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Die doppelte Obskurität des Alamagoozlum Cocktail

Der Alamagoozlum Cocktail trägt nicht nur einen eigenwilligen Namen, sondern ist auch aufgrund seiner Rezeptur mit Genever, Rum, Chartreuse verte, Wasser und viel Angostura Bitters eine Ausnahmeerscheinung. Und das seit 1939, als der Drink bei Charles H. Baker erstmals seine offizielle Erwähnung fand.

Bereits der Names des Alamagoozlums lässt vermuten, dass es sich dabei um einen eigenwilligen Drink handelt. Und so ist es dann auch: Der Cocktails ist eine Kombination aus Genever, Rum, Chartreuse verte, Orange Curaçao, Wasser – und einer gehörigen Portion Angostura Bitters. Zusätzlich ist er in seiner Originalrezeptur auf eine Menge angelegt, um davon drei Drinks ins Glas zu bekommen.

Wer kommt auf so eine Idee? Glaubt man den Worten von Charles H. Baker, der den Drink erstmals 1939 in einem Cocktailbuch verewigte – dem bekannten „Around the World with Jigger, Beaker, and Flask“ – ging die Rezeptur auf John Pierpont Morgan zurück, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in den USA des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig galt J. P. Morgan – der Name, unter den man ihn wohl besser kennt – als Mäzen und als kein Kostverächter. Regelmäßig soll er mit einem Manhattan im Waldorf Astoria auf die Schließung der New Yorker Börse angetoastet haben.

Alamagoozlum Cocktail

Zutaten

2 cl Genever
1,5 cl Jamaika Rum
1,5 cl Chartreuse verte
0,5 cl Orange Curaçao
0,5 cl Angostora Bitters
1 cl Zuckersirup/Gommesirup
2 cl Wasser
halbes Eiweiß

Wiederentdeckung durch Ted Haigh

Der Begriff „Alamagoozlum“ wiederum tauchte bereits viel früher auf, schon seit den 1870er Jahren sei der Begriff in den Zeitungen als fantasievoller Nonsensbegriff verwendet worden, ähnlich wie „Abrakadabra“. Vermutlich wäre der Drink auch in eine Obskurität versunken, hätte ihn nicht der US-Amerikaner Ted Haigh in seinem wichtigen Werk der Cocktail-Rennaissance „Vintage Spirits and Forgotten Cocktails“ (2004) erwähnt. Und das durch eine alphabetische Anordnung sogar an erster Stelle, denn der Subtitel des Werkes lautete „From the Alamagoozmum to the Zombie and beyond“.

Im Alamagoozlum ist viel von allem

Kommen wir also zu den Zutaten des Alamagoozlum Cocktail. Seine Hauptbestandteile sind Genever und Wasser. Was zunächst gewöhnungsbedürftig anmutet, wird bei der Auflistung aller weiterer Zutaten verständlicher. So gesellen sich noch jamaikanischer Rum, Chartreuse Vert und Orange Curaçao in den Shaker. Nicht zu vergessen: beachtliche 0,5 cl Angostura Bitters. Um diese alkoholische, an Kräutern und Fruchtaromen reiche Konzentration ein wenig auf den Boden zu bringen, dient nicht nur das bereits erwähnte Wasser. Im Original verleiht Gomme-Sirup dem Drink die nötige aromatische Süße.

Der mit dem Pflanzenextrakt Gummi arabicum versetzte Zuckersirup (im Verhältnis 1:2) weist ein etwas weicheres Mundgefühl auf als seine Artgenossen. Das braucht der Alamagoozlum Cocktail, der zusätzlich mit einem halben Eiweiß versetzt wird. Dieses bindet die Kombination und sorgt für eine weitere, dem Trinkgefühl zugute kommende Sämigkeit. Es sollte aber trotzdem niemanden davon abhalten, den Drink mit normalem Zuckersirup zu probieren.

Ein Digestif im Punch-Korsett

In seiner Gesamtheit mag der Alamagoozlum Cocktail zunächst wie ein überladener Drink aus den 1990er Jahren wirken, weist jedoch mit jedem einzelnen Schluck distinktive Tiefen auf und präsentiert jede Komponente auf den Punkt. Im Grunde genommen ein Digestif im Punch-Korsett.

Ob der Drink wirklich auf J. P. Morgan zurückgeht oder nicht, wird sich wahrscheinlich nicht mehr restlos klären lassen. Aber im Sine einer schönen Anekdote kann man es auch so stehen lassen. Dafür sorgt nicht zuletzt David A. Embury, der den Alamagoozlum ebenfalls erwähnt. „Dieser Cocktail soll eine Spezialität des älteren Morgan gewesen sein”, schreibt er in seinem 1948 erschienenen Klassiker The Fine Art of Mixing Drinks, „was beweist, dass er als Barkeeper ein ausgezeichneter Bankier war.“

So kann man es natürlich auch sagen.

Der Alamagoozlum Cocktail wurde erstmals 2018 auf MIXOLOGY Online veröffentlicht. Für diese Wiederveröffentlichung wurde er ausführlich überarbeitet und mit einem neuem Foto versehen.

Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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