Bars in Prenzlauer Berg. Das LSD-Viertel.

News 3.9.2011 7 comments

MIXOLOGY ONLINE macht sich auf den Weg nach Prenzlauer Berg. Neugierig, was das LSD-Viertel um den Helmholtzplatz in Sachen Bars zu bieten hat. Auf dem Plan stehen drei Bars, die der Reihe nach abgeklappert werden sollen und auf ihre Qualität, ihr Design und ihre Stimmung getestet werden.

Der Anfang geschah in einer Bar, die schon mit ihrem Namen aus der Reihe tanzt. Wohin gehen wir? Wir gehen „zu mir oder zu dir“!

Die Bar „Zu mir oder zu dir“ befindet sich in der Lychenerstrasse, einer sehr belebten und bewirteten Meile im Kiez. Die Inhaber der Bar besitzen gleichzeitig auch den „Süss war gestern“ Barclub in Berlin-Friedrichshain. Während dieser den Ruf hat, dass es gerne mal laut und wild wird, eilt dem „Zu mir oder zu dir“ ein sehr gemütlicher voraus.

Der Abend ist noch jung, vielleicht zu jung? Nein, schon 50 Meter vor dem Ziel wird klar, dass der Laden offen ist, denn das Lichtspiel, welches wir bald bewundern werden, wirft seine Vorboten weit auf den Bürgersteig hinaus. Vor der Tür angekommen, wird noch einmal gecheckt – ein Blick aufs Schild – ja, hier ist es.

Mini Watergate

Wir treten in eine farbenfrohe und formenintensive Welt ein. Sofas und Loungegestühl bis in die hintersten Ecken. Die durchschnittliche Kopfhöhe wird auf einen Meter geschätzt, sodass der Eintretende zum Riesen wird. Es ist ein einziger grosser Raum, der nur durch einen leicht verlängerten Winkel zu zwei Bereichen wird. Doch das Interieur ist einheitlich auf die gesamte Fläche verteilt. Die Bar ist orange. Ein angenehmes, warmes Licht umgibt die Gästeschar. Die Wände sind mit grossen und anziehenden Bildern beschmückt.

Auf der einen Seite wird geknutscht und eine Bildstrecke von staunenden Menschen hängt dem afrikanischen DJ-Bild aus den 60er-Jahren gegenüber. Die Wände, die nicht mit grossen Bildern abgedeckt sind, haben als Ersatz eine aus Plastik gestaltete formenreiche Maske inhaliert, in der sich das Licht entropisch widerspiegelt. Es erinnert an die Molko Plus Bar aus dem Buch Clockwork Orange, einfach ohne Bier spendende Frauenbrüste und ohne LSD angereicherte Milch auf der Karte. Und eben orange, statt weiss. Was genau die Parallelen sind, kann nicht gesagt werden, doch sie existieren.

Der gesamte Raum wird von einem DJ bespielt, der hinter den Plattentellern vor der Fensterfront steht. Hinter seinem Kopf hängt eine farbig leuchtende Lampenplatte – Mini-Watergate – und die angenehmen, sich den Gesprächen unterordnenden Elektrobeats dröhnen nicht aus Boxentürmen, sondern aus Lautsprechern, die mit Grösse und Leistung von Computerboxen auf dem Bürotisch gleichziehen.

Couchdrücker-Atmosphäre

Es ist also so richtig gemütlich hier. Ein Erschöpfter würde in den bequemen Sitzen glatt einschlafen, wenn da nicht Trick 7 der Gastronomie angewandt worden wäre. Der Trick heisst Selbstbedienung und Pfandsystem. Auf diese Art wird der Schlafstimmung vorgebeugt. Und das ermöglicht auch einer einzigen, ziemlich hübschen Barlady, die gesamte Kundschaft alleine hinter einem kleinen Tresen zu bedienen. Dass sich der Durst erst nach dem Marsch an die Bar löschen lässt, macht fit und hält wach zugleich.

Auch das Angebot wird einfach gehalten. Neben einer Liste von 20 Cocktails, die von White Russian über Whisky Sour bis Pussy Food reichen, werden rund 14 verschiedene Flaschenbiere angeboten. Nichts Aussergewöhnliches, doch genau nach Gusto der breiten Masse. Und die ist auch an diesem Abend hier versammelt. Ein durchmischtes Publikum zwischen 20 und 40. Deutsche in einer Ecke, eine Runde aus Spaniern, Italienern und Dänen in der anderen. Sauberes Deutsch-Deutsch mischt sich mit gebrochenem Weltenbummlerenglisch. Diese Bar bietet sich für die gesamte multikulturelle Einwohnerschaft Berlins an.

Nach zwei Bier und einem Cuba Libre wird es Zeit, weiterzuziehen, bevor uns die politischen Gespräche und die couchdrückende Atmosphäre ganz einnehmen. Beim Hinausgehen wirkt man noch grösser als beim Eintreten, denn die Köpfe scheinen, um weitere 20 cm nach unten gerutscht zu sein.

Raus aus der rauchenden Stube, rein in die frische Abendluft, bereit die zweite Etappe in Angriff zu nehmen.

7 comments

  1. jan

    hallo florian,
    ich staune, dass du nicht becketts kopf (http://www.becketts-kopf.de/) in der pappelallee ausprobiert hast. gehört auch noch zum lsd/helmholtzkiez und ist meine lieblingsbar um die ecke.
    beste grüße,
    jan

  2. egalchen

    sidecare mit einem e

  3. egalchen

    M_l_k_ dafür mit viel o

  4. redaktion

    Gibt es inhaltlich noch intelligentes zu Vermelden? Danke für die Beckmesserei.

  5. redaktion

    Lieber Jan,
    das Becketts Kopf spielt nach Meinung von Mixology ganz oben in der Champions League der Cocktailbars mit. Ich selber habe mich auch schon von den Künsten des Barchefs überzeugen lassen. Erste Klasse.

    Die Pappelallee gehört in der Tat zum Helmholtzkiez, doch ist das LSD-Viertel meines Wissens nur ein Teil davon und definiert sich ausschliesslich über die drei namengebenden Strassen (Lychener, Schliemann und Duncker) und den Helmholtzplatz, in den sie münden.

    Freundliche Grüsse
    Florian

  6. andreas

    hi florian,

    dein bericht über das LSD-viertel deckt sich mit meiner erfahrung, dass der helmholtzplatz in punkto qualität seit jahren brachliegt. anfang 2000 konnte man als berliner dort noch genießen gehen – mittlerweile ist alles zur billigen tourigastro verkommen. vor allem in punkto personal und knowhow komplette wüste dort, aber das weiß man als einheimischer ja schon lange.

    als tipp kann ich dir aber den kleinen barkiez in der sredzkistrasse ecke prenzlauer allee empfehlen. das dreieck aus june-bar, perle und saphire lounge bietet gute qualität, interessante cocktails und lädt zum streifzug durch alle 3 bars ein.

    viel spaß!

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