Liebe schmeckt wie Kaviar | Moskau | Juliane Reichert | Photo Credit: Mitzva Bar

In Moskau: Zwischen Pelz, Pelmeni und Parkspaziergang

Bars 1.3.2019

Vodka zu finden ist in der russischen Hauptstadt natürlich nicht schwer. Aber wo gibt es die besten Pelmeni in Moskau? Juliane Reichert ist durch die Stadt spaziert, die sie an eine alte Dame erinnert. Die Geschichten voller Grauen birgt, streng und schrecklich elegant ist, eine Vodkafahne hat und im Zweifel kühl wirkt. Und die man doch anschmachtet.

Auf die Gefahr hin, dass dieser Ohrwurm einige Tage, mindestens aber Stunden bleiben wird, möchte ich vor dem Lesen dieses Artikels warnen. Aber vermutlich ist es an dieser Stelle ohnehin schon zu spät. Moskau also. Allein beim Gedanken an diesen Namen macht sich im Kopf ein Medley aus Dschinghis Khan und den Scorpions breit, die rot-bunten Türme am Roten Platz schießen empor und auf der Zunge macht sich ein alkoholischer Getreidegeschmack breit.

Die besten Pelmeni in Moskau bei Lepim i Warim

Auf eine Weise ist jede Metropole mit Klischees aufgeladen, aber nur wenige auf Paris-Level. Moskau schon. Und wer im Januar sowieso in Berlin wohnt, kann auch ein paar Tage nach Russland, denn auch Tapetenwechsel von meteorologischen Alpträumen sind bisweilen angenehm. Und zeigen Städte auf eine ziemlich authentische Art. Da liegen dann zum Beispiel nach elf Uhr abends Menschen vor dem Roten Platz, weil die Kombination aus Vodka und Glatteis eine ist, der man am besten in Mantel und Mütze aus Echtpelz begegnet. Hat man hier verstanden – und bleibt liegen.

Moskau, das ist – neben Paris, wohlgemerkt – der Ort, dem es egal ist, wenn man Ausländer und somit der Landessprache nicht mächtig ist. Immerhin sind hie und da bunte Bilder in Karten abgedruckt, auf die man deuten kann. Hilft bei Pelmeni, den russischen, gefüllten Teigtaschen, nicht. Bilder gibt es trotzdem.

Wo wir gerade bei der Sache sind – um die besten Pelmeni in Moskau zu finden, sollte man bei Lepim i Warim vorbeisehen und unter den zehn verschiedenen Pelmeni-Arten wählen. Selbst unter den Moskauer Köchen genießt der Pelmeni-Spezialist den besten Ruf, und so gibt es mittlerweile vier Niederlassungen in Moskau, zwei in St. Petersburg, eine in Krasnodar und eine in Kasachstan. Den Grund dafür versteht man spätestens, wenn man die Pelmeni mit der Königskrabbenfüllung bestellt. Und weil eine Reise nach Moskau so lehrreich ist, versteht man nach dieser Ration auch, dass der Mensch Vodka trinken muss.

Generell lässt sich sagen, dass Kreditkarte überall geht und rauchen nirgendwo. Das war vor einigen Jahren, als selbst in der Kleiderboutique noch der Zigarettendunst im Raum stand, anders. Überhaupt ist es erstaunlich sauber in Moskau, aber wer einmal von einem bewaffneten Militär am aufgebahrten Lenin vorbeigescheucht wurde, kann sich auch vorstellen, dass man dort ungern sein Eispapierchen fallen lässt.

Liebe schmeckt wie Kaviar | Moskau | Juliane Reichert | Photo Credit: Mitzva Bar

Liebe schmeckt wie Kaviar | Moskau | Juliane Reichert | Photo Credit: Mitzva Bar

Von Heiratsanträgen im Holy Land

Wie auch überall sonst auf der Welt, trinkt der Russe dieser Tage gerne handwerklich hergestelltes Bier. Mit über 20 regionalen Bieren vom Fass, außerdem Zupfbrot mit Käse und – wenn man richtig lieb guckt – einem Shot Vodka aufs Haus, kann man im Podozritel’nyye Litsa ausgezeichnet die kalte Jahreszeit vergessen. Kurz zum Begriff “Shot”: der hat herzlich wenig mit dem hier üblichen „Kurzen“ zu tun; eher mit der Größe eines kleinen Leitungswassers. Auf Ex wird er dennoch getrunken.

Nicht so witzig finden die Russen es übrigens, wenn man die Geschlechtertrennung auf der Gästetoilette miss- oder gar uminterpretiert. Auch, wenn vor der Damentoiletten sehr lange Schlangen sind, die Männertoiletten hingegen frei sind. Nicht machen, echt nicht.

Schwer zu empfehlen ist hingegen die Mitzva Bar, nahe des Roten Platzes und dafür nicht einmal so teuer, dass Herzrhythmusstörungen notwendig wären. Die jüdische Bar serviert ausgezeichnetes Essen im kunst- und geschmackvoll gestalteten Kellergewölbe. Die Bartender sind für Moskauer Verhältnisse außerdem so freundlich, dass die Nachfrage ob eines weiteren Drinks sich plötzlich wie ein Heiratsantrag anhört. Ja klar, also nein … doch! Schwer zu empfehlen ist der Holy Land, mit Amba-Sauce und Balsamico.

Im Zweifel für Vodka

Wenn man es nun macht, wie Klaus Meine sagt, und der Moskwa entlang des Gorki Parks folgt, findet man da die Lure Oyster Bar. Mit sieben verschiedenen Austern, den Standarddrinks und einer ansehnlichen Weinliste, sollten die Gourmets auf Russlandreise hier einen Stop machen. Auch einfach, um beim Schlendern durch den Gorki Park für einen kurzen Moment Dschingis Khans Zeilen aus dem Kopf zu kriegen. “Liebe schmeckt wie Kaviar, Mädchen sind zum Küssen da, ha ha ha ha ha – hey.” Wobei, manche Austern werden mit Kaviar serviert, da wird das Eis dann kurz dünn.

Ob man sich das GUM, das größte Warenhaus Europas und heute ein Einkaufshaus direkt am Roten Platz, zumuten möchte, kann man sich frei überlegen. Die Kantine unterm Dach bietet eine breite, aber grauenhafte Auswahl authentisch russischer Küche zu winzigem Preis. Lohnend für die Kuppel und das Ausmaß an kulinarischen Abgründen, ist das Kaufhaus zweifelsohne ein Muss. Ganz gleich, was man sich aus dem Stolovaya 57 einverleibt – unserer Reisegruppe ging es danach geschlossen zum Kotzen. Und im Nachhinein hätten wir gern mit mehr Vodka nachgespült. Ha ha ha ha ha – hey.

Photo credit: Mitzva Bar Moskau

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