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Tonic Water Chinarinde | Mixology — Magazin für Barkultur

Tonic Water. 7 Fakten rund um den Durstlöscher

Was ist Tonic Water? Wir liefern sieben Fakten rund um den bitteren Durstlöscher, der heute primär mit Gin gemixt wird. Prost! Schon Oasis sangen ‚I’m feeling supersonic, give me a Gin and Tonic‚. Gin erlebte in den letzten Jahren bekanntermaßen eine ähnliche Renaissance wie John Travolta nach Pulp Fiction. In diesem Fahrwasser kommt auch der Tanzpartner im Glas, das Tonic Water, zu neuen Ehren. Was aber ist eigentlich Tonic Water? Wo kommt es her und was zeichnet es aus? Sieben Fakten zum vermutlich beliebtesten Filler an der Bar.

1) Woraus besteht Tonic Water?

Vereinfacht gesagt, ist das klassische Tonic Water ein mit Chinin versetztes, kohlensäurehaltiges Wasser. Wahlweise wird Zucker beigemengt, nach Geschmacksrichtung Fruchtsäuren. Je höher der Gehalt des Chinins, desto bitterer ist der Geschmack. Chinin wird aus der Rinde des Cinchonabaumes gewonnen, auch Chinarinden- oder Fieberbaum genannt. Dieser stammt trotz seines Namens nicht aus Asien, sondern aus Südamerika. ‚Tonic‘ heißt übersetzt aus dem Englischen ‚kräftigend, stärkend‘, das griechische ‚tonikos‘ bedeutet ‚Spannkraft gebend‘.

2) Warum gerade Chinin und wie wurde es entdeckt?

Das heute in Apotheken erhältliche Chinin blickt auf eine lange, mythenumrankte und teilweise verrückte Geschichte zurück. Die indigenen Völker Südamerikas wussten schon lange um die Heilkraft der Rinde, erst die europäischen Eroberer machten daraus Medizin gegen Malaria.

Ein spanischer Soldat soll bei einem Malariaanfall in einen Tümpel gestürzt sein, der von Chinarindenbäumen gesäumt war, und sei darauf hin wieder gesund erwacht. Hartnäckig hält sich die Legende, dass die Gräfin von Chinchón im Jahr 1638 von einer Häuptlingstochter gerettet worden sein soll. Historisch zu belegen ist davon nichts, dennoch wurde der Baum vermutlich nach ihr benannt. Fakt ist die Wirkung von Chinin als einzig wirkvolles Mittel gegen Malaria bis Mitte des letzten Jahrhunderts.

3) Wer war letztlich der Erfinder des Tonic Water?

Es ist bis heute nicht genau geklärt, wer als Erster Chinin extrahiert hat, aber vermutlich ließ sich durch das Rezept der beiden französischen Apotheker Pierre Joseph Pelletier und Joseph Bienaimé Caventou aus dem Jahr 1820 fast reines Chinin gewinnen.

Im Jahr 1858  ließ sich Londoner Erasmus Bond erstmals ein Tonic Water patentieren. Das Unternehmen des deutschen Johann Jacob Schweppe, seit 1831 Hoflieferant des britischen Königshauses, brachte sein mit Chinin und Limette versetztes Mineralwasser 1870 erstmals in größerem Stil auf den Markt. Schweppe selbst war jedoch bereits 1821 gestorben.

4) Gibt es eine Chinin-Obergrenze im Tonic Water?

In Deutschland wird die Beigabe von Chinin durch die deutsche Aromaverordnung geregelt, die die Beifügung von Chinin in allen anderen Getränken und in sämtlichen Lebensmitteln verbietet. Spirituosen dürfen maximal 300 mg/l enthalten, während die Höchstmenge bei Tonic Water (sowie Bitter Lemon) bei 85 mg/l liegt. Aber im Grunde regelt sich die Menge von selbst: Alles darüber hinaus ist aufgrund des Bitterkeitsfaktors ungenießbar.

5) Warum leuchtet Tonic Water bei UV-Einstrahlung blau?

Chinin ist unter 25 anderen Alkaloiden das wichtigste der Cinquonarinde. Das weiße Pulver ist zwar geruchlos, aber man kann ihm durchaus ein gesteigertes Sendungsbewusstsein unterstellen: Es fluoresziert noch bei Mengen im Verhältnis von 1:100.000. Der Geschmack lässt sich noch bei einem Verhältnis von 1:50.000 spüren.

6) Kann Chinin auch schädlich sein?

Die gegenwärtige Menge von Chinin im Tonic Water ist nahezu lächerlich im Vergleich zur Zeit, als das Getränk der Malaria vorbeugen sollte. Grundsätzlich ist der Konsum unbedenklich, trotzdem gibt es verschiedene Situation zu berücksichtigen. Menschen mit Tinnitus sollten höhere Dosen meiden.

Auch für schwangere Frauen empfiehlt sich der Verzicht, denn Chinin wirkt muskelstimulierend und wurde früher zum Auslösen der Geburtswehen eingesetzt. Noch bedenklicher ist der angenommene, süchtig machende Faktor von Chinin für das Ungeborene. Aber auch hier gilt: Auf die Menge kommt es an.

7) Kann ich Tonic Water selber machen?

Mit etwas Zeit und Geduld kein Problem. Wir verwenden die Anweisung des Amerikaners Jeffrey Morgenthaler: 4 Tassen Wasser, 1 gute Handvoll grob gehacktes Zitronengras, jeweils eine Schale sowie den Saft einer Orange, einer Zitrone und einer Limette, 1 Teelöffel Pimentkörner, 1/4 Teelöffel Salz, 2 Esslöffel Chinarindenpulver. Alles aufkochen und bei geschlossenem Deckel 20 Minuten köcheln lassen. Danach durch ein Sieb laufen lassen, wieder aufkochen und mit einer 3/4 Tasse Agavendicksaft verkochen. In Flaschen abfüllen und kühl und trocken lagern. Diesen Sirup mit Sodawasser zu Tonic Water strecken.

Gibt es ein wirklich „besonderes“ Tonic?

Natürlich. Es nennt sich Bolian Tonic Water und stammt ursprünglich vom Planeten Bolarus IX, ein Planet, dessen Einwohner für ihre bläuliche Hautfarbe und ihren selbstlosen Charakter bekannt sind. Der Effekt des Bolian Tonic Waters wird als überaus nervenberuhigend beschrieben. Man bekommt es in der Bar Quark’s auf der Raumstation Deep Space Nine.

Credits

Foto: Sherlock und Tonic Flasche via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

Comments (5)

  • Jens Schüro

    Der Erfinder des Tonicwaters war : https://londonhistorians.wordpress.com/2010/11/15/erasmus-bond-victorian-man-of-mystery/ und Jacob Schweppe hat auch nicht die Kohlensäure erfunden sondern :

    Priestley hatte 1772 – ein Jahr vor Thomas Henry – eine Methode beschrieben, um Wasser künstlich mit Kohlensäure zu versetzen, für die er später mit der Copley Medal ausgezeichnet wurde. Henrys Biograph A. E. Musson hält es jedoch für wahrscheinlich, dass Henry und Priestley gleichzeitig und unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren.Allerdings ließ sich Priestleys Methode noch nicht in großem Stil anwenden. John Schweppe kann man sagen die industrielle Herstellung begonnen.

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    • Stefan

      Hallo Jens,
      Hr. Bond soll seinen wohlverdienten Platz in der Geschichte einnehmen. Und Schweppe entwickelte das Verfahren der haltbaren Lagerung, das war damit gemeint.
      Danke & MfG
      Stefan

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  • Nick Fath

    Kleiner Tipp noch: das Tonic-Water-Sirup-Rezept von Morgenthaler wurde in seinem Buch nochmals etwas abgewandelt (u.a. macht man eine seperate Chinin-Tinktur, was das lästige Filtern auf ein Minimum reduziert). Zu finden u.a. per Google Books auf Seite 59.

    Für mich war der Geschmack erst ungewohnt und konnte mich nicht so recht überzeugen. Mittlerweile liebe ich ihn. Viel vollmundiger im Geschmack als das fertige Tonic Water. Das fertige kann ich mittlerweile kaum noch genießen, schmeckt für mich zu „künstlich“ und trocken, also Vorsicht. 😉
    Auch sollte man bedenken, dass, insofern man keinen Siphon nutzt, der Kohlensäuregehalt niedriger ist. Lässt sich aber gut mit leben. Und noch eine Warnung: es ist wirklich bitter, eventuell die Gentianwurzel etwas reduzieren beim ersten Versuch. Schmeckt aber wirklich genial. Unbedingt mal ausprobieren. Gerne mit nem kräftigen London dry gin, aber ein floraler Gin à la The Botanist ist auch nicht verkehrt.

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  • Scheff

    Bolianisches Tonic-Water wird auch ins Sol-System Importiert und ist zumindest in der Gegend um
    San Francisco erhältlich.
    ;-P

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  • Robin

    Wenn ich es richtig im Kopf habe verwenden die großen Tonic Hersteller (bis auf wenige Ausnahmen im Premium Segment) Aroma Chinin und kein natürliches Chinin welches in bestimmten Mengen pharmakologische Wirkung hervorrufen kann. In der Chinarinde stecken unter anderem auch andere wertvolle Substanzen wie OPC, welche durch „Aroma Chinin“ leider nicht ins Tonic Water gelangen. Schade, dass die Industrie hier nicht stärker auf natürliche Inhaltsstoffe setzt 😉

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