Riesling

Ende der Eiszeit. Die Herzen erwärmen sich für Deutschen Riesling.

Wein 26.3.2012 1 Kommentar

Jahrelang hielt deutscher Riesling die perfekte Balance zwischen Säure und Süße. Doch jetzt zeigt eine neue Generation deutscher Winzer, dass sie auch trocken kann. Und das kommt verdammt gut an.

Als ich vor etwa fünfzehn Jahren deutschen Wein zu trinken begann, da hatte deutscher Wein einen immens schlechten Ruf. Entweder war die Plörre zu sauer. Oder die Plörre war zu süß. Etwas anderes als Plörre schien es ohnehin nicht zu geben. Und dann war diese Plörre auch noch in Flaschen gefüllt, die mit grässlichen Etiketten zugeklebt waren, dämlich aussehende, total verschnörkelte Papierstreifen, die noch dazu Weine anpriesen, die selten blöde Namen trugen. “Kröver Nacktarsch” zum Beispiel. Wer will denn so etwas trinken?

Nein, wir Österreicher hatten unsere Hausaufgaben viel schneller und besser gemacht. Da konnte der deutsche Nachbar noch was lernen. Bei uns standen zur gleichen Zeit nur moderne Winzer im Fokus, Winzer, die den österreichischen Wein quasi neu erfanden. Und das Tag für Tag. Willi Bründlmayer, Gernot Heinrich, Josef Umathum, die Gebrüder Velich, die Familie Pöckl, die Familie Prieler. Um nur einige zu nennen. Und begleitend die alten Wachauer, die den Weinskandal von 1985 einigermaßen unbeschädigt überlebt hatten: Pichler, Prager, Hirtzberger, Jamek, Knoll etc. Jede Woche wurde in Österreich ein neuer Kultwein geboren. Und von den Medien gebührend gefeiert. Wie alt sah Deutschland damals aus. Vor allem im Bocksbeutel. Sehr alt.

Nun, auch Österreich hat Winzer mit krankhässlichen Etiketten, z. B. Emmerich Knoll, dessen katholische Ikone nicht mehr zu ändern ist. In der gleichen Falle wie Maximin Grünhäuser. Und die Österreicher haben auch seltsame Lagebezeichnungen. Etwa “Poysdorfer Saurüssel“. Doch dieser Wein ist ja wirklich Dreck. Alles andere ist neu. Und aufregend. Und überhaupt!

Deutsche Rieslingrenaissance

Ja, auch beim Riesling waren wir Österreicher eine Zeit lang Weltmeister. Obwohl man auch in anderen Ländern Riesling keltert. Zum Beispiel im Elsass. Aber die Weine dort sind oft so fett, dass man meint, sie auf ein Brot streichen zu können. Das ist der alte Geschmack der Franzosen. Die sollen ihr Zeug doch selber trinken.

Und es gibt Rieslinge aus Deutschland. Von der Mosel. Und aus dem Rheingau. Alle anderen deutschen Weinbaugebiete sind den meisten Österreichern bis heute unbekannt. Nein, die österreichischen Rieslinge sind für Österreicher zweifellos seit jeher Weltspitze. Und unvergleichlich. Unvergleichlich wegen der perfekt eingebundenen Botrytis. Unvergleichlich wegen ihrer lange Haltbarkeit. Unvergleichlich wegen des speziellen Schmelzes. Deutscher Riesling kann da nicht mithalten.

Warum ich Sie mit diesem ganzen “Riesling-ist-in-Österreich-besser-Gewäsch” belästige? Ganz einfach: Weil es nicht stimmt! Weil sich selbst in Österreich die Meinung dreht. Denn eines scheint unverrückbar festzustehen: Deutschland ist das beste Riesling-Anbauland der Erde. Und wenn das selbst österreichische Winzer, ja sogar österreichische Konsumenten sagen, dann muss ja ordentlich viel geschehen sein.

Ist aber nicht. Es ist nicht viel geschehen. Es waren nur wenige deutsche Rieslinge, die das Bild des deutschen Rieslings in Österreich und der Welt derart verändern konnten. Kalte Rieslinge, mineralische Rieslinge, Rieslinge, die man aus Deutschland nicht erwartet hätte. Doch jetzt sind sie da. Und verblüffen alle.

Denn bislang war Deutschland eben nur für die eingangs erwähnten restsüßen Rieslinge bekannt, die nur bei einer eingeweihten Schar von Weinkennern Rang und Namen hatten. Diese Weine konnten aber die Mehrheit der österreichischen und auch deutschen Weintrinker kaum begeistern. Man muss schon ein sehr feines Sensorium haben, einen Wein wie jenen aus der legendären Lage “Sonnenuhr” von J. J. Prüm nicht mit einer süßen Traubenlimonade zu verwechseln. Und die niedrigen Alkoholprozente rücken diese Weine zudem in die Region der Blubberwässer. Was freilich alles Makulatur ist, wenn man einmal eine Haag-Spätlese vom “Brauneberger Juffer” getrunken hat. Das ist großer Wein. Aber eben sehr speziell. Und mit jeder Menge Restzucker. Und auch Botrytis, der Edelfäule, die manchen Süßwein erst schön macht.

Wer das nicht will, konnte seit jeher auch schon knochentrockene Alternativen in Deutschland kaufen. Doch auch mit entsprechenden Säurewerten. Erst der Klimawandel der letzten zwanzig Jahre und eine dramatisch verbesserte Kellerarbeit haben die neuen trockenen Rieslinge aus Deutschland möglich gemacht.

Ein Kommentar

  1. Ly

    Ne, ne, Österreich schlägt meiner Meinung nach den deutschen Riesling immer noch um Längen. Obwohl meine Favoriten eher die sind.

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