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Ana de Armas Negroni

100 Jahre Negroni: 10 Drinks & ein Kurzfilm. Entering Red mit Ana de Armas

Wie passend! Der camparirote Dreiteiler feiert den 100. Geburtstag und zur diesjährigen Negroni-Week im Juni wird mit Rekordbeteiligung gerechnet.

Doch nicht nur diese Cocktail-Charity, sondern auch zehn Neuinterpretationen – für jede Negroni-Dekade eine – sowie ein Kurzfilm mit Bond-Girl Ana de Armas feiern den gräflichen Genie-Streich.

Daniel Craig und sein 007 müssen noch warten. Denn während Ana de Armas erst im kommenden Jahr dem Geheimagenten Ihrer Majestät das Spionage-Leben schwer macht, geht die Kubanerin aktuell noch selbst einem mysteriösen Hinweis nach: Der Ring, den ihr Lorenzo Richelmy in einem Club hinterlässt, zeigt drei Steine – sie symbolisieren Gin, Wermut und Campari als Zutaten des Negroni – und löst so eine Suche im nächtlichen Mailand aus.

Den Dom entlang, durch die Galleria und letztlich in den Hauptbahnhof führt Ana de Armas Weg im Negroni Kurzfilm „Entering Red“, mit dem die Feier des 100. Geburtstags des ikonischen Campari-Cocktails eingeläutet wurde. Zu der traumhaften Szenerie, die der renommierte Schöpfer von Italiens Oscar-Beitrag 2019 (Dogman) und dem beklemmenden Gomorrha in Milano einfing, passt auch der Protagonist des Jubiläums. Denn auch Conte Camillo Negroni galt lange Zeit mehr als Märchenfigur denn als realer Cocktailheld. Es lag an Luca Picchis Buch „Sulle tracce del conte. La vera storia del cocktail Negroni“ (Casa editrice Plan), die Ehre des Grafen zu retten.

Mit dem Personalausweis aus dem Jahr 1929, der Carta d’identitá des Conte Negroni samt Stempelmarke und Rutenbündel der Faschisten, ließ sich die Existenz des leichtlebigen Aristokraten endlich nachweisen.

Ein modernes Märchen in Schneeweiß und Rosenrot

Wann genau dieser allerdings in das Caffè Casoni in Florenz marschierte und mit seinem Wunsch »un po‘ piu forte« die Aperitif-Kultur revolutionierte, sagte der Ausweis aber nicht. Vermutlich war es 1919, als der Wunsch nach dem »etwas kräftigeren« Americano von Bartender Fosco Scarselli mit Gin statt Soda erfüllt wurde. Weshalb unter dem Motto »N 100« dieses Jahr der Negroni-Geburtstag gefeiert wird.

Auf die nächsthöhere Ebene heben den Negroni die Bartender in aller Welt – „und die besten von ihnen sind die Red Hands«, brach Bob Kunze-Concewitz, CEO der Grupo Campari, eine Lanze für die Fans des Cocktails in aller Welt. Immerhin gehört der Negroni zu den ganz wenigen Cocktail-Rezepturen, für die von der International Bartenders Association (IBA) sogar die Marke des Bitterlikörs festgeschrieben wurde: Ohne Campari kein Negroni, das gilt seit nunmehr 100 Jahren! Kreativ-Tanz ums rote Herz.

Dass darüber hinaus die mixologische Kreativität auch diesem Klassiker neue Facetten abgewinnen kann, steht im Jubeljahr im Mittelpunkt. Top-Bartender aus aller Welt haben jeweils einer Dekade des »Negroni-Jahrhunderts« zwischen 1919 und 2019 ihren persönlichen Twist gewidmet. Das Herz des Drinks bleibt natürlich immer Campari (da sei der Conte vor!), doch die Bandbreite ist groß, wenn u. a. Erik Lorincz und Luca Cinalli zum Shaker greifen.

Ana de Armas Negroni
Andreas Till: einer der drei Münchener im Jubiläumsteam.
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Andreas Till servierte den »Negroni 1808«, schon bei der Filmpremiere in Mailand.

10 Dekaden 10 Twists

Die ginlose Variante, den »Negroni Sbagliato«, bringt Maurizio Stocchetto als Hommage an die 1960er-Jahre ein. Und natürlich an seinen Vater Mirko Stocchetto, dessen Griff zur falschen Flasche in der Mailänder Bar Basso diese leichtere Negroni-Variante erst entstehen ließ.

Eine ganz andere Epoche zitiert Mauro Mahjoub, einer der drei Münchener im Jubiläumsteam (neben Charles Schumann und Andreas Till), mit dem »Negroni Marino«. Der Futurismus und seine teils obskuren Speisegewohnheiten – berühmt wurde der aussichtslose Kampf gegen die Pasta, aber auch der Gebrauch von Parfüm bei Tisch – standen Pate für einen mit Sardellen und Kapern garnierten Drink aus 3 cl Campari, 2 cl Linie Aquavit, 2 cl Cinzano 1757 Vermouth und zwei Tropfen Himbeer-Balsamico. Jeder Zeit ihr eigener Negroni!

Aufwendiger legt Luca Cinalli, der nach der Oriole Bar demnächst seine eigene Londoner Wirkungsstätte eröffnen wird, als Kind der Achtziger seine Hommage an das Pop-Jahrzehnt an. Der »Negroni Earl« bringt Blutorangensalz und Wacholder-Öl als Zutaten ein. Ähnlich wie die Gravur des »N 100«-Ringes führt auch sein doppelt gefrosteter Eisblock die drei Zutaten des Negroni an.
Erik Lorincz wiederum bringt die 2000er-Jahre im »Golden Decade« mit Beeren-Wermut, Muskatnuss-Essenz und Jasmin-Kombucha-Tee zum Funkeln.

Ana de Armas Negroni
Erik Lorincz bringt die 2000er-Jahre im »Golden Decade« zurück.
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»Golden Decade« mit Beeren-Wermut, Muskatnuss-Essenz und Jasmin-Kombucha-Tee.

Die flüssige Erzählung des letzten Jahrhunderts

Der Negroni kann aber auch Wirtschaftswunder: Für die 1950er-Jahre interpretierte Volker Seibert (Köln) den Drink. Damals spielte Sherry eine große Rolle in Mix-Getränken, also trifft Mailand in dieser Interpretation auf Jerez.

Die schwierigen 1990er-Jahre der Bar waren wiederum Inspiration für Jeffrey Morgenthaler. Sein Negroni-Twist erinnert an die fruchtigen Strawberry Daiquiris oder Margaritas der Dekade. In Portland wird daraus eine Slushee-Variante – was hätte da der Conte gesagt? Klar wiedererkannt hätte Graf Camillo wohl die Ursprünge des »Negroni 1808«, den Andreas Till schon bei der Filmpremiere in Mailand servierte.

Das Rezept, das die gegenwärtige Dekade unter dem Motto »back to the roots« feiert, zeichnet in einem Drink die Entwicklung vom Milano-Torino über den Americano bis zu Camillo Negronis legendärer Kreation nach. »Sein Rezept-Gerüst macht den Negroni für mich zu einem der rudimentärsten Drinks, der, wenn man seine Komponenten versteht, eine unglaubliche Varianz zulässt«, meint dazu der Münchner. Und das sieht wohl auch Ana de Armas so.

Ana de Armas Negroni
Luca Cinalli, als Kind der Achtziger seine Hommage an das Pop-Jahrzehnt.
Ana de Armas Negroni
Der »Negroni Earl« bringt Blutorangensalz und Wacholder-Öl als Zutaten ein.
Credits

Foto: Campari

Comments (1)

  • Alexander Morgenstern

    Schade das man den Campari benutzen muss um einen Negroni zu erstellen. Ob der Campari ursprünglich überhaupt enthalten war kann man nur mutmaßen. Dieser großartige Cocktail sollte klar von der Struktur eines Cocktails festgelegt sein.

    Bitter Quelle
    Zucker Quelle
    Wasser Quelle
    Spirituose

    Aber Marken abhängigkeit einem vor zu schreiben ist meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß.

    Es gibt große Nachfrage nach natürlichen und echten Bitter Likören welche das sind was Campari vorgibt zu sein.

    Mein Negroni ist heute sehr beliebt und frei von Farbstoffeen und Aromen die nicht aus der Natur sondern den Laboren stammen.

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