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Die neue Amouro Bar in Graz

Mächtiges Schmuckstück: das „Amouro“ in Graz arbeitet mit ästhetischer Überwältigungsstrategie

Das Staunen der Erstbesucher ist unüberhörbar in der „Amouro“ in Graz. Der Bar-Teil des Zwei-Millionen-Projekts in der steirischen Landeshauptstadt arbeitet mit ästhetischer Überwältigungsstrategie. Dabei soll man nicht an der Oberfläche verharren: Das Cocktail-Angebot ist progressiv und mutig.

Hat Graz plötzlich so viel Durst? Die Öffnungszeiten der neuen „Amouro“ – 6.30 Uhr morgens – sind definitiv ungewöhnlich für eine Bar. Das stört die für außergewöhnliche Projekte bekannte Gastrofamilie Judith und Gerald Schwarz alias „Aiola-Gruppe“ zwar nicht, hat aber einen einfachen Grund. Der liegt wiederum in der keineswegs einfachen Kombination, die man hier auf 1.600 Quadratmetern und zwei Etagen etabliert hat. Während der Modeladen „LNZR, selected labels“ nebenan die textile Tradition des Standortes weiterführt, muss man schon gebürtiger Grazer sein, um das Modeimperium Brühl nach dem Umbau noch wiederzuerkennen. Neben dem Hotel „Aiola Living“ – das Frühstück erklärt die frühe Öffnungsstunde! – und dem Interior-Store im Obergeschoß gehört die Amouro-Bar als Herzstück zu diesem Konglomerat aus Schönheit und Genuss.

Alexander Knoll, versierter Geschäftsführer im „Aiola“-Reich, kennt auch die exakten Farbtöne: Pantone 571 U und 107 U hätte der Laie sonst als dunkles Türkis und Ockergelb beschrieben. Lachend fügt er hinzu: „Eigentlich sitzen wir in einer Flasche.“ Nun, wenn man den Vergleich annehmen will, dann ist es eher ein Flakon. Denn flächig ausladend und optisch edel ist das fünfstöckige Rückbuffet ebenso wie die Gästeseite. Und es stimmt schon, der hauseigene Aperitif „Amouro“ gibt dem Neuzugang den Namen. Unübersehbar inszeniert ist er aber keineswegs.

Amouro Bar in Graz
Das neue Amouro eröffnet mit 6.30 Uhr morgens ungewöhnlich früh
Das hellere und kommunikativere Set-up der Amouro Bar soll zum „Day Drinking“ einladen
Das hellere und kommunikativere Set-up soll zum „Day Drinking“ einladen

Der flüssige „Pate“ in Variationen

Zumal man auch einfach (gut) essen gehen kann in die Bar. Wie stets kreist man um einen thematischen Fokus im neuen Lokal der Platzhirsche; diesmal sind es Eclairs im süßen und die Pizza-artigen „Taftoons“ im pikanten Bereich. „Smashed Burger“ und den Blumenkohl aus dem Ofen als Verbeugung vor der Levante-Küche sind weitere Optionen im Tagesverlauf. Wann immer man mit dem Drink dazu starten mag, auch hier mangelt es nicht an Möglichkeiten. Den Namensgeber gibt es als „Fizz“, aber auch als Teil der „Spritz“-Auswahl in Graz – drei der neun Varianten werden mit „Amouro“ gemixt.

Dass die Leichtigkeit in diesem Ambiente regiert, bedeutet aber nicht, dass man sich lediglich auf die sicheren Treffer verlässt. Der „Japanese Highball“ mit seinen Umami-Drops etwa überrascht mit seiner erfrischenden, aber tiefgründigen Art. Auch der „Pineapple Chocolate Sour“ weist ein kleines Geheimnis auf. Statt Eiweiß, das in diesen Bardimensionen einer der Servierverweigerung nahen Bremse nahekäme, wird er mit „Foaming Syrup“ gemixt. Und in der Tat tut das was für den Drink. Der Schaum bleibt stabil und aromatisch, erkannte auch Barchef Hans J. Prommer schnell. Überhaupt ist die bunte Bar ein Ort für den zweiten Blick, eine Trinkstätte, die das Auge erfreut und den Horizont geschmacklich erweitert. So man es zulässt.

Das Amouro bereichert die steirische Landeshauptstadt
Das Amouro bereichert die steirische Landeshauptstadt

Amouro

Schmiedgasse 10
8010 Graz

Mo -Fr 6:30 - 24 Uhr, Sa - So 7 - 24 Uhr

Im Amouro schlägt ein Herz für europäische Agave

Dann erlebt man Überraschungen nicht nur ästhetischer Natur, sondern erkennt auch beim Sortiment die kuratierende Hand: Sotol etwa sieht man selten in österreichischen Bars. Alexander Knolls Stolz darauf, „vor der Eröffnung lange nach den Spirituosen gesucht zu haben“, zeigt sich auch beim Agavenbrand-Angebot, das wie im Aiola-Betrieb Pink Elephant eine wichtige Rolle spielt. Vor allem aber stellt man auch die europäischen Pioniere Agalìa (Sizilien) und „Destillerie de Paris“ ins Regal neben die Mexikaner. Sie lassen sich dank der Kooperation mit „Booze Academy“ auch erwerben, wenn die Party zuhause weitergehen soll.

Apropos Party: Der „Speakeasy-Raum“ sorgt für Privatsphäre, lediglich der riesige, weiße Gorilla, der die Lampe im Extrazimmer hält, ist als stiller Gast dabei. Ansonsten steht den Gästen im exklusiven Hinterzimmer – „der geilste Ort, um Champions League zu schauen“ – eine Serviceklingel zur Verfügung. Schließlich soll ja auch der Mindestumsatz erreicht werden. Doch zurück an die Hauptbar, wo Simone Ferk und Hans J. Prommer die neue Arbeitssituation genießen. „Man verbringt viel mehr Zeit mit dem Gast“, so das bereits in der Schwestern-Bar Katze Katze tätige Duo. Das hellere und kommunikativere Set-up, das zum „Day Drinking“ einlädt, macht’s möglich.

Rarer Rum, noch mehr Champagner

Empfehlungen lassen sich besser an den Mann und die Frau bringen, hat Profi Prommer seit dem Opening im Juli herausgefunden. Das gilt etwa für den „Rum Old Fashioned“, den er besonders gerne zubereitet. Zumal mit Raritäten wie den „Kill Devil“-Füllungen von Hunter Laing auch echte Trouvaillen parat stehen. Auch die Analyse der ersten Wochen hat Prommer abgeschlossen: „Es sind viele Gäste da, die wir noch nie in der Katze Katze gesehen haben“. In der Tat hat vor allem internationales Publikum die Bar schnell liebgewonnen, auf jedem zweiten Tisch wird Englisch gesprochen.

Wobei Noviz:innen wie Fans des Grazer Bartenders auch eine Auswahl geboten wird, die über die 31 Cocktails der Karte hinausgeht. Alkoholfreie Optionen sollen noch weiterausgebaut werden, auch die keineswegs selbstverständlichen veganen Drinks mögen ein Zugpferd sein. Dazu kommt im Weinland Steiermark aber eine Auswahl, die sich neben bekannten Lokalheroen wie Firmenich, Scharl oder Schauer auch mit Etiketten wie der Domaine Méo-Camuzet schmückt. Ausgebaut, sobald man Stufe zwei der Entwicklung der „Amouro“ zündet, soll auch das Champagner-Sortiment werden. Aktuell hat man mit dem Rosé des Saignée des Hauses Hostomme auch eine attraktive glasweise Option.

In Phase zwei wird dann auch der Kartenwechsel anstehen. „Zwei Mal im Jahr wird es neue Drinks geben“, so Prommer. Und auch die wie ein Schiffsbug ins Lokal ragende zweite Mixstation soll dann voll im Betrieb sein. Es sieht also ganz danach aus, als würde Graz größte Bar auch weiterhin groß denken.

Credits

Foto: Kristina Sammer für Amouro

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