Und die Bar die es nicht gibt, existiert doch. Also, Hosen runter!

Veranstaltungen 17.5.2012 4 comments

Unser Autor Steffen Hubert vergaloppierte sich kürzlich in der Analyse einer Veranstaltungsreihe. Es ist jedoch noch nicht aller Tage Abend und er wagt einen zweiten Anlauf, um sich der Sache dieses Mal mit Abstand und kritisch zu nähern. Zeit, sich warm anzuziehen?

Der Kommentator hatte recht. Mein letzter, sehr kurzer Beitrag zu „Der Bar die es nicht gibt“ war definitiv kein Qualitätsjournalismus. Der Trailer zum kommenden Film wurde vorgestellt und die Fakten der aktuellen Situation aufgelistet. Kritische Betrachtung gleich null. Ausreden? Derer gibt es viele: Zeitmangel, Blauäugigkeit, Gedankenlosigkeit, Befangenheit, Klickzahlgier, Scoop-Wahnvorstellungen…handfeste Gründe sind jedoch schwerlich anzuführen. Aber für einen zweiten Versuch ist es hoffentlich noch nicht zu spät. Daher, trotz noch akuterem Zeitmangel, erneut von vorne. Aber gründlich.

Die Bar die es nicht gibt“ ist eine Veranstaltungsreihe im zweiten Jahr. Sie wurde von Moritz Niederstrasser ins Leben gerufen und proklamiert für sich, ein Speakeasy-Konzept zu sein. Das Konzept zieht durch die Lande und eröffnet mit lokalen „Joint-Venture-Bartendern“ Pop-up Bars. Niederstrasser erklärte letztes Jahr, dass das Konzept „ohne Sponsoren nicht funktionieren würde“ und es für ihn „ein Nullgeschäft“ sei. Die Sponsoren waren auf den Flyern, den Barkarten, natürlich in den Drinks vor Ort und hin und wieder auch in der Kommunikation zu finden. Im Vordergrund standen aber jederzeit das Netzwerk der modernen Bartender und der Spaß, den ein vermeintliches Speakeasy-Konzept in jedwede Region transportieren kann.

Bevor man in die Tiefen taucht, muss erwähnt werden, dass der Begriff Speakeasy hier mal wieder völlig fehl am Platz ist. Eine Tatsache, die Mixology Herausgeber Helmut Adam schon Ende letztens Jahres herausgearbeitet hat. Speakeasy sollte etwas Unbekanntes, Kleines und Feines bleiben. Die massive Bewerbung des Konzepts auf Facebook und in diversen Medien, ich gebe meinen Teil nun sogar doppelt dazu, macht das Konzept derartig „un-Speakeasy“, dass es schon fast schmerzt. Speakeasy ist nicht tot, aber es lebt auch nicht in einer Veranstaltung weiter, die den ganzen Tag Profilbild-Marketing-Säue durch Facebook treibt und die Fahne des weltgrößten Spirituosenkonzerns ins Herz der Masse rammen möchte.

Wieviel Netzwerk ist in „Die Bar die es nicht gibt“?

Das war mir klar und ist hoffentlich vielen anderen ebenfalls klar gewesen. Trotzdem wollte auch ich die Reihe 2012 persönlich unterstüzten, um meiner Wahlheimat Freiburg im Breisgau etwas Abwechslung zu schenken. Ein Engagement, das ich nun, aufgrund der hier auf MIXOLOGY ONLINE nicht professionell getrennten Funktionen als Mitglied der Redaktion und als Netzwerkpartner von Niederstrassers Veranstaltungsreihe, auf Eis gelegt habe. Qualitative Drinks sind in Freiburg, wie in vielen anderen Regionen des GSA-Raumes, nicht selbstverständlich.

Jede Veranstaltung die Barkultur aufblitzen lässt, ist ein Lichtblick. Für viele „Provinzen“ sind Events wie das der Bar die es nicht gibt also eine Chance. Die MIXOLOGY-Redaktion hat oft genug festgestellt, dass nunmehr in jeder halbwegs größeren Stadt engagierte Bartender residieren und in Millionen-Metropolen oftmals sogar ein Überangebot das Bild bestimmt. Verbirgt sich eventuell hier der Grund, warum Niederstrassers Projektbar 2011 in Städten wie Berlin und Hamburg floppte, aber auf Pellworm rockte?

Schon letztes Jahr gab es Bedenken, dass die Bar die es nicht gibt, mehr Marketingkonstrukt als Netzwerk sei. Dies lag primär daran, dass die Einbindung des Spirituosenmultis Diageo nicht transparent kommuniziert war. Ein Eindruck, der dieses Jahr unter anderem dadurch bekräftigt wird, dass das Jungunternehmen Thomas Henry als Filler nicht mehr vertreten ist und stattdessen der Marktgigant Schweppes den Platz einnimmt. Für Thomas Henry-Gründer Sebastian Brack keine große Sache: „Uns war es schlicht und ergreifend dieses Jahr zu teuer, an der Tour teilzunehmen, daher hat ein anderes Unternehmen das Rennen gemacht. So läuft es nun mal.“

Auch Moritz Niederstrasser nimmt es gelassen: „Für mich wurde die Entscheidung aus emotionsloser Sicht getroffen. Die Kommunikation mit Thomas Henry war aus meiner Sicht schleppend, die mit Schweppes akkurat, fair, offen und professionell. Ob es Leute da draußen für gut oder schlecht empfinden, ist jedem selbst überlassen.“ Wer nicht glaubt, dass „Die Bar die es nicht gibt“ mit Schweppes zusammenpasst, soll laut Niederstrasser, „vorbeikommen und probieren“.

Für Niederstrasser ist sein Baby „auch dieses Jahr noch 150% Netzwerk und eine wandernde Veranstaltung von Bartendern, die sich gut verstehen“. Aber er streitet auch nicht ab, Unternehmer zu sein. „Ich kann damit nicht reich werden, aber die Sache soll sich natürlich für mich rentieren“, meint er MIXOLOGY ONLINE gegenüber und zeigt sich etwas genervt davon, dass „nun der Wechsel von Thomas Henry zu Schweppes im Fokus steht“, wobei er doch „eigentlich nur weiter rocken wollte“. Unterm Strich ist für ihn „alles beim Alten, nur eben ein bisschen größer“.

Große Tour und großes Geld

„Die Bar die es nicht gibt“ stachelt also Lokalpatriotismus und Bartenderstolz auf subtile Weise an und weckt verführerische Netzwerkgedanken. Sie ist aber, das muss man bei Analyse des der Redaktion vorliegenden Verkaufsmaterials klar konstatieren, eine unternehmerisch durchdachte, hochkommerzielle  Marketingveranstaltung, welche primär die Marke Moritz Niederstrasser promotet und die Unternehmen nach vorne trägt, die Niederstrasser dafür bezahlen, dass er sie vermarktet. Es handelt sich hier um fünfstellige (!) Summen, vergleichbar mit Beträgen, die einzelne Marken in einen Messestand auf dem Bar Convent Berlin oder der Barzone investieren. In diesem Strudel, dem man gerne skeptisch gegenüberstehen kann, geschehen, neben manchen Veranstaltungs-Flopps, auch viele gute Sachen. Wie sonst wäre die Barszene an einen Film gekommen, mit dem sich vermutlich sehr viele identifizieren werden? Wer sonst kümmert sich um Spaß in den Provinzen?

Niederstrasser hat eine wachsende, polarisierende Marke geschaffen. Ob sie auch im zweiten Jahr funktioniert, werden wir beobachten. Ob ihm der Balance-Akt zwischen Bartenderkumpel und Agentur-Marken-Messias gelingt, hängt vermutlich viel davon ab, wie offen und transparent er über seinen Umgang mit den jeweils einen gegenüber den anderen kommuniziert. Zur weiteren Etablierung kann „Die Bar die es nicht gibt“ trotz allem auch sehr gerne in meinem geliebten Freiburg landen. Ob mit oder ohne Thomas Henry – schaden kann es zumindest nicht.

4 comments

  1. Fetzo

    Dann bin ich mal gespannt ob der Moritz uns diesmal auch als Djs in Berlin bucht, freu mich schon auf die Gage/Verhandlung 😉
    cheers

  2. Florian Hubrich

    und da wird sie landen mein lieber Herr Hubert, davon gehe ich aus…

  3. Gregor

    so ein Event in Freiburg, das wäre… WOW!

  4. marc stein

    ich verstehe nicht so ganz, was dieser Artikel überhaupt aussagen will? Warum muß sich ein Geschäftsmann für seine Idee bei Anderen rechtfertigen? Welches Tonic jetzt und damals benutzt wird oder wurde kann Ihnen doch total egal sein oder stecken Sie persönlich Zeit und Kraft in dieses Projekt? Wenn mir das Grill Royal zu teuer, zu voll, zu warm, zu laut, zu hektisch oder zu weit weg ist, geh ich nicht hin oder eben kein zweites mal. Meine Eindrücke kann ich dann jemanden den es interessiert an der Bar erzählen. Im Royal gibt es aber nunmal 200 Sitzplätze und die sind alle besetzt. Und manchmal ist es eben so, dass man eine Randmeinung vertritt.
    Als ob nur TH Barkultur betreiben würde…
    Ich finde diesen Artikel sterbens langweilig und nicht lesenswert!!! und bin überhaupt nur auf diesen Artikel gestoßen, weil mich das Konzept des Herrn Niederstrasser interessierte und ich mehr wissen wollte… Mehr „Wissen“ kann ich aus Ihrem Text aber nicht ziehen und so werde ich Dieses wohl woanders beziehen müssen…

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