Englhof: „Flügerl“-freie Zone im Zillertal

Bars 16.10.2015

Bei den Nominierten der MIXOLOGY BAR AWARDS zählt der Englhof zu den Stammgästen. Im kleinen Zell am Ziller geht Andreas Hotter seinen Weg abseits der Städte.  Ein Tiki-Vulkan in der klassischen Holzstube? Warum nicht. Aber bitte die Hausregeln beachten!

Kaum entsteigt man der putzigen Zillertal-Bahn, die alle zwei Minuten einen Stop einlegt, hat man auch schon ein Update in Sachen Bar-Gossip aus Singapur erhalten. Wenige Minuten mit Andreas Hotter reichen, um jeden Anfangsverdacht von wegen „hinter den sieben Bergen“ zu zerstreuen. Der Whisky-Sammler und Bartender ist bestens informiert und die technische Ausstattung der Englhof-Bar hat sogar schon Kollegen inspiriert, sich doch auch den Gläser-Froster zu besorgen, den der Englhof verwendet. Eine Ahnung formt sich im Gästehirn: So harmlos die Holzstube im Hotel auch aussehen mag — hier wird großes Kino geboten.

Cola-Rum verdirbt den Charakter

Was neben den Drinks auch bei den Dialogen gilt: „Sie sind Gestüts-Besitzer?“ –„Interessant. Aber Cola-Rum serviere ich dennoch nicht“. Auch wenn die – wahre – Geschichte vom so reichen, so schönen und mit zwei Russinnen am Arm an der Bar aufgepflanzten Gast einen ziemlichen Facebook-Wirbel nach sich zog. „Sie gehen ja auch nicht ins Steakhouse, um etwas Vegetarisches zu bestellen“, zieht Hotter eine Analogie. Die erste Seite seiner Barkarte listet auf, was es alles nicht gibt an der Englhof-Bar. Ja, das kann man als Arroganz auffassen. Doch Hotter, der 2008 mit der Cocktail-Mission begonnen hat, beteuert, dass es um Selbstschutz geht. In einem Skiort wie Zell am Ziller denken Gäste halt immer noch an warme Shots, Energydrinks und Tanzen am Tisch. Auch, wenn der Kopf sich dreht — den Stand stabilisiert eh der Skischuh. „Missverständnisse gab es zu Beginn, was diese Gäste und was wir unter Bar verstehen“, so Hotter knapp.

Denn bis 2008 diente die Bar eben tatsächlich als Ort des Aprés Ski klassischen Zuschnitts und als Refugium der Hotelgäste. Mit der Gastronomie und dem Hotel hatte immerhin schon Hotters Großvater begonnen, der bereits zuvor am Ufer der Ziller tätige Wirt namens „Engl“ blieb einfach als Namensgeber erhalten. 30 Zimmer vermieten die Hotters heute, doch der Großteil der Bargäste – „70 Prozent“, schätzt der Hausherr – kommt von außerhalb.

Hommage an Halls Diana Bar

Andi Hotters Verständnis von Gastfreundschaft wurde von einem Mann geprägt, der weit über Tirol hinaus zu Legende wurde. Mit den Worten „mein Mentor“ zaubert er in Sekundenschnelle eine alte Karte der von Franz Steinmayr geführten Diana Bar in Hall aus der Schublade. Sie erinnert an den zu früh verstorbenen Tresen-Sir mit seinen unglaublichen 6.300 Spirituosenflaschen. Für die Bar hatten ihn schon einsame Stunden als „Wirtshauskind“ prädestiniert, in denen er die Mix-Bücher der 1970er wälzte. Dass es noch mehr als die Schirmchen-Drinks aus den Kompendien der Hotelbibliothek gab, spürte er in der Hotelfachschule. Sicher wusste Hotter es in der „Diana“. Und so ist der „Doge“, eine Kreation Steinmayrs, auf der Barkarte eine stille Hommage an diesen Tiroler Vorfahren der heute zeitgemäßen Mixologie.

Tiki in Tirol, Pre-Dinner als Wettbewerb

Beim Angebot geht man allerdings ganz eigene Wege. „Wir haben viele Fahrer bei uns, und auch die vielen Schüler aus der Hotelfachschule bekommen keinen Alkohol“, erklärt sich der hohe Verbrauch an Ginger Beer, selbst gemachten Limonaden und Eistees. Der junge Vater mottet zum Ende des Sommers gerade die Tiki-Karte ein, die von zwei Eigenkreationen nebst den Klassikern des Genres geziert wird. „Wenn Du in Flip-Flops und mit der Sonnenbrille auf der Terrasse sitzt, passt das einfach super dazu“, bricht Hotter eine Lanze für die Tiki-Karte in den Alpen.

Noch intensiver nimmt man sich des Themas Pre-Dinner-Drinks an. Still und präzis schenkt Daniel, der Bartender aus dem Thannheimer Tal, eine noch namenlose Martini-Variante ein, die gerade getestet wird. Wöchentlich gibt es fünf dieser alkoholärmeren Aperitif-Cocktails, ein Wettbewerb unter den Kellnern sorgt dafür, dass diese auch wirklich gern geordert werden. 12% des Gesamtumsatzes im Hotel werden mit Spirituosen gemacht — ein Wert, der so manchen F&B-Manager wohl sofort die Reise ins Zillertal buchen lässt.

Denn der 33jährige Hotter gibt das Barwissen auch gerne weiter, soeben hat einer seiner ehemaligen Innsbrucker Schüler in der Zürcher „Clouds“ begonnen. Und vielleicht entstehen ja auch anderswo in den Alpentälern mixologische Zellen. Andreas Hotter jedenfalls hat bereits eine Whisky-Sammlung wie sein Mentor angelegt. Die Dimensionen von Franz Steinmayrs Kollektion hat sie zwar noch nicht. Einen Raum füllen die Bourbons und Malts des Englhofs aber locker.

Bar im Englhof

Zellbergeben 28, A-6277 Zellberg

Täglich: 16–1 Uhr

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Ja

englhof.at

Photo credit: via Bar im Englhof

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