Slyrs Sherry Finish. Aromenspielereien im deutschen Whiskymarkt

Whisk(e)y 24.4.2013

Ein Whisky braucht eine Geschichte. Das Wasser des Lebens wäre nur halb so spannend ohne die unzähligen Geschichten, die sich darum ranken. Meist sind diese Erzählungen mehrere Jahrzehnte alt und beruhen auf der bewegten Vergangenheit einer Destillerie. Ein kleines Problem, wenn man die Geschichte eines Whiskys erzählen möchte, dessen Destillerie erst vor wenigen Jahren gegründet wurde.

So verhält es sich auch bei der bayrischen Whiskybrennerei Slyrs vom Schliersee. Der Name geht zurück auf irische Mönche, die Anno Domini 779 am Schliersee das Kloster Slyrs gründeten. Einfach ein anderer Name für Schliersee. Bayrische Heimatverbundenheit in moderner Form.

Seit 1999 brennt man am Schliersee also Whisky und ist auf einem guten Weg deutschen Whisky zumindest regional zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Neben der klassischen Abfüllung, die derzeit mit drei Jahren Fassreife in die Flasche kommen, hat man bei Slyrs nun zwei Abfüllungen im Programm, die neben neuen Fässern aus amerikanischer Weißeiche auch eine kurze Zeit in ehemaligen Sherryfässern reifen durfte. Wir konnten diese Abfüllungen verkosten und wollen diese Erfahrung selbstverständlich teilen.

Slyrs Oloroso Finish

Wie bereits erwähnt, ist auch dieser Whisky ein drei Jahre lang gelagerter Whisky, der ungefähr neun Monate durch ein Finish in einem ehemaligen Oloroso-Sherry-Fass vollendet wurde. Im Glas beeindruckt ein strohiges Gold mit einer für nur drei Jahre Lagerung deutlichen Farbgebung.

In der Nase ist das junge Alter noch deutlich erkennbar. Neben deutlichen Getreidenoten ist aber auch ein Hauch Vanille zu erahnen, der von fruchtigen Noten, die eindeutig dem Sherryfass zuzuordnen sind, ergänzt wird. Milde Frucht in Form von Birne und leichten Zitrusaromen lässt sich erahnen. Ein Duft, welcher neugierig macht und auf Überraschungen hoffen lässt.

Mit dem Vorwissen eines Sherry-Finishes ergibt sich eine gewisse Erwartungshaltung. Diese wird nur um Teil erfüllt. Ein sehr milder Whisky wechselt von Gaumen zu Rachen und hinterlässt Fragezeichen. Ein Abgang ist kaum zu verzeichnen, dafür setzen sich die Aromen auf der Zunge fest. Leichte frische von Zitrusfrüchten, am dominantesten sind Orangennoten, treten in den Vordergrund und geben ansonsten typischen Whiskynoten nur sehr wenig Raum. Ein undefinierbares Bouquet, irgendwo zwischen Frucht und Fass irritiert den Gaumen. Insgesamt ein interessanter Tropfen, welcher aber nicht mit den Erwartungen Schritt halten kann und dem gewohnten Sherry-Erlebnis nicht gerecht wird. Hoffentlich lagern noch ein paar ältere Fässer am Schliersee und beweisen das theoretische Potenzial in einer älteren Abfüllung.

Slyrs Pedro Ximenez Finish

Nach den vorigen Eindrücken kann man eine gewisse Voreingenommenheit nicht abstreiten. Ebenfalls ein dreijähriger Whisky mit wiederum ungefähr neun Monaten Lagerung in einem ehemaligen Sherryfass, diesmal Pedro Ximenez, warten auf eine Verkostung. Im Glas stellt man fest, dass dieser Whisky eine Nuance dunkler ist. Nicht sehr, aber deutlich erkennbar. In der Nase dann die Überraschung. Ein wahrnehmbarer Unterschied zur vorigen Abfüllung. Eine deutliche Süße mit Düften von trockenem Obst und Honig begleiten die sehr dominanten Noten von Getreide. Eichenfass und typische Whiskyaromen lassen erahnen, dass der Geschmack sich deutlich von der Oloroso Abfüllung unterscheiden wird.

Diese Erwartung wird nicht enttäuscht.

Doch vorher soll erwähnt sein, dass dieser Whisky sich im Glas deutlich entwickelt. Gibt man ihm ein wenig Luft und Raum, lassen sich Vanille und Toffee-ähnliche Aromen definieren, die diesen Whisky ganz klar dominieren.

Immer noch sehr mild und überraschend leicht kommen die 46% auf die Zunge. Getrocknete Früchte und Gewürznoten lassen sich erkennen und machen diesen fruchtigen Whisky zu einem echten Gaumenschmeichler. Wie man es von einem Sherry-Finish erwartet, hinterlässt er ein trockenes Gefühl am Gaumen und verstärkt die fruchtigen Noten. Leichte Zitrusaromen im Wechsel mit Eiche und angenehmen Getreidetönen machen diese Abfüllung zu einem speziellen Whisky. Die lediglich drei Jahre sind zu erahnen, aber schmälern den Genuss nicht im Geringsten. Einziger Wermutstropfen ist der kaum vorhandene Abgang. Der Rest ist ein toller Whisky, der einen bleibenden Eindruck am Gaumen hinterlässt, aber genau so neugierig macht auf länger gelagerte Versionen des gleichen Stils.

Anders als beim Oloroso allerdings hat man es mit einem Whisky zu tun, der Fans zu begeistern weiß und einen Genuss darstellt, der nicht nur auf späte Abfüllungen hoffen lässt.

 

Beide Slyrs Whiskys ergänzen das Portfolio vom Schliersee hervorragend. Der eine zeigt auf, was man hoffentlich in einigen Jahren erwarten darf. Der andere beweist, dass nicht nur lang gereifte Whiskys ein Genuss, sondern auch schon nach kurzer Reifezeit ihr Potenzial entfalten können.

Seien wir gespannt, was wir von Whiskys aus deutschen Landen in Zukunft noch erwarten dürfen. Der Anfang ist vielversprechend.

 

// Kaufen: Beide Abfüllungen sind im gut sortierten Fachhandel und in diversen Online-Shops ab ca. 65 Euro zu erwerben.

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Slyrs erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)


Bildquelle: aboutpixel.de / Eisige Spiegelung © SunnyPhoto

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