Kleine Inseln als Ursprungsort großartiger Geschichten . Single Malt der Isle of Jura.

Whisk(e)y 27.3.2013 3 comments

In der Wahrnehmung der Barwelt spielt sich alles in den großen Städten, den niemals schlafenden Metropolen ab. Hier werden die Geschäfte gemacht. Hier wird gefeiert, gegessen und getrunken. Aber so manches von dem, was zur Barkultur beiträgt, kommt von einer Insel. Und damit sind nicht nur karibische Rumsorten oder der japanische Barstil gemeint. Insbesondere kleine schottische Inseln bringen immer wieder aufregende Whiskys ins Glas.

Islay ist uns allen ein Begriff. Die kleine Nachbarinsel Jura hingegen ist noch etwas unbekannter. Eine Straße, ein Hotel und eine Destillerie. Insgesamt 180 Menschen und jede Menge Hirsche, die namensgebend sind. Díura heißt die Insel auf Gälisch und bedeutet Hirschinsel. Grob umrissen hat man damit das Wichtigste über die Isle of Jura schon gesagt.

Man könnte noch anmerken, dass George Orwell hier seinen Bestseller 1984 geschrieben hat und dass dieser Ort trotz aller Globalisierung und Google Earth auch 2013 noch schwer erreichbar ist. Aber nicht zu schwer. Immerhin schafft es die Destillerie regelmäßig seine Abfüllungen in die Welt zu verschicken und fühlt sich seit kurzem sogar gemüßigt neben der 10jährigen Standardabfüllung noch ein paar andere Whiskys in Flaschen zu bringen.

Vier Whiskys sollen die Bandbreite der Destillerie widerspiegeln, welche von „leicht und ungetorft“ bis zu „kräftig und stark getorft“ läuft und somit die Aromen der schottischen Inseln vereint. In der Verkostung wollen wir die drei Abfüllungen unter die Lupe nehmen, die nicht dem klassischen Destilleriebild entsprechen. Man darf überrascht sein, begeistert und am Ende sogar etwas ratlos. Aber genug der Einleitung. Ran an die Gläser.

Jura Superstition

Der erste Vertreter dieser Abfüllungen ist der Jura Superstition. „Subtly Sweet yet Smoky“. Smoky verspricht das Etikett, welches uns darüber hinaus lediglich über Alkoholgehalt (43%) und die schottische Herkunft aufklärt. Keine Altersangabe und keine Informationen über verwendete Fässer, lediglich der Name und ein unverstellter Blick auf den Inhalt der taillierten Flasche.

Die Altersangabe spart man sich wohl auch deshalb, weil hier recht junge Whiskys mit älteren Abfüllungen vermischt werden. Das rauchige Malz hat Jura erst vor wenigen Jahren für sich entdeckt und kann somit nicht auf lang gereifte Fässer zurückgreifen.

Egal, wichtig ist der Inhalt und dieser macht sich sehr angenehm breit im Glas beziehungsweise. in der Nase. Eine vorhandene aber zurückhaltende Rauchnote, trockene Früchte und Mandel bestimmen den ersten Eindruck.

Im Mund dann die Bestätigung. Ein sehr würziger Whisky mit kräftigem Raucharoma, welches über die Zunge rollt. Der zweite Eindruck hinterlässt eine leichte Süße und entwickelt sich immer mehr. Der typische, kräftige Charakter von Jura zieht sich auch hier hindurch und hinterlässt einen zufriedenen Whiskytrinker, wenn dieser denn den rauchigen Geschmack mag. Der Unterschied zu einem kräftig getorften Islay ist jedoch sehr deutlich und festzuhalten. Es sind nicht die torfigen Rauchnoten die den Superstition bestimmen, sondern ein eigener Charakter.

Jura 16 year old Diurach‘s Own

Diurachs, so die gälische Bezeichnung der wenigen Insulaner, lieben angeblich die 16jährige Abfüllung über alles. Wie dieser doch recht neue Whisky zu diesen Ehren kommt wird nicht überliefert, aber wir gehen einfach davon aus, dass Jura diese Einschätzung selbst vornimmt.

Was nicht nur auf Erzählung beruht ist der erste Eindruck, den dieser Whisky hinterlässt. Eine tiefe rotgoldene Farbe bestätigt die lange Fasslagerung und lässt vermuten, dass zumindest eine teilweise Lagerung in ehemaligen Sherryfässern erfolgte.

Die Geruchssinne sind verwirrt. Erwartet man süße Anklänge durch die lange Lagerung, fühlt man sich eher ans Meer gestellt. Dieser typische Geruch, den man nicht recht in Worte fassen kann, den aber jeder kennt, der einmal bei Regen am Meer stand. Ein Geruch, den nur Whiskys haben, die unmittelbar am Wasser entstehen und der für viele über Gefallen oder Ablehnung entscheidet.

Neben diesem bestimmten Geruch findet man Kräuter und eine Süße die einen wieder versöhnt mit der Erwartung an einen 16jährigen Malt.

Also probieren. Hoppala. War man vom Superstition sehr entzückt macht sich hier leichte Ernüchterung breit. Rauch darf man natürlich nicht erwarten, aber irgendwie sind hier Jahre verloren gegangen. Nach 16 Jahren hätte man eine andere Tiefe erwartet.

Sehr kräftig mit einer untypischen Schärfe. Bei nur 40% Alkohol liegt diese Schärfe aber nicht im Alkohol begründet. Sehr erdig und würzig finden sich hier eher Aromen von Kräutern und Zitrusfrüchten als süße und trockene Sherrynoten, die man erwarten würde. All die typischen Aromen, die einen eher jungen und knackigen Whisky ausmachen sind zu finden, auch wenn Etikett und Farbe etwas anderes vermuten lassen.

Aber es gibt ja noch eine dritte Abfüllung zu verkosten.

Jura Prophecy

Was ganz Besonderes. Prophecy soll eine jährliche Abfüllung werden. Wieso diese dann immer denselben Namen tragen soll, wenn sie eventuell anders schmeckt, sorgt für ein wenig Unverständnis, aber warten wir erst einmal die nächste Abfüllung ab. Man wird sich hoffentlich etwas dabei gedacht haben.

Unfiltriert, stark getorft und satte 46% Alkohol bescheinigt das Etikett und die Farbe lässt wiederum auf eine Abfüllung höheren Alters schließen. Dunkel bernsteinfarben liegt der Whisky im Glas und wartet geduldig auf seine Verkostung. In der Nase sehr viel Rauch und leichte Torfnoten. Nicht so medizinisch wie man es von Islay gewohnt wäre aber im Vergleich mit Superstition doch eine deutliche Torfnote neben dem Rauch.

Unter Torf und Rauch versteckt dann trockene Früchte und die vorhin erwarteten Noten von Toffee und Schokolade.

Ich habe nachgeschaut, es wurden keine Flaschen vertauscht. Hier ist das Alter jedoch deutlich spürbar. Was Farbe und Geruch voraussagen, erfüllt sich auf der Zunge.

Die Prophezeiung trifft ein, wenn man so will. Sehr kräftig zu Beginn entwickelt sich ein sehr ausgewogenes Spiel. Leichte Säure und frische Früchte beginnen den Aromenreigen und wechseln dann zu einer trockenen Süße. Ein langer Abgang, dezent begleitet von Torf und Rauch hinterlässt ein Verlangen nach dem nächsten Schluck.

Und da liegt das Problem. Der Prophecy ist eine limitierte Abfüllung, und somit rar. Warum Jura sich hierbei selbst ins beschränkt bleibt unbeantwortet. Nach langer Zeit bringt man interessante neue Abfüllungen auf den Markt und zeigt, dass Jura durchaus ernstzunehmend ist. Dazu noch mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Niveau, und dann limitiert man sich selbst mit der besten Abfüllung. Natürlich kann man hoffen, dass die nächstjährige Prophecy-Abfüllung wieder so ein Knüller ist, aber man kann es eben nur hoffen.

Jura Whiskeys werden in Deutschland von der Borco-Marken-Import GmbH & Co KG vertrieben und sind im ausgewählten Fachhandel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung für die jeweiligen Abfüllungen sind: 35,00 – 40,00 € für Jura Superstition, 40,00 – 50,00 € für 16years old Diurach‘s Own und 50,00 – 60,00 € für Jura Prophecy.

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von der Borco-Marken-Import GmbH & Co KG erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Bildquelle: aboutpixel.deKlippen Schottland © thomas1978

 

3 comments

  1. Matt

    Schöne Geschichte, danke!

    Nur etwas muss korrigiert werden: Whiskey (mit „ey“) gibt es in Irland und in den USA. In Schottland bleibt es beim Whisky. Ohne „ey“.

    Gruss
    ME

  2. Redaktion

    Danke Matt,
    du hast natürlich vollkommen Recht und ich kann nicht erklären welcher Fehlerteufel mich dort geritten hat.
    Danke für den Hinweis, habe es jetzt korrigiert. Marco

  3. Jens

    „Eine tiefe rotgoldene Farbe bestätigt die lange Fasslagerung und lässt vermuten, dass zumindest eine teilweise Lagerung in ehemaligen Sherryfässern erfolgte.“

    Frage: ich dachte, dass die eh (fast) alle eingefärbt sind, und die Farbe weniger etwas über die Lagerung/Qualität aussagt, sondern dass hier eher gezielt gefärbt wird um eine gleichbleibende Farbe zu erzielen, damit gleichbleibende Qualität vermittelt werden soll, damit wiederum Vertrauen aufgebaut werden soll und letztendlich die Farbe in zB Tasting-Notes vielmehr ein Tool der Beschreibung eines Destillats ist.
    Ausgenommen sind natürlich alle, die nicht einfärben, klar.

    Lieg ich da jetzt falsch?
    Danke für die Info schon mal!

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.