Mixology: Magazin fur Barkultur

Vorsicht Urheberrecht! Der Fall Tvino vs. Bernhard Fiedler

Blog 15.12.2009

Aufpassen mit dem Urheberrecht! Wie ein aktueller Fall bei Tvino zeigt, verleitet die immer einfacher zu bedienende Veröffentlichungs-Software im Internet zu unbedachtem Umgang mit den Werken anderer.

Die einfachen Editiermöglichkeiten des Mitmach-Internets verführen zu Schnellschüssen. Seit kurzem ballern viele Blogger auf einem neuen Kanal: Posterous. Das ist eine Art Nebenblog, das man innerhalb von wenigen Sekunden per Mail befüllen kann, ohne sich groß über Login und Html Gedanken zu machen. Eine Art schneller Ablegeplatz für interessante Dinge, denen man auf den Netzstrassen begegnet. Sachen, die man mitteilen will, aber nicht zwingend in ausführlicher Form.

Posterous ist ein typisches Hype-Produkt, das meines Erachtens nie die Masse der Netzbenutzer erreichen wird. So praktisch es auf den ersten Blick aussehen mag, zersplittert es die bereits durch verschiedene Plattformen zerfaserte Kommunikation im Internet noch weiter. Es ist nur ein Bruchteil der Leser, die all diese Kanäle mit Bündelungsdiensten wie Friendfeed geordnet haben. In einem aktuellen Fall kann man sehen, dass diese Art von "Schnell-Software" leider auch zu Schnellschüssen verführt.

Unser in Diensten von Haweskos Tvino stehender Weinautor Hendrik Thoma hat via Posterous einen kompletten Artikel (Edit: Text ist mittlerweile gelöscht worden) des Weinbloggers Bernhard Fiedler gepostet. Vermutlich in guter Absicht, um ihm mehr Lesern zuzuführen. Leider fehlt jeglicher Hinweis bzw. Verlinkung auf den Urheber. Der Beitrag ist ein Verstoss gegen Urheberrecht und Zitatrecht. Zu Recht beschwert sich Fiedler über diesen Umgang mit seinem Text. Was derzeit an Reaktionen über Twitter tickert, ist sicher nur ein Sturm im Wasserglas und ich denke Tvino wird sich heute in aller Form entschuldigen.

Dieser Fall ist ein gutes Beispiel dafür, dass man dem schnellen Tempo des Internets nicht auf den Leim gehen sollte. Lieber noch einmal nachprüfen, bevor man etwas veröffentlicht. Ich habe auch in einigen Barblogs in der Vergangenheit bereits eklatante Urheberrechtsverletzungen registriert. Da wurden Bilder von Zeitungen übernommen oder komplette Texte in Beiträge reinkopiert. Derzeit segeln diese Blogs noch außerhalb des Radars der Abmahnbranche, aber der Gebrauch von Software, die das Internet nach Verstössen gegen das Urheberrecht durchforstet, nimmt zu.

Nachtrag 12:11 Uhr: Tvino hat den entsprechenden Text in seinem Posterous-Kanal mittlerweile gelöscht und stattdessen folgende Erklärung eingestellt: "Wir nutzen (…) die automatisierte "Share on Posterous" Funktion, die automatisch am Ende jedes Postings einen Link auf den jeweiligen Urheber setzt. Wenn der jeweilige Urheber damit Probleme hat, dann gehen wir gern seinen Wünschen nach und löschen das Posting wieder." Offenbar liegt es an der Software, dass komplette Texte auf Posterous geladen werden. Das ändert aber nichts an der Tatsache der Urheberrechtsverletzung.

Nachtrag 12:16 Uhr: Bernhard Fiedler äußert in seinem Blog, dass die Urheberrechtsverletzung von Tvino gleich an drei Stellen begangen worden sei und widerspricht der oben geäußerten Software-These: "Das sich mein Text gleich auf DREI (!) verschiedenen Seiten von Ihnen befand (von denen eine offenbar mittlerweile gelöscht wurde), widerlegt wohl die hier aufkommende These, die Software wäre schuld." Wie bei Socialwine nachzulesen ist, sind wohl auch noch andere Blogger wie z.B. Gumia von Urheberrechtsverletzungen durch Tvino betroffen.

Nachtrag 12:27 Uhr: Wie man bei Gumia nachlesen kann, ist das ganz eindeutig "Google-Pimping", also das Anfixen von Suchmaschinen, was Tvino betreibt. Auf drei verschiedenen Tvino-Kanälen wurden Inhalte ins Netz gestreut. Ein WordPress-Blog und ein Blogpost-Blog von Tvino sind mittlerweile gelöscht worden, wie man in den Kommentaren erfährt. Wir finden den Ansatz von Tvino spannend und betrachten die Web 2.0-Umtriebigkeit von Hendrik Thoma mit Wohlwollen, aber Wachstum mit der Brechstange (die einem nicht einmal gehört) sollte das Projekt nicht nötig haben. 

Nachtrag 13:46 Uhr: Hendrik Thoma hat reagiert und sich bei Bernhard Fiedler entschuldigt. In einem anderen Kommentar spricht er davon, "dass es in der Kommunikationskultur eindeutig unterschiedliche Auffassungen gibt". Ich habe die Befürchtung, dass das jetzt weitere Kreise ziehen wird, als von Tvino gewünscht.  

 

Übersicht über die Beiträge in diesem Fall:

http://www.bernhard-fiedler.at/weblog/?p=2101 (der Originalbeitrag)

http://tvino.posterous.com/lesenswert-was-meint-ihr-bernhard-fiedlers-we (der Post von Tvino auf Posterous Edit: Text mittlerweile gelöscht.)

http://www.bernhard-fiedler.at/weblog/?p=2119 (die Reaktion von Bernhard Fiedler)

 

Interessante Links zum Urheberrecht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zitat#Zitate_im_deutschen_Urheberrecht

http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltungsh%C3%B6he

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