Pauly

Im Pauly Saal gibt’s Champagner mit Butterstulle.

Veranstaltungen 14.2.2012 2 comments

Die Verschmelzung von Kunst und kulinarischem Hochgenuss in Berlin. Eine Dependance des Berliner Grill Royal öffnet im Pauly Saal die Pforten und haucht der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße im Stadtteil Mitte neues Leben ein. Von der Eröffnung eines neuen Hotspots.

Wenn sich der anspruchsvolle geladene Gast in einer langen Schlange einreiht und sich in winterlicher Berliner Luft die Füße in den Bauch steht, geht hinter der Eingangstür Großes vor. Groß im wahrsten Sinne. Gleich eine ganze Schule wurde in der Auguststraße in Berlins Mitte unter strengsten Denkmalschutzauflagen von Keller bis Dachboden saniert. Die ehemalige Jüdische Mädchenschule hat ein neues Gesicht bekommen, ohne den alten Geist zu verlieren.

Im Inneren des roten Klinkerbaus, welcher immer noch in Besitz der jüdischen Gemeinde ist, finden nach mehr als zwanzig Jahren Leerstand Kunst und Esskultur zueinander. Unter dem, von Andy Warhol gemalten Blick des Alten Fritz, jenem preußischen Monarchen, der die Schulpflicht einführte und jedem gewährte nach seiner Façon zu leben, wird in Zukunft die Schulspeisung in zwei Restaurants ausgegeben. Im „The Kosher Classroom“, beherbergt im alten Biologieraum, speist man zu Füßen ausgestopfter Vögel und sitzt in den aufgepolsterten Sesseln aus Schulzeiten. Serviert wird, wie der Name sagt, nur als koscher zertifiziertes Essen.

In der alten Turnhalle befindet sich der Pauly Saal, eine Dependance der Macher vom Grill Royal. Unter imposanten Kronleuchtern aus Muranoglas wird es dort künftig Herzhaftes auf höchstem Niveau geben. Die Manufaktur „Pauly“, in der diese gläsernen Kunstwerke gefertigt wurden, diente zugleich als Namensgeber für die neue Essensausgabe. Der Herr der Butterbrote ist Küchenchef Siegfried Danler, welcher bewusst auf deutsche Küche setzt. So wird es, anders als im Grill Royal, nicht nur das Filetstück geben, sondern möglichst viel vom Tier in Töpfe und Pfannen wandern. Zeitlose Hausmannskost für illustre Gäste.

Zudem wird sich mit Mogg & Melzer ein kleiner Deli im geschichtsträchtigen Bau einfinden und selbst gemachte Spezialitäten, wie Pastrami to go verkaufen.

Neben herzhaft kulinarischen Gaumenfreunden, wird sich auch die Pauly Bar – die von Mario Brach gemanagt wird und der sich schon im Felix Meriten verdient hat -, und die zur Eröffnung vorwiegend den ständigen Champagnerausschank zu bewältigen hatte sowie zwischenzeitlich auch mal auf dem Trockenen lag, in den Räumlichkeiten ansiedeln und zum Aperitif laden.

In den oberen Stockwerken der alten Mädchenschule sind Kunstgalerien beherbergt. Neben Hausherrn Michael Fuchs stellen hier auch Camera Work Contemporary und Eigen & Art Lab aus. Diese Symbiose aus Kunst und Essen schafft ein kulturelles Prestigeobjekt in Berlins Mitte.

Timing ist alles

Bei der Terminwahl der Eröffnungsfeier bewies man erneut ein Goldenes Händchen. Pünktlich zum Beginn der Berlinale, einem Zeitpunkt an dem es den einen oder anderen Prominenten in die Bundesdeutsche Hauptstadt zieht, feierte man auch im Pauly Saal. Ein gefundenes Lunchpaket für die Presse und garantiere Publicity für die Macher.

Während sich das Publikum, zudem auch Topmodel Naomi Campbell und Sänger Herbert Grönemeyer gehörten, am Eröffnungsabend überwiegend mit, in Butterbrotpapier verpackten, Stullen und Champagner eindeckte und sich an der Bar drängte, fand man in den Galerien Zeit um sich mit einem Glas prickelnden Traubenwassers ruhig zu unterhalten, durchzuatmen und sich die Kunstwerke anzusehen.

Allgemein suchte man, wie üblich auf solchen Veranstaltungen, die Ruhe vergebens. Frank Künster, einer der begnadetsten Türsteher Berlins sagte den wohl meistgehörten Satz des Abends „Ihr müsst Geduld haben und Rücksicht nehmen“. Wobei es gar nicht einfach ist, sich einer nach Champagner verzehrenden High Society Meute in den Weg zu stellen und um Rücksichtnahme zu bitten. Auf manchem Rockkonzert benehmen sich die Gäste gesitteter – und zerbrechen weniger Champagnergläser.

Dennoch gelang es den Köpfen hinter dem Pauly Saal das begehrte „In ist, wer drin‘ ist“-Prinzip zu schaffen. Und so wurde dementsprechend lange gefeiert. Zumindest bis fünf Uhr morgens, denn dann kamen die Bauarbeiter in die alte Mädchenschule zurück und übernahmen die Tageschicht. Nach diesem grandiosen Soft-Opening wird noch etwas gewerkelt, bevor dann im März der Regelbetrieb mit schulischer Disziplin aufgenommen wird.

 

Pauly Saal

Jüdische Mädchenschule Auguststr. 11-13

10117 Berlin

 

Öffnungszeiten: täglich geöffnet ab 12 Uhr

S-Bahn: Oranienburger Str.

Rauchen: Ja

 

Weitere Informationen: paulysaal.de

 

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