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5 Pink Gin in der Verkostung | Mixology - Magazin für Barkultur

Fünf mal Pink Gin in der Verkostung. Wir schauen durch die rosarote Brille.

Seit Gordon’s 2017 seinen Pink Gin gelauncht hat, tauchen immer mehr rote Früchte ins klare Destillat. Viele Ginproduzenten springen auf den pinkfarbenen Zug auf – wir gleiten für ein Stück mit und haben fünf Vertreter der Gattung ausgiebig getestet.

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Woodland Sauerland Pink Gin

Es sind das Weiß und der Purismus des Etiketts, die den Kontrast zum Flascheninhalt intensiv wirken lassen. Der ist nämlich so knallig Pink, dass er förmlich schreit. Ein prüfendes Drehen und Wenden der klobigen Zylinderflasche klärt auf, dass die Flasche tatsächlich nicht gefärbt ist. Prominent platziert, und wieder in pink, steht der Hinweis, dass es sich um einen Pink Gin aus dem Sauerland handelt. Immerhin wurde die Spirituose 2017 als hippes Marketingprodukt für die Region ins Leben gerufen und hat sich seitdem einen Namen gemacht. Rein optisch jedenfalls, hält er, was sein Name verspricht.

5 Pink Gins in der Verkostung
Wilde Beeren, Hölzer und Tannennadeln und dann ist da die feine Zitrusnote. Der Woodland Sauerland Pink Gin

Harte Schale, weicher Kern

Im Glas schimmert der Gin zarter. Und auch die Nase schickt erst einmal in sanften Schritten in den Wald, ein paar wilde Beeren, Hölzer und Tannennadeln einzusammeln. Und dann ist da die feine Zitrusnote, leicht herb, Grapefruit. Auf der Zunge angekommen, dominieren Kräuter und Holunder, gefolgt von süßsauren Beeren wie Johannisbeere, die von einer leichten Schärfe abgelöst werden. Ein Gin, bei dem der Charakter bewahrt bleibt und der mit einem bitteren Tonic und ein paar Himbeeren ein lockeres Sommerdinner mit Freunden feierlich einstimmen kann.

500 ml — 38 % Vol. — € 39,90

Broker’s Premium Pink Gin

Dass ein englischer Gentleman mit Hut durchaus Rosa tragen kann, beweist dieser Pink Gin. Der Inhalt in der traditionellen Broker’s-Flasche schimmert in Koralle. Das klassische Etikett passt sich farblich an den Inhalt an und verspricht eine gewisse Feminität. Das verleiht dem typischen, eher derben Charakter des Klassikers weiche Züge. Es verspricht obendrein eine gewisse Süße, was der schriftliche Hinweis auf Erdbeere noch unterstreicht.

Aus der Kindheit ins Erwachsenenleben

Die erste Assoziation beim Riechen führt zu Haribos Primavera Erdbeeren, jener fingerhutgroße, softe Schaumzucker aus der Kindheit. Nur kommt das Aroma hier weniger süß daher. Am Gaumen überrascht der Pink Gin mit einer Schärfe, mit Wacholder und Kräutern, die eine Frische erzeugen, bevor, wie erwartet, der Geschmack von gezuckerten Erdbeeren folgt. Diese Süße federt den Alkohol geschickt ab. Was bleibt, ist die Ernüchterung, nicht mehr Kind zu sein, sowie die Tatsache, den Gin mit Eis, Zitronenzeste und Tonic Water zu ergänzen.

750 ml — 40 % Vol. — € 20,50

5 Pink Gins in der Verkostung
Broker's Premium Pink Gin: Natürliche Erdbeeraromen für Gentlemen und -women

Gordon´s Premium Pink Gin

Der Pink Gin, der eine ganze Bewegung startete, strahlt in Rosé hinter Glas. Tatsächlich lässt das Etikett mehr Raum für die Flüssigkeit, wie man es schon von Gordon’s London Dry Gin kennt. Im Zuge der neuen Lackierung hat es sich hier eine Verschlankung erlaubt. Überhaupt versucht der Aufdruck, wenig dominant zu sein, und vermittelt doch eine klare Botschaft: Es wird bunt! Trotz Zurückhaltung lässt sich die schmale Flasche den Charakter eines echten Gordon’s nicht nehmen.

5 Pink Gins in der Verkostung
Himbeere & Johannisbeere, gepaart mit leichter Schärfe. Der Gordon's Premium Pink Gin

Ein Oldie entdeckt seine Jugendlichkeit

Fast klar wirkt der Pink Gin nun im Glas, so dass die Erwartung an Zuckerwatte in der Nase fast verschwindet. Sie kommt beim olfaktorischen Moment wieder und birgt dann klare Verbindungen zu roten Fruchtgummis. Alkohol dringt hervor und bringt eine Spur Ernsthaftigkeit. Diese Symbiose macht neugierig auf den Geschmack. Die reife Himbeere erscheint in doppelter Begleitung, bleibt aber im Mittelpunkt. Die süße Johannisbeere ist mehr ein Accessoire, die leichte Schärfe ein wärmender Mantel. Wer es richtig süß mag, wird diesen Gin mögen. Wer es herber vorzieht, kombiniert ihn mit einem intensiven Tonic Water, Ingwer und Zitronenzeste.

700 ml — 37,5 % Vol. — € ab 10,95

Stockholms Bränneri Pink Gin

Typisch skandinavisch hält sich die füllige Flasche mit hölzernem Drehverschluss hier ganz elegant zurück, so dass es in der Minibar nicht zu Reibereien kommt. Dennoch kann sie für sich stehen, mit ihrem kreisrunden Logo und der handschriftlichen Notiz, die auf die Fruchtaromen im Inneren hinweist: Rhubarb and Rose Petals. Das Altrosa des Inhalts unterstreicht die Erwartung an sanfte Aromen. Die Hersteller Calle und Anna Wikner lernten ihr Handwerk in kleinen Destillerien in Vancouver und brachten ihr Wissen nach Stockholm. Auf die Idee zu ihrem Pink Gin brachte sie Glögg, ein skandinavischer Glühwein, bei dem Rotwein mit Vodka und Gewürzen wie Zimt und Ingwer verfeinert werden.

Was ist eigentlich Pink Gin?

Als neuer Stil etabliert sich aktuell die Gattung Pink Gin. Mit diesem Begriff bezeichnete man früher einen Cocktail aus Dry Gin und Angostura Bitters, der eine markante, dunkelrosa Färbung aufwies. Damit haben die neuen Pink Gins nichts zu tun: Sie sind üblicherweise einfache, leichte Gins, die nach der Destillation mit unterschiedlichen Beeren oder Beeren-Extrakten versetzt werden, woraus sie ihre pinke Farbe beziehen. Sie sind meist gesüßt und haben nur sehr wenig (oder gar kein) Wacholder-Aroma.

Skandinavisch zurückhaltend, und doch für sich stehend

In der Nase kommen erst Zitrusaromen zum Vorschein, die ihre Säure für einen Moment halten. Es folgt eingekochter Rhabarber auf Kuchenboden. Der Pink Gin generiert damit auch am Gaumen eine gewisse Frische und Tiefe, in dessen Hintergrund Preiselbeeren sanft den Charakter Schwedens zum Vorschein bringen. Er ist gleichzeitig trocken, bringt etwas Ernstes mit und versprüht doch Leichtigkeit. Für einen Nachmittag in der Sonne, oder als Longdrink im Frühsommer.

500 ml — 40 % Vol. – € 34,90

5 Pink Gins in der Verkostung
Typisch skandinavisch in elegantem Design, überzeugt der Pink Gin der Stockholms Bränneri

Larios Rosé Gin

Im zarten Pink schimmert Larios Rosé Pink Gin hinter den geschwungenen Elementen des Flaschenaufdrucks. Der Name lässt mediterran anklingen, die verspielte Aufmachung des Etiketts unterstützt das Bedürfnis, diese Flasche am Mittelmeer zu öffnen, noch bevor die Sonne am Horizont verschwindet. Und im Urlaub darf es durchaus etwas süßer, farbiger und mutiger zugehen. Dieses Gefühl entsteht, selbst wenn die Wolken gerade an Odenwälder Hügeln vorbeiziehen. Der Flaschenkörper wird nach oben hin breiter und macht Lust aufs Öffnen. In diesem Sinne: Viva la vida!

5 Pink Gins in der Verkostung
Mediterran, frisch und sommerlich und mit komplexem Geschmacksprofil: der Larios Rosé

Urlaub zu Hause

Viele Zitrusaromen erreichen die Nase und holen aus der süßen Blase der Oberflächlichkeit zurück, bevor Erdbeeren dieses Gefühl wiederbeleben und von bitteren Aromen abgelöst werden. Beim ersten Schmecken kommt eine kräftige Süße, die an Erdbeerlimes erinnert. Es folgt, wenn auch mit Verzögrung, eine leichte Zitrussäure und Wacholder. Im Urlaub darf es, wie gesagt, auch mal süßer sein. Nur für zu Hause ist der Pink Gin wohl eher etwas für echte Naschkatzen. Insbesondere dann, wenn man ihn, wie empfohlen, mit Zitronenlimonade aufgießt.

700 ml — 37,5 % Vol. – € 13,90

Credits

Foto: Illustration: Caroline Adam

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