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Amaro Montenegros The Vero Bartender: die nationalen Sieger

Von wegen bitter: Freudentränen bei der The Vero Bartender Competition von Amaro Montenegro

Deutschland und Österreich kürten ihre Teilnehmer für das bitter-süße Weltfinale in Mailand. Simone de Milito holte in der Hamburger DaCaio einen Heimsieg, während in Wien mit Johanna Luger ein Rookie aus Salzburg überraschte.

Man kann vom ehemaligen „Artesian“-Bartender Rudi Carraro immer etwas lernen. Denn statt dem üblichen „Es war sehr knapp, aber einer muss halt“-Talk gab es vom globalen Markenbotschafter von Amaro Montenegro klare Worte. Vielleicht hatte ihm jemand das nordische Sprichwort „Butter bei die Fische“ übersetzt. „Nur einer von zehn Teilnehmern hat seinen Drink auch gekostet“, gab der umgängliche Rudi kurz den Party-Crasher. Immerhin winkt dem Sieger der „Vero Bartender Competition“ eine knappe Woche in Italien, gecoacht von Top-Leuten aus aller Welt. Und im Idealfall die Reise zur Bar Show nach New York.

Doch so weit war es im The George Hotel in der Hansestadt noch nicht. Hier mixten die besten zehn deutschen Amaro-Bartender um das Ticket nach Bella Italia. Gleich zwei Anforderungen mussten die Cocktails erfüllen: Sie sollten zum „sharing“ gedacht sein und dem Zero-Waste-Gedanken huldigen.

Dass dazu noch Geschichten rund um den nach Prinzessin Elena von Montenegro benannten, bitter-süßen Schwarzen gefragt waren, versteht sich von selbst.

Teile mich und mach wenig Dreck!

Mit dem Amaro als Schlüssel eröffnete sich am DaCaio-Tresen folglich eine Fülle geteilter Getränke: Das Tee-Service, das Victoria May (Perlen & Primaten, Bremen) zu Ehren von Hildegard von Bingen aufbrühte, war ein Beispiel. Auch Lennard Fritz aus dem Louis C. Jacob entschied sich für eine Früchte-Tee-Basis für seinen „Granny’s Tea-Time“. Der Erfurter Toomas Laur (Sonderbar) wiederum ließ die Mokka-Kanne kupfern auflodern, um an die orientalische Gewürzwelt zu erinnern. Hochoriginell war dann Alexander Popps (Chase Bar, Würzburg) bayrische Interpretation: „Getränke teilen heißt bei uns einfach, dass es Bier gibt“, leitete der Würzburger seine Präsentation ein. Und mit Salzkaramell-Sirup wurde daraus im Willi-Becher auch optisch ein bierig-süffiger Drink namens „Bella Mossa“. Selbst einen Crash-Kurs in Alchemie bot der Wettbewerb, als Peter Dombrowski (Gloriosa, Erfurt) mit dem Stein der Weisen für ewiges Leben sorgen wollte.

Veranstalter-Bar stark vertreten

Gleich zwei Kandidaten hatten es aus der Veranstalter-Bar unter die letzten zehn Finalisten geschafft. Die Spannung für Langzeit-Barchef Giovanni Massimino und seine Crew stieg, als Salvatore Capone mit Startnummer 3 seinen „Five Continents“-Punch anrührte. Kokoswasser und Pandan-Blatt sorgten nach dem anfänglichen Amaro-Ritual für die Jury für exotische Aromatik.

Sein Kollege Simone de Milito – er ging als Fünfter ins mixologische Rennen – setzte hingegen auf seinen „hausgemachten Orangensaft“. Der wurde mit Grand Marnier aufgepeppt und kam zusammen mit Crème de Cacao und Roiboos-Vanille-Tee in den Cocktail namens „1885“ (das Gründungsjahr von Amaro Montenegro). Das Ergebnis machte eine beinahe Tiki-artige Süße zu Beginn aus, hatte aber auch ordentlich kräutrigen Punch.

Deutschland und Österreich küren die nationalen Sieger der The Vero Bartender
Simone de Milito darf am 19. November zum Finale nach Mailand.

Pre-Dinner-Drink und Bambus-Orgie

Als Rudi Carraro seinen Landsmann dann als deutschen „Vero Bartender 2019“ bekannt gab, brandete der Jubel der Kollegen auf – und Giovanni Massimino ließ den Handy-Abzugsfinger glühen. Abgefeiert wurde bei den Profis aus dem The George aber erst nach der Schicht. Dafür reichte Simone de Milito seinen Sieger-Cocktail auch als Pre-Dinner-Drink. Und auch da funktionierte die betörend-herbe Mischung hervorragend.

Während das gesamte da-Caio-Team Simone hochleben ließ, waren tags darauf Freudentränen in Wien angesagt. Vielflieger Carraro – „Airport Life, not Bartender Life“ – verrichtete sein Amt als Head Judge flankiert von Erich Wassicek (Halbestadt) und MIXOLOGY-Autor Roland Graf.

Das bebrillte Trio erlebte im Botanical Garden u. a. den ganz in Bambus gehaltenen Auftritt von Mario Nestlehner. Selbst serviert wurde der im Bambus-Shaker und mit Bambus Bitters gefertigte „Dunhuang Punch“ in einem Bambus-Rohr. Als Nebeneffekt zu einigen Vorbestellungen für seinen innovativen „BamBam“-Shaker gab es für die souveräne Performance den dritten Platz.

West-Block: Salzburg und Innsbruck rocken

Nestlehner war einer von vier Salzburger Bartendern, denn die Wiener Finalisten traten geschwächt auf. Gleich zwei Qualifizierte mussten krankheitsbedingt w.o. geben. Somit waren Valentin Bernauer mit seinem Limetten-Taco zum „Captain Cork“, Martina Habison mit ihrem Aronia-Amaro-Mix und Daniel Levai mit seinem Lemon Curd Spritz die Hoffnungen der Hauptstadt.

Doch am Ende spielten weder die Mannen aus dem Moby Dick (Made in GSA-Champ Bernauer) und der The Sign Lounge, noch die Zweisam-Bartenderin um die Top 3 mit. Hier grätschte der sympathische Franko-Tiroler Markus Basset (und damit die Bar-Stadt Innsbruck) dazwischen. Sein Champagner-Drink brachte dem gebürtigen Reimser offenbar einen Startvorteil. Der Mann aus der Adlers Bar holte knapp den zweiten Platz, worauf der Sprudel erst recht floss.

Amaro Montenegro Vero Bartender
Die zehn Finalisten im Hamburger Hotel The George.

The Vero Bartender: Salzburg fährt nach Mailand

Denn die Siegerin in Wien hieß Johanna Luger aus dem Darwin’s. Nicht nur, dass damit Platz 1 und 3 an eine Bar gingen, es war auch die allererste Competition der Salzburgerin. Wer Luger, gerade einmal zweieinhalb Monate (!) an der Bar tätig, shaken sah, hätte das nicht gedacht. Die Fürsorge Prinzessin Elenas für Kriegsopfer verband sie locker mit der Fürsorge ihrer Mutter: „Wenn’s mir schlecht ging, gab es immer eine scharfe Suppe“.

So gesellte sich beim „Elena“-Rezept Chili zum Saft aus nicht mehr verkaufbaren Erdbeeren. Mit drei unterschiedlichen Tee-Tassen als Symbol für Diversität – „Wir teilen zwar, sind aber alle individuell“! – krönte sie eine Performance ohne jedes Lampenfieber. Erst bei der Sieger-Ehrung flossen dann die Tränen der Freude.

Wie die Kreationen von Johanna Luger und Simone de Milito im Finale in Mailand ankommen, entscheidet sich am 19. November. Mögen es auch dort nur Freudentränen sein!

Credits

Foto: Tim Gerdts Photography

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