BREWDOG BERLIN – KEIN SCHERZ!

Bars 8.10.2015 2 comments

Es wurde in den letzten drei Jahren zum Running Gag der Berliner Bierwelt: die Eröffnung der ersten BrewDog-Bar Deutschlands. Doch jetzt wird es ernst für Dean Pugh.  Denn der zukünftige Barmanager zog unlängst nach Berlin um und wurde von MIXOLOGY ONLINE prompt zum Gespräch eingeladen.

Dass es ausgerechnet in Berlin, einer der Lieblingsstädte des BrewDog-Mitbegründers James Watt, so lange dauern würde, bis die ersehnte Bar endlich ihre Pforten öffnet, überrascht womöglich. Immerhin hat die größte moderne Craft-Brauerei Europas bereits 23 Pubs auf den britischen Inseln sowie 11 internationale Filialen und expandiert weiterhin fleißig. Kennt man jedoch die Begeisterung in den Gesichtern deutscher Vermieter, wenn bei der Nutzung der Gewerbefläche das Wort „Pub“ fällt, so schwindet diese Verwunderung rasch. Und tatsächlich war es hauptsächlich die Suche nach einer geeigneten Immobilie, die das Unterfangen so absurd in die Länge zog.

Nun ist diese Lokalität gefunden — auch, wenn sie zuvor erst gebaut werden musste: Ackerstraße 29, Ecke Invalidenstraße. Damit schreitet die biertechnische Belebung des Gebiets rund um die Torstraße in Berlin-Mitte voran, denn sowohl das skandinavisch inspirierte Kaffee- und Bierhaus Kaschk als auch die belgische Bierbar Herman und The Pier, das neue Projekt von Holger Groll (ehemals Chicago Williams) und Donald Burke (vormals The Bird) befinden sich in Laufreichweite und laden zu Pub Crawls für anspruchsvolle Biertrinker ein.

Karriere hinter Zapfhähnen

Dean Pugh (30) blickt auf mittlerweile 12 Jahre Erfahrung mit Bierbars zurück. Zunächst für die Wetherspoon-Kette, dann für Mitchell’s Hotels und schließlich für BrewDog in Manchester und London/Shepherd’s Bush.

„Begonnen hat bei mir alles zu Studentenzeiten, als ich mir nebenher Geld hinter dem Tresen eines Real Ale Pubs verdiente.“ berichtet Pugh. Für in der englischen Bierkultur Unbewanderte: Als Real Ale bezeichnet man auf der Insel traditionell handgepumpte Biere mit lebender Hefe im Fass. „Meine Familie hatte lange Zeit wenig Positives über meine Tätigkeit zu sagen.“ fährt Pugh fort. „Es sei keine richtige Arbeit, hieß es öfter. Erst als ich zunächst nach London und nun nach Berlin zog, um als Barmanager tätig zu werden, wich die Skepsis allmählich. Man kann sich eben auch hinter dem Zapfhahn eine Karriere aufbauen, obwohl ich in der letzten Zeit im Sheperd’s Bush nicht allzu viel Zeit im direkten Kontakt zu den Gästen verbracht habe. Das wird in Berlin wieder anders, darauf freue ich mich riesig.“

Sonderfall Berlin

Und was wird in Berlin noch anders? Zunächst einmal, dass BrewDog Berlin die erste unter den internationalen Bars wird, die komplett von BrewDog selbst betrieben wird, also ohne Hilfe eines lokalen Partners. Außerdem wird ein Bottle Shop angeschlossen, der sich in die wachsende Zahl von Bierfachgeschäften in der Hauptstadt einreihen wird. Die sagenhaften 30 Zapfhähne mögen nach englischen Maßstäben nichts Besonderes sein, in Berlin jedoch zapfen die BrewDogs damit ganz vorn mit, sogar jenseits der Vielfaltskönige vom Hopfenreich oder dem Castle Pub. Die Zapfhahnzahl zu erhöhen, gewissermaßen als Pferdestärken der Bierbar-Welt, scheint eine Art flüssiges Wettrüsten geworden zu sein – dem Konsumenten wird’s recht sein.

Laut Pugh bemüht man sich dabei um eine Aufteilung von 50/50, die Hälfte der Hähne soll also „Gastbieren“ offen bleiben. Dabei denkt man ebenso an englische und internationale Craft-Größen wie an deutsche Stile und lokale Biere. „Mir fehlt hier noch ein wenig eine breitgefächerte Repräsentation deutscher Stile vom Hahn. Ich liebe Rauchbier, aber es ist ziemlich schwierig, mal eines vom Fass zu bekommen.“ so Pugh. Auch die Preise sollen nicht allzu sehr von dem abweichen, was für bierpreisverwöhnte Deutsche erträglich ist – ein „Fünfer“ für den halben Liter Punk IPA, das bewegt sich im (Tor-)Rahmen.

Punkoffensive

Zusätzlich zur Bar arbeitet BrewDog auch an einer eigenen Distribution, nicht nur um die Versorgung der Bar sicherzustellen, sondern auch, um die Verfügbarkeit der Biere in Deutschland und ganz Europa zu erhöhen. Ab 2016 kann man hier mit verstärkten Bemühungen rechnen. Neben Stone Brewing erkennen offenbar auch andere Big Player der Craft Beer-Welt die zentrale Lage Berlins in Europa als günstigen Ausgangsort für die Eroberung des Kontinents.

Moment! 2016? Soll das etwa heißen…? Genau, der angestrebte Eröffnungsmonat ist Dezember 2015. Und das ist auch kein Witz, Mister Pugh? „Die Leute schauen mich immer noch komisch an, wenn ich davon spreche. Aber ich wohne jetzt hier, wir suchen Personal und werden dieses nach den selben, hohen Standards ausbilden auch sonst wie bei BrewDog üblich. Ich arbeite Vollzeit an der Fertigstellung der Bar. Etwas zu viel Aufwand nur für einen Streich. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um noch dieses Jahr zu öffnen.“

Die 2007 gegründete Brauerei steht also endlich ernsthaft vor dem Sprung nach Deutschland, und die Bezeichnung der Bar („Berlin Mitte“) in der offiziellen BrewDog-Liste lässt vermuten, dass es im Falle eines erfolgreichen Pilotprojektes nicht bei nur einer Filiale bleiben wird.

BrewDog Pub Berlin

Ackerstraße 29, 10115 Berlin

M8 Pappelplatz

Noch unbekannt

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Nein

Photo credit: D. Pugh via S. Liewehr

2 comments

  1. Juergen

    Da können wir Franken nur lachen:
    5,- für eine Halbe?
    Rauchbier vom Fass für 2,50 gibt’s hier überall.
    Dennoch viel Spaß mit dem Projekt!

  2. Dirk Hoplitschek

    Lieber Jürgen,

    Dass in Franken andere Regeln gelten, ist Bierkennern ohnehin bewusst. Auch, dass Rauchbier in seiner primären Produktionsgegend günstiger ist, sollte nicht überraschen. Für die bei Touristen sehr beliebte Gegend um die Torstraße, wo die Miete für Gastronomen mit Sicherheit nicht billig ist, sind 5 Euro für ein Bier mit vergleichsweise hohem Rohstoffeinsatz (Craft-IPAs liegen allein im Hopfenverbrauch beim 10-30fachen durchschnittlicher Pilsener) zwar kein Schnäppchen, aber mit Sicherheit akzeptabel.

    Die Preispolitik wurde auch nur erwähnt, weil es diesbezüglich viel Spekulation gab. BrewDog braut nicht in Deutschland, also gab es die Befürchtung horrender Preise.

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