenskodexe und wenn ja, welche?

Natürlich geht es um Veranstaltungen von Bartendern für Bartender – dennoch gilt als allererste Regel: nicht zu viel trinken. Es kann toll sein, alte Freunden wiederzusehen, Imperatoren der Industrie kennenzulernen und jeden neuen Tropfen zu kosten, aber hier geht es auch um den Job. Wer jeden Shot kippt, der auf einem Tablett vorbeischwebt, hat am Event nicht lang eine Freude. Oder vergisst alles gerade Gelernte und wacht am nächsten Morgen mit einem kompletten Blackout auf. Niemand mag leere Seminarräume oder betrunkene Chaoten. Richtig ist: einen Stapel Visitenkarten mitbringen, sich in jeder Gruppe erst einmal vorstellen (zumal sich auf den Veranstaltungen niemand auch nur einen Namen merkt) und respektvoll bleiben.

No 3 — Was hat die Gaststadt noch zu bieten?

Bar Shows finden häufig in Städten mit besonders guten oder historischen Bars statt. Es lohnt sich, nicht zu jedem der organisierten Events zu pilgern, sondern etwas auf eigene Faust zu unternehmen und, weitab der freidrinkgeilen Massen, einfach zu sehen, wohin dieser fremde Wind dich weht. Denn nicht alle guten Bars und Bartender sind in der Show vertreten – und die wahren Juwelen liegen oft versteckt.

 

Bar Shows, die jeder ernstzunehmende Bartender, passionierte Amateur und aufgeschlossene Barbesitzer gesehen haben muss (nach Priorität).

Tales of the Cocktaildas Urgestein aller Bildungsevents, das von Chainsaws bis Bitters alles abdeckt. Hierhin kommen die ganz Großen der US-Szene in die erste amerikanische City of Sin.

Bar Convent Berlin das wohl europaweit beste Line-Up an Referenten macht dieses Event zur eigentlichen Europe Bar Show.

Manhattan Cocktail Classic – hervorragende Redner vor der umwerfenden Kulisse von New York. Wer hier nichts lernt und keinen Spaß hat, muss hirntot sein.

Sydney BarShow – weit weg, aber die Reise lohnt sich. Die dortige Bartender of the Year Competition ist die strengste ihrer Art. Dazu zählen Australier und Neuseeländer zu den kreativsten Mixologen der Welt.

Cocktails & Spirits (Paris) – ein ehrliches Miteinander. Fantastische Bartender und gute Referenten reden hier über ihre Bars und lassen esoterischen Quatsch außen vor.

London Cocktail Week – die britische Hauptstadt gilt noch immer als der wichtigste Cocktailhotspot der Welt, und genau das wird hier beeindruckend gezeigt.

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