Kilchoman Machir Bay 2013. Einblick in eine Entwicklung.

Whisk(e)y 10.4.2013

Ein oftmals gültiges Sprichwort besagt, dass der Weg das eigentliche Ziel ist. Dies gilt für Whisky nur sehr bedingt. Die einzelnen Produkte die den Weg ebnen für ein perfekt ausgereiftes und harmonisches Endprodukt, sind gerade in jungen Jahren nur schwer als Bestandteil der fertigen Abfüllung zu erkennen.

Dies gilt auch für die jüngste Destillerie auf Islay, Kilchoman. Erst seit 2005 brennt man in der Rockside Farm Destillery im Westen der Insel. Nach gerade acht Jahren kommt man nun in die Phase in der langsam die ersten Abfüllungen in ein Alter kommen, in dem sie für eine Abfüllung bereit sind. Allein es fehlen die älteren Jahrgänge, um eventuelle Fehler auszubalancieren und dem Whisky mehr Tiefe zu geben. Man ist also allein auf das Gelingen der jungen Abfüllungen angewiesen.

Um deren Entwicklung zu dokumentieren und natürlich um schon vor der vollendeten Lagerung harte Währung zu generieren die die laufenden Kosten deckt, hat man sich bei Kilchoman zu dem nachvollziehbaren Schritt entschlossen mit dem Herzstück „Machir Bay“ jährlich einen Zwischenschritt zu präsentieren, der die aktuelle Entwicklung zeigt und eine Vorahnung erlaubt, in welche Richtung man sich am Ende bewegen möchte.

Herzstück von Kilchoman

Vor wenigen Wochen kam die Abfüllung Machir Bay 2013 heraus. Zusammengestellt aus vier und fünf Jahren gereiften Whiskys die in ehemaligen Bourbonfässern der Destillerie Buffalo Trace reifen durften. Dabei durften die vierjährigen Whiskys noch für vier Wochen in alten Oloroso-Sherryfässern Fässern der Bodega Miguel Martin nachreifen.

Nehmen wir uns also den Machir Bay 2013 einmal genauer zur Brust. Unfiltriert und ohne Zugabe von Farbstoffen, darauf legen die Hersteller wert, dazu nur mit schottischem Quellwasser auf die Trinkstärke von 46% Alkohol heruntergesetzt.

Die Verkostung

Sehr hell liegt der Islay im Glas. Erinnert eher an Weißwein denn an Whisky. Dieser Eindruck ist aber sofort vergessen hat man einmal die Nase über den Glasrand geschoben.

Sehr dominant rücken  Aromen von Rauch und Torf in den Vordergrund, ein typischer Islay Whisky halt. Leicht erdig und Spuren von Leder machen sich bemerkbar, ohne im Geringsten muffig zu sein. Im zweiten Eindruck dann überraschend frische Töne von Zedernholz und Zitronengras. Würzige Noten, die an mediterrane Kräuter erinnern, paaren sich mit den typisch salzigen Verwirrungen, die ein Inselprodukt mit sich bringt. Sehr spannend.

Der erste Schluck führt dann zu einer kleinen Ernüchterung. Zu hoch die Erwartungen, die vom Geruch geschürt wurden. Sehr weich kommt er daher. Natürlich mit den leicht medizinischen Anklängen. Torf und Rauch machen sich bemerkbar und lassen dem Alkohol nur Raum für einen kleinen Stich. Ein sehr trockener Whisky, welcher die komplette Zunge bedeckt. Nach unheimlich kurzem Abgang ist er dann aber auch wieder Weg. Kaum Spuren, die im Mund bleiben und den Whisky zu einem nachhaltigen Genuss machen.

Insgesamt lässt der Kilchoman erahnen, was in ihm steckt. Ein Sherryfinish von vier Wochen kann sich aromatisch natürlich nicht voll entfalten und insgesamt ist der Whisky noch deutlich zu jung, um als eigenständiges Produkt gesehen zu werden.

Dennoch, eine interessante Erfahrung und ein schöner Einblick in die Entstehung und Reifung eines Whiskys. Man darf sehr gespannt sein auf weitere und ältere Abfüllungen der Destillerie von Kilchoman. 

 

// Kaufen: Kilchoman Machir Bay 2013 ist im Fachhandel ab ca. 45 Euro für 0,7l erhältlich //

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Kilchoman erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

 

Bildquelle: aboutpixel.deSchottland © denn76

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