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Moskau

Eine Jungfrau in Kuba? Das Bacardi Legacy-Finale in Moskau

Zum Finale der vierten Bacardi Legacy Global Cocktail Competition kamen vergangene Woche in Moskau einige der besten Bartender der Welt zusammen, um aus ihrer Mitte den Sieger des Jahres 2014 zu ermitteln. Unter den wachsamen Augen der Fledermaus ging es in zwei hochklassigen Finalrunden nicht nur um die eigentliche Mixologie, sondern um ein komplettes Cocktailkonzept. Ein Bericht.
Vom 4. Bis 10. Mai kamen in Moskau die jeweiligen Sieger aus den nationalen Vorausscheidungen zusammen, um in festlichem Rahmen den Sieger küren zu lassen. Insgesamt gingen Bartender aus 27 Ländern an den Start, die sich allesamt bereits in ihren Heimatländern durchgesetzt hatten. Die Repräsentanten des deutschsprachigen Raumes waren diesmal Frank Thelen aus der Kölner Shepheard’s Bar und Bert Jachmann vom Wiener Fabios. Aus der Schweiz war Michael Kampmann aus de Les Trois Rois angereist.
Wettbewerb und Lehrgang
Vor Ort ging begann allerdings nicht sofort der eigentliche Wettkampf. Die ersten Tage standen ganz im Zeichen der Weiterbildung. In mehreren Workshops wurden die Finalisten über Rum in seiner ganzen Bandbreite informiert und Kenntnisse vertieft. Hier hatten die Teilnehmer nicht nur die Gelegenheit, seltene Rum-Abfüllungen zu verkosten. Ebenso bot sich die Möglichkeit, bei einigen Granden der Barszene – z.B. Tiki-Legende Jeff „Beachbum“ Berry oder Iain Bell – zu lernen.
In die Punktevergabe floss außerdem das Resultat der sogenannten Promotion-Phase ein, eine Besonderheit des Legacy-Contests: Im Vorfeld des Finals bestand für die Teilnehmer die zusätzliche, mehrmonatige Aufgabe, ihre Rezeptur in der Barwelt zu promoten. Also dafür zu sorgen, dass der entsprechende Cocktail möglichst schnell zu internationaler Bekanntheit gelangt und in Qualitätsbars serviert wird. Neben der gängigen Bewerbung auf sozialen Plattformen war dabei die Kreativität also abermals gefragt. Einen besonderen Akzent setzte hier die US-amerikanische Finalistin Naomi Levy, die den Drink an ihre befreundetet Fachkollegen kommunizierte und daraus sogleich ein Charity-Projekt generierte: Bis zu ihrer Abreise nach Moskau war durch Verkäufe ihres Drinks ein fünfstelliger Betrag zu Stande gekommen, der nun einem wohltätigen Zweck zu Gute kommen wird.
Es wird ernst …
Der eigentliche Wettkampf spielte sich wiederum an zwei Tagen ab. Im Halbfinale präsentierten alle Teilnehmer ihren Legacy-Drink der Jury aus Jacob Briars (Bacardi), Jeff Berry, sowie den beiden früheren Siegern Marc Bonneton und Shingo Gokan. Im Rahmen der Präsentation ging es außerdem darum, nicht nur den Bezug zu Bacardi herzustellen. Ebenso musste die Entstehung des Rezeptes anhand einer Geschichte erläutert werden. Ein wahlloses Vermengen unterschiedlicher Ingredienzien war also tabu – es ging um Konsistenz und Expertise, die auf diesem Wege demonstriert werden musste. Am Ende des Tages standen die acht Finalisten fest: Australien, Zypern, China, Indien, Estland, Neuseeland, Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit Angelika Larkina (EST) und Graziella Nieto (VAE) fanden sich, wie im letzten Jahr, auch zwei Frauen in der Endkonkurrenz. Aus Sicht von MIXOLOGY ONLINE ein kleiner Wermutstropfen: diesmal gelang keinem Vertreter aus GSA-Gefilden der Einzug ins Grand Final.


Hochklassiges Finale vor atemberaubender Adresse
Im Finale wurde erneut derselbe Drink vorgeführt, jedoch vor einer neuen Jury. Vor der historischen Kulisse des Moskauer Petrovsky-Palastes oblag die Bewertung der Präsentationen diesmal Jörg Meyer (Le Lion, Hamburg), Vorjahressiegerin Eliza Evdokimova (Delicatessen, Moskau), José Sanchéz Gavito (Maestro de Ron bei Bacardi) und Rum-Ambassador Ian Burrell. Die Finalisten, die allesamt im Halbfinale schon ihr beeindruckendes Wissen und Können in Szene gesetzt hatten, konnten auch im Finale auf voller Länge überzeugen. Das hohe Niveau der Vorjahre wurde problemlos gehalten, und zwar nicht nur auf mixologischer Ebene. In den gelungenen Präsentationen wurden auch nicht selten die enormen gastgeberischen Qualitäten der Bartender und Bartenderinnen deutlich.
Am Ende sicherte sich Tom Walker aus dem Londonder Savoy Hotel den Sieg. Mit seinem würzigen Cocktail „Maid in Cuba“, der die Gruppe der Maid-Cocktails und ihre Zutaten Gurke und Minze sowie Absinth in Verbindung zum klassischen Daiquiri bringt, verwies Walker seine Kontrahenten Carson Xie (Shanghai) und Fred Siggins (Melbourne) auf die beiden anderen Podiumsplätze.
Das Ende des Wettbewerbs und der verdiente Champion wurden bis spät in den folgenden Tag hinein gefeiert, mitsamt eines eigens angefertigten Daiquiri-Brunnens. Die Bacardi Legacy hat erneut illustriert, wie hoch und nachhaltig das Niveau der internationalen Barszene gehalten wird. Im frühen Herbst geht die Bewerbungszeit für 2015 los.
 

Credits

Foto: Petrovsky Palast Moskau via Shutterstock

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