Wodqa. Dosengetränke auf dem Vormarsch.

Vodka 2.10.2013

Spirituosen aus Dosen. Dieser krude Reim und eine ausgeklügelte Marketingmasche beschreibt die Produkte vom Qonzern ganz treffend. Während sich der den MIXOLOGY – Lesern bereits bekannte Korn als sehr männliches Getränk präsentieren wollte, will man mit dem Vodka in anderen Konsumentenschichten punkten.

Qorn wandte sich an „echte Männer“. Zielgruppe ist unter anderem die Anhängerschaft metallischer Musik. Zusätzlich fällt man auf zugehöriger Internetseite vor allem durch streitbares Niveau auf, wenn man sich einmal durch die Verlinkungen der Altersauswahl klickt. Auf der neuen Internetseite vom Qonzern scheint man den Qorn aber neu positionieren zu wollen. Dies bestätigte auch Geschäftsführer Raimund Schmelzer: „Mit der ersten Qualität des Qorn sind wir rückblickend nicht mehr zufrieden. Heute würden wir dieses Produkt nicht mehr so veröffentlichen.“

Aber hier soll es nicht um den Qorn gehen sondern um das neue Aushängeschild des Qonzerns: Wodqa.

Neupräsentationen von Spirituosen sind ja immer so eine Sache. Einige wenige überzeugen durch ein Produkt, das in Geschmack und Anwendung einmalig oder zumindest unersetzlich ist. Andere werden durch ein geschicktes und scharf gefeiltes Marketing vorangetrieben. Das vorliegende Produkt will sich allerdings nicht so recht einordnen lassen.

Da steht sie auf dem Schreibtisch. Eine Metalldose. Gebürstet. Man kennt sie aus dem Baumarkt. Dort bekommt man dann so Inhalte wie Farben, Lacke oder das Gegenstück. Terpentin oder Aceton. Dosen für Gefahrenstoff.

Auf dieser Dose findet man keine Gefahrenzeichen. Lediglich den Hinweis, man möge bewusst genießen und Schwangeren nichts abgeben. Vernünftig. Die Vorderseite zeigt ein schwarzes W auf blauem Grund. Darunter den Name Wodqa. Was sich liest und aussieht wie ein mittelschwerer Tippfehler, entpuppt sich als Versuch, den Namen des Getränks mit einem Marketingelement zu kombinieren.

Der Buchstabe Q spielt im vertreibenden Qonzern offenbar eine übergeordnete Rolle. Er soll Qualität in allen Bereichen und Segmenten vermitteln, dient aber auch als klassischer Zungenbrecher.

Marketingschlagseite

Ganz davon ablenken, dass sich die beiden Macher der Marke in Sachen Design und Marketing auskennen, kann das qualitative Q aber doch nicht. Reinhard Schmelzer und Michael Stemprock, Gesellschafter des Qonzern und der Gute Gesellschaft Verlags GmbH, sind wohl dekoriert mit mehreren Designpreisen. Unter anderem dem Red Dot 2011 für Produktdesign oder dem iF Packaging Design Award. Von der Notwendigkeit eines auffälligen Packagings muss man diese Spirituosenmachern ganz sicher nicht überzeugen.

Die Gefahrenstoffdose als Verpackung hat also nicht nur die kommunizierten Vorteile der Undurchlässigkeit von Licht und dem damit verbundenen Schutz des fragilen Inhalts. Im Regal hinter der Bar sticht sie ins Auge, wenn sie runterfällt, ist außer einer Delle im Blech nichts geschehen und preislich ist die Dose sicher nicht uninteressanter als eine Flasche.

Deutsch-Österreichisches Gemeinschaftsprojekt

Vodka aus der Dose also. Soweit so gut. Liest man die Beschreibung auf der Homepage möchte man fast an eine Revolution in der Dose glauben so euphorisch wird der Vodka beschrieben. Winterweizen eines auf Nachhaltigkeit bedachten, kleinen österreichischen Landwirts, Quellwasser welches durch Urgestein gefiltert und besonders viele Mineralien mit sich trägt und zudem noch innerhalb von 24 Stunden verarbeitet wird. Abgerundet durch eine siebenfache Destillation im Pot Still Verfahren, welches ein so reines Destillat erzeugt das man getrost auf eine Filtration verzichten kann. Die Filtration würde laut Angabe des Booklets die feinen Aromen des Weizens zerstören.

Hier darf man sich also mit etwas aussergewöhnlichem schmücken. Während andere Vodkahersteller sich ewig lang über die Besonderheit ihrer Filtration auslassen, wird dies hier als Qualitätsmerkmal genutzt darauf zu verzichten.

Auf Nachfrage wo denn der Wodqa genau hergestellt wird hält sich Schmelzer sehr bedeckt. „Der Wunsch des Brenners ist es, nicht genannt zu werden. Die Brennerei verfügt über eine einmalige Quelle in einem Naturschutzgebiet im Osten Österreichs. Die Reinheit dieser Quelle solle nicht gefährdet werden.“ Dem Wunsch des Brenners kommt man natürlich zu gern nach. So ein bisschen Geheimnis ist schliesslich nicht schlecht für das eigene Image. Schadet aber ein wenig der Glaubwürdigkeit.

Blechverkostung

Aber genug des Drumherums. Auf die Dose, fertig, los! Und da fängt es auch schon an. Die Dose zu öffnen, ist nicht problematisch. Auch wenn man nicht den zugehörigen Dosenöffner zur Verfügung hat. Aber aus der Dose in ein Glas einzuschenken, ist schon komplizierter. Die Öffnung ist mehr oder weniger ungeeignet zum Einschenken, solange kein Ausgießer benutzt wird. Das, was dann im Glas landet, birgt vorerst keine Überraschungen. Eine klare, farblose Flüssigkeit. Vodka halt.

In der Nase präsentiert sich das Destillat sehr rein. Eine leichte Frische, die beinahe künstlich wirkt. Zitrusnoten verwirren das olfaktorische Zentrum, verfliegen aber rasch wieder. Gibt man dem Vodka etwas Zeit im Glas, schwinden die ungewohnt reinen Noten und die leichte Süße des Weizens lässt sich erahnen.

Im Mund überrascht die leichte Schärfe, die sich zu Beginn breitmacht. Diese wird aber schnell überlagert von der für Weizen typischen, milden Süße. Auch im Geschmack präsentieren sich dann die frischen, beinahe an Zitrusfrüchte erinnernden Noten, die sich mit der angesprochenen Süße abwechseln.

Insgesamt ein klarer aromatischer Vodka, der ein bisschen mehr mitbringt, als man sich klassischerweise von einem Vertreter dieser Kategorie erwarten würde. Der Eindruck, dass es sich um gut durchdachtes Marketing handelt, das ein durchaus akzeptables Produkt verlaufen möchte, wird also bestätigt.

Immerhin versucht man nicht bei allen üblichen Klischees mit den Mitbewerbern mitzuhalten. Endlose Filtration mit obskuren Materialien entfällt zum Beispiel. Das nicht-filtrieren wird sogar als Qualitätsmerkmal angeführt. Zumindest ein Premium Klischee wird aber doch erfüllt. Der Preis. 50 Euro für einen Liter Vodka, wie sie im eigenen Shop kommuniziert werden, ist auch im Bereich der Premiumspirituosen eine Marke, die im oberen Bereich liegt. Laut Gesellschafter Raimund Schmelzer möchte man sich „auf die gehobene Gastronomie und Hotellerie konzentrieren“. Hier darf man dann sicherlich ein anderes Preisgefüge erwarten.

Zusammenfassend darf man den Wodqa als ein gutes Destillat bezeichnen, das in einem interessanten Packaging verkauft wird, das aber wiederum aber leider durch schwieriges Handling beeinträchtigt wird.

 

Wodqa

Preis: ca. 49,90 Euro

Vertrieb: Quonzern GmbH

Herkunft: Österreich

Füllmenge: 1,0 l

Alkoholgehalt: 40 Vol. %

Internet: www.quonzern.com

 

Bildquelle: aboutpixel.deAlte Dose © kemai

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