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Mezcal auf den Tresen. Tasting im Stagger Lee in Berlin.

Veranstaltungen 12.1.2012 1 Kommentar

Mezcal findet immer mehr Beachtung und Aufmerksamkeit in Bartenderkreisen, ein gutes Beispiel hierfür ist das Tasting in kleiner Runde im Stagger Lee in Berlin. Das Agavendestillat wird durch Zalorén González Fontes, einer leidenschaftlichen Kämpferin für das vielschichtige Produkt, genau beleuchtet.

Mezcal ist bis jetzt eine Randerscheinung und spielt in den wenigsten Bars der GSA-Länder eine tragende Rolle, dennoch kommen derzeit immer neue Produkte auf den Markt und die Vielfalt auf dem deutschsprachigen Markt wächst zwar langsam, aber beständig und das Interesse des Bartendernetzwerkes ist geweckt. Dies sieht man einerseits daran, dass das ein oder andere Destillat in der Rubrik „Verkostet und Bewertet“ im Magazin MIXOLOGY – dort testen bekannte Bartender und Connaisseurs neue Produkte auf Herz und Nieren – gute oder sogar exzellente Ergebnisse erreichen. Zum Beispiel San Cosme Mezcal, über den wir vor Kurzem ausführlich berichteten. Auf der anderen Seite erkennt man die wachsende Aufmerksamkeit auch daran, dass Bartender, in unserem Fall die Crew des Stagger Lee, Tastings und Schulungen für befreundete Fachkollegen organisieren, um dem Agavendestillat unter die Arme zu greifen.

Aber was ist Mezcal?

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich bei Mezcal um einen Agavenbrand handelt, der aus dem fermentierter Saft der verschiedensten Agavenherzen hergestellt wird. Der berühmteste Vertreter des Mezcal, der den meisten ein Begriff sein sollte, ist der Tequila, dieser darf aber nur aus einer bestimmten Agave, nämlich der Blauen Weber destilliert werden. Wer etwas tiefer in die Materie einsteigen will, dem empfehlen wir den Artikel vom Camper English auf unserer Seite.

Um den populären Vertreter Tequila ging es aber auf dieser Veranstaltung nicht, sondern die kleineren und bei uns noch eher unbekannten Destillate sollten in den Fokus gestellt werden, sowie eine Lanze für den Artesanal und traditionell hergestellten Mezcal gebrochen werden.

Dies unterstrich auch die einleitende Präsentation zum Tasting von Zalorén González Fontes, mit einer kurzen Erläuterung über die Agaven mit ihren etwa 200 Unterarten und die unterschiedlichsten Herstellungsweisen, aus denen Mezcal gebrannt werden, kann. Daraus leitet sie auch ihre Gliederung ab, wonach man dieses Agavendestillat in drei Unterarten einordnen kann, deren Abgrenzung aber fließend ist und daher schwer vorzunehmen.

Hier ein kurzer Versuch:

1.    Traditionell, in Europa so gut wie nicht erhältlich, da diese Destillate meist keine Lizenz haben und nur in sehr geringen Mengen destilliert werden. Sehr einfache Herstellungsweise in den unterschiedlichsten Brennvorrichtungen.

2.    Artesanal wird in zahllosen lokalen Destillerien mit Hilfe kleiner Pot Stills hergestellt, wenig Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln.

3.    Industrielle Produktion in großen Mengen und deutlicher Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln, kann auch in kontinuierlichen Brennverfahren hergestellt werden.

Danach wurde auf die Einflüsse, die die natürliche Umgebung auf das Endresultat des Destillats hat, eingegangen. Ähnlich wie beim Whisky spielen beim Mezcal das Wasser, die Lage, das Klima und viele weitere geografische Faktoren eine entscheidende Rolle und beeinflussen den Geschmack grundlegend. Aber der Hauptfaktor, der den Charakter entstehen lässt, sind die verwendeten Agaven und die Herstellungsweise.

So kamen bei dem Tasting auch die unterschiedlichsten Mezcals auf den Tisch. Jeweils 2 Produkte aus einer Agave wurden präsentiert und quer verkostetet. So war es für die Teilnehmer interessant zu sehen, wie unterschiedlich Mezcal sein kann, dies kann man wieder gut mit Whisky vergleichen. Schaut man sich nur mal die Zahl an, wie viele Agavenarten es gibt, sieht man schon die schier endlose Vielfalt, die diese Spirituose bietet. Ein Eldorado für den erfahrenen Genießer.

Aber dennoch spielt Mezcal eine untergeordnete Rolle beim Endverbraucher. Nicht viel ist über das Elixier aus Mexiko in die breite Öffentlichkeit hervorgedrungen, viele wissen noch nicht einmal, worum es sich handelt. Es wartet also noch viel Aufklärungsarbeit auf den Bartender und Liebhaber dieser Rubrik, um den Mezcal in den Fokus zu rücken. Dies dürfte sich nicht als allzu leicht erweisen, da die oft rauchige und salzige Note nicht gerade massenkompatibel erscheint, noch dazu ist der Preis oft eher teuer. Aber dennoch handelt es sich um eine sehr schöne Spirituosenrubrik, die ihre Nische findet oder schon gefunden hat und sich wahrscheinlich, wenn auch nur langsam immer weiter ausbreiten wird. Vielleicht kann ihm dabei sein großer Verwandter, der Tequila auch etwas behilflich sein, dieser macht sich nämlich langsam auf das Image des reinen Shots zu verlieren und wartet immer mehr mit vielfältigen Qualitäten auf.

Ein Kommentar

  1. Dan García

    Sehr guter Beitrag, Her Kollege. Empfehlung: Unbedingt die Mezcalería “Lupita” am Kotti aufsuchen, da wird der Agavenexperte glücklich fündig…!

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