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Hotel Bar am Steinplatz Berlin

Bar am Steinplatz: auf ein Neues!

Die Berliner Bar am Steinplatz kann auf drei MIXOLOGY Bar Awards zurückblicken. Nach dem Ausstieg von Bar Manager Christian Gentemann formiert sich der profilstarke Trinktempel nun von Neuem.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Beinahe so lange ist es her, seit Christian Gentemann die damals neue Bar am Steinplatz im gleichnamigen Hotel nahe dem Bahnhof Zoo als Bar Manager übernommen hat. Unter Gentemanns Leitung wurde der Tresen der mondänden Bar zu einem Synonym für Barkultur mit starkem Profil und Mut zur Lücke. Nun hat der sympathische gebürtige Herforder seinen Abschied genommen und den Staffelstab an seinen Kollegen und Nachfolger Willi Bittorf übergeben.

Die Bar am Steinplatz: sechs Jahre mit Mut zur Lücke

Gentemann und seine langjährigen Weggefährten – allen voran Anne Linden, die im Frühling nach München übersiedelte – statteten die Bar am Steinplatz im Lauf der Jahre immer wieder mit klaren inhaltlichen Statements aus und polarisierten durchaus: Vom ersten Tag an setzte die Bar auf ein umfangreiches, aufwendig kuratiertes Angebot handwerklich gebrauter und oft besonderer Biere – auch schon zu einer Zeit, als schon der Begriff „Pale Ale“ noch den meisten Deutschen unbekannt war. Ein Anspruch, der bis heute beibehalten wurde und jüngst mit in Dosen abgefüllten Biercocktails seinen nächsten Höhepunkt fand.

Hotel Bar am Steinplatz Berlin

Der erste Doppelsieg einer Hotelbar – auch ohne Gin

Der nächste Paukenschlag kam im Frühling 2017, als das Team von der Hotelleitung die Erlaubnis erhielt, sämtlichen Gin aus der Karte zu streichen und stattdessen Doppelwacholder zu verarbeiten. Es gehört Mut dazu, die aktuell populärste Spirituosenkategorie einfach aus dem Sortiment zu nehmen. Der zugrundeliegende Gedanke war damals nicht provokant, sondern eher der Neugierde geschuldet, wie Gentemann und das Team der Bar am Steinplatz immer wieder betonten. Denn die Auslistung allen Gins sollte vor allem die eigene Kreativität befeuern und den Umgang mit Althergebrachtem infragestellen.

Das alles zahlte sich aus: Zwei Mal in Folge wurde die Bar am Steinplatz, die stets nur mit einem Team von drei festangestellten Mitarbeitern betrieben wird, bei dem MIXOLOGY Bar Awards als „Hotelbar des Jahres“ prämiert, und zwar für die Jahre 2017 und 2018.

Die Barkarte als Kunstform

Der nächste Paukenschlag folgte ein Jahr später. Für eine Cocktailkarte mit ausschließlich glasklaren, farblosen und in identischer Form servierten Drinks – entstanden in monatelanger Recherche – gab es bei den MIXOLOGY Bar Awards 2019 für die damalige Besetzung aus Gentemann, Linden und Stefan Gunzelmann die Auszeichnung zur „Barkarte des Jahres“. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Hotel Bar am Steinplatz Berlin Barkarte
Hotel Bar am Steinplatz Berlin Barkarte

Bar am Steinplatz

Steinplatz 4
10623 Berlin

Mo - So ab 16 Uhr

Willi Bittorf: der neue Kopf der Bar am Steinplatz

Eine Bar von solchem Ruf und mit so viel Beachtung zu übernehmen, kann Fluch und Segen zugleich sein. Es mag ein etwas extremes Beispiel sein, doch der damals erste Nachfolger von Alex Kratena und Simone Caporale in der Londoner Artesian Bar, Pip Hanson, könnte sicherlich ein Lied davon singen: Nach nur wenigen Monaten trennten sich die Wege des Amerikaners und des traditionsreichen Grand-Hotels wieder.

Doch solch drastische Vergleiche sind ohnehin fehl am Platz: Denn Willi Bittorf ist als Veteran des Regent Berlin und des Waldorf Astoria nicht nur ein Kenner der hauptstädtischen Hotelbars, er stieß auch bereits im April zur Bar am Steinplatz – es ist also ein weicher, fließender Übergang, der dort vollzogen wird. Insofern sieht Bittorf darin auch keine Gefahr, sondern blickt optimistisch in die nächsten Monate: „Natürlich ist so eine Erfolgsgeschichte eine absolute Herausforderung“, setzt Bittorf an „Als sich herausgestellt hat, dass Christian gehen würde, habe ich durchaus ein wenig überlegt. Und letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man so eine Herausforderung als Chance sehen muss, die jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt kommt“, meint der 30-jährige gelernte Restaurantfachmann.

Die neue Karte: Bittorf meets Gentemann

Zumal ja der ehemalige Spiritus rector Gentemann auch künftig immer wieder beratend zur Seite stehen wird, wie die offizielle Pressemeldung des Hotels mitteilte. So ist auch die kommende Karte, die Mitte Oktober lanciert wird, nicht komplett neu: „Wir lancieren eine Art zweite Version der Karte mit den optisch identischen Cocktails. Christian hat daran auch noch mitgearbeitet, gleichzeitig denke ich aber, dass die Drinks aus aromatischer Sicht schon eine etwas andere Sprache sprechen werden.“ Der große Knall soll dann Mitte 2020 erfolgen, wenn ein komplett neu konzipiertes Menü kommt.

Ein kluger Schachzug von Bittorf, der vor allem auf Konstanz und organisch wachsende Strukturen setzt: „Wir wollten nichts Halbgares als Selbstzweck abliefern. Unser kleines, vierköpfiges Team ist in dieser Konstellation neu, daher wollen wir uns die Zeit nehmen und uns richtig einspielen“. Quasi als Gefährten aus dem Waldorf mitgenommen hat Bittorf einerseits seine Kollegin Hanna Richter, die sich künftig vor allem um Administratives kümmern wird, außerdem die 22-jährige Josephine Meiling, die frisch ausgelernt ist.

Zum Bar Convent ist man einfach nur: eine Bar

Da passt es gut ins Bild, dass man in der Bar am Steinplatz anlässlich des nahenden Bar Convent Berlin kein großes Event-Gewitter plant, sondern sich einfach als Bar mit dem regulären Angebot präsentiert: „Das ist doch das Wichtigste“, erklärt Bittorf, „dass es in dem Trubel auch Bars gibt, die sich so zeigen, wie sie wirklich sind. Und einen unserer neuen Drinks werden wir dann als Preview auch schon servieren.“ Und so wächst in der Bar am Steinplatz offenbar alles homogen weiter, wie es schon die letzten Jahre gewachsen ist. Eine schöne Vorstellung.

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Credits

Foto: ©Bar am Steinplatz

Link: http://www.barsteinplatz.com/

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