Kingfisher Bier

Notizen aus Neu-Delhi. Angereist für Cocktails, eingestiegen mit Bier.

Wettbewerbe 10.7.2011 2 comments

Diageo lädt zu den World Class Finals, um den besten Bartender des Jahres festzustellen und die Welt schaut vorbei. Letztes Jahr in Griechenland, davor in England und dieses Jahr in Indien. Am Montag beginnt die Finalrunde in Neu-Delhi, wofür sich nach verschiedenen Vorrunden 34 Tender aus eben so vielen Nationen qualifiziert haben. Die ersten sind nun schon vor Ort und auch Mixology hat eingecheckt.

Der weltgrößte Getränkehersteller Diageo setzt seit Jahren neue Maßstäbe in Sachen Wettbewerb. Die Diageo World Class hat sich nach wenigen Jahren zu einem der renommiertesten Wettbewerbe der Mixologen-Szene gemausert und erprobt sich jetzt mit einer Großveranstaltung auf dem asiatischen Kontinent. Mixology konnte da natürlich eine Einladung nicht ablehnen. Nach langatmigem Flug erreicht man den Indira Gandhi International Airport Delhis. Dieser präsentiert sich ganz ordentlich, sowohl in Sachen Sauberkeit, wie koordinatorisch. Die Abfertigung funktioniert schnell und problemlos.

Draußen dann eine Hitzewand. Es ist ungefähr Mitternacht, das Thermometer schlängelt sich immer noch um die 30° Celsius und die Luft ist feucht und getränkt von Abgasen. Mit einem Kleinbus geht es dann schnell Richtung Imperial Hotel Neu-Delhi. Auf dem Weg können erste Eindrücke gesammelt werden. Zum Beispiel, dass Autofahren in Indien ein raues und herzloses Geschäft ist. Als Mitteleuropäer wäre man hier hinter dem Steuer verloren. Darüber hinaus finden sich unzählige Hunde auf und an den Straßen und auch der Blick über den Straßenrand ist nicht sehr erfreulich. Viele Barracken oder provisorische Unterkünfte oder nur Unterstände prägen das Bild. Falls größere Gebäude auftauchen, sind diese zumeist von Mauern umgeben und werden von Sicherheitskräften bewacht.

So auch beim eigenen Hotel Imperial, wo auch die meisten der World Class Veranstaltungen auf dem Gelände stattfinden. Nach dem Einchecken ging es zielstrebig zur Bar, um einen Blick auf die hier vorhandenen Spirituosen zu werfen und sich noch einen Anti-Jetlag-Schlummerdrink zu genehmigen. Auf dem Flug schweiften die Gedanken des öfteren zu diesem Augenblick. Was wird man sich als Auftaktdrink zur Diageo World Class in Neu-Delhi genehmigen? Es hätte ein Drink von der Karte sein sollen. Doch Karten gab es nicht mehr. In der Bar waren zwar noch Tender und einige Gäste, aber es wurde kurz vor zwei Uhr nachts nicht mehr ausgeschenkt. Enttäuschend, denn die Spirituosenauswahl sah vielversprechend aus.

Nach einigen kurzen Gesprächen konnte man in Erfahrung bringen, dass Indien offenbar teilweise eine sehr restriktive Alkoholpolitik verfolgt. Und offenbar bedeutet dies im hiesigen „Nationalen Hauptstadtterritorium Delhi“, einer Art Bundesland, dass Alkohol nach ein Uhr nachts bedauerlicherweise nicht mehr ausgeschenkt werden darf. Man fühlt sich dunkel in die Baden-Württembergische Heimat zurückversetzt. Da die „1911 Bar“ sicher die kommenden Tage noch ausführlicher Erwähnung findet, direkt zum nächsten Stop: der Minibar des eigenen Zimmers.

Auch hier ist Alkohol Mangelware. Eine 0,375 Liter Flasche Cabernet aus der Toscana, eine kleine Flasche mit der Aufschrift Champagner, die auf den ersten Blick nicht den Eindruck macht, ein Champagner zu sein, aber beim zweiten alle wesentlichen Etikett-Merkmale vorweisen kann und zwei Dosen Bier. Indisches Bier der Marke Kingfisher. Selbstverständlich wählte man das lokale Gewächs. Immerhin hält Kingfisher mehr als ein Drittel des indischen Biermarktes fest in den eigenen Händen, destilliert in Indien mehrere Whiskys, produziert Brandy, Rum, Gin, Vodka und Liköre und betreibt nebenbei noch eine große Fluglinie. Hinter Kingfisher steht wiederum Heineken mit knapp 40 % Markenanteilen. Das wundert es wieder ein wenig weniger, dass Heineken hinter Anheuser-Busch InBev und SABMiller seit Jahren die Nummer drei der weltweiten Bierkonzerne ist. Das schönste an Kingfisher ist jedoch etwas anderes: das Bier schmeckt ganz gut. Angenehme Malznoten mit den für ein Lagerbier üblichen schwachen Hopfenaromen. Erfrischende, nicht zu aufdringliche Kohlensäure und keine übermäßige Süße. Das war sicher nicht das letzte Kingfisher dieser Tage.

 

(Offenlegung: Der Gertränkekonzern Diageo übernimmt im Rahmen der Diageo World Class 2011 sämtliche Reise- und Unterkunftskosten für Mixology, Magazin für Barkultur. Es besteht für Mixology kein vertraglicher Zwang, über die World Class vor Ort beziehungsweise über dazugehörigen Veranstaltungen in irgendeiner Form zu schreiben. Inbesondere wird nicht die Zeit des vor Ort befindlichen Autors Steffen Hubert bezahlt. Der Autor ist nicht verpflichtet, über Themen aus einem gewissen Blickwinkel im Sinne des Getränkekonzerns Diageo zu berichten und wählt seine Artikelthemen frei.)

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