Christian Balke, Markenbotschafter!

Bars 2.9.2016

Im vergangenen Oktober wurde Christian Balke bei den MIXOLOGY BAR AWARDS zum „Brand Ambassador des Jahres“ gekürt. Viele Gläser kubanischen Rums später ist es Zeit zu resümieren. Mit uns sprach er über persönliche Motivation, die Aufgaben eines guten Markenbotschafters, Stadionbratwurst und Bananen.

„Das ist kein normaler Job“, sagt Christian Balke. Und meint damit sein eigenes Metier. Als Brand Ambassador für Havana Club hat er alles andere als einen schnöden Nine-to-Five-Job. Und das sei auch gut so. Aber was ist ein Markenbotschafter überhaupt? Jemand mit vollem Reisepass, dickem Spesenkonto und tiefen Augenringen, wie das Rollenbild oft verzerrt aussieht? Mitnichten. Christian fasst es in zwei Worte: „Nie Zuhause“, und lacht.

Zuverlässigkeit, Netzwerken und Versprechungen

Das sage eigentlich schon alles aus. „Man ist Einzelkämpfer auf seinem Gebiet und die Republik ist ja doch ganz schön groß“, führt er weiter aus. Da ist Reisen natürlich ein Thema. Wer seine Sache in der Branche dann gut machen möchte, müsse daher nicht einmal ehemaliger Top-Bartender sein – aber ein großes Netzwerk haben. „Man sollte ein paar Leute aus der Gastronomie kennen, sich in der Barlandschaft und vor allem auf seiner Marke auskennen“, erklärt er. „Bei den vielen fachlich enorm gebildeten Bartendern heutzutage kannst du in deinen eigenen Vorträgen nicht auch nur ein bisschen unvorbereitet sein.“

Brand Ambassador sei einer der wenigen Jobs, die man wirklich nur mit Leidenschaft gut machen könne und für eine Marke, hinter der man auch wirklich stehe. „Ansonsten funktioniert das einfach nicht. Man selbst kann sich nicht motivieren, nicht die nötige Kraft aufbringen und wird schnell unglaubwürdig. Das wichtigste ist aber“, fügt Christian hinzu, „dass man zuverlässig ist. Das gilt nicht nur für den Markenbotschafter, sondern auch für alle Außendienstler, Vertriebler, Brand Activation Manager und wie die Positionen heute auch heißen.“

Im Umkehrschluss kommt man so schnell zu dem Punkt, was man als „Gesicht einer Marke“ alles falsch machen kann, erklärt er weiter. „Gerade am Anfang rennt man sehr motiviert los, durch die ganze Republik, und alle wollen etwas von einem. Man selbst will überall sein, es allen gerecht machen und geht dann vielleicht zu schnell Versprechungen ein, die man nicht halten kann.“ Das sei der größte Fehler. Schließlich läuft in dem Sujet vieles auf Beziehungsebene und basiert in großen Teilen auf einem Vertrauensverhältnis. Wenn dieses durch unhaltbare Versprechungen ramponiert ist, wird es schwer. Und außerdem, schmunzelt der Brand Ambassador des Jahres, schade es nicht, wenn man in gewisser Weise auch ein bisschen sympathisch sei. „Wenn du ein wirklich authentischer Typ bist, kommt der Rest eh von fast allein.“

Wohin des Weges

Christian selbst ist dabei ein Quereinsteiger. Er studierte Sportwissenschaften, machte eine kaufmännische Ausbildung und wollte ja eigentlich mal im Fußballbereich einsteigen. Die Spirituosen waren damals noch ein Hobby, aber die Liebe zum Rum bereits groß. An den Barschulen in Rostock und München vertiefte er als Connaisseur sein wissen, lernte den Shaker zu greifen und hält seine Bar- und Tresenerfahrung seither mit Gastschichten und bei Veranstaltungen, Pop-Ups und Messen immer frisch. Im Jahr 2007 kam er dann zu Pernod Ricard, war zunächst Promotion Leiter im Ruhrgebiet und verantwortete danach Events und Sponsorings für Havana Club. Eine glückliche Fügung, denn „gleich bei meiner ersten Reise nach Kuba, als ich noch nicht einmal Brand Ambassador war, hab ich mich in Land und Leute und den Mythos Havanna verliebt.“

Seit gut fünf Jahren nun kümmert er sich als Markenbotschafter für den kubanischen Rum hauptberuflich darum, auch anderen diesen melassegebrannten Mythos näher zu bringen. Mit Schulungen, Workshops und Vorträgen zwischen Flensburg und Allgäu, Marketingarbeit im Kölner Büro und der Organisation von Academia del Ron und Edicion Talento ist der Terminplan also immer entsprechend voll. Und ein Ausgleich zwingend nötig.

Einfach mal gar nichts machen, lesen oder einen Film (mit Jugendheld Bud Spencer) schauen, sei da super. „Ansonsten“, so Christian weiter, „mache ich Sport, fahre Motorrad, gehe Angeln und wirklich gerne ins Stadion zum VfL Bochum. Das könnte ich eigentlich den ganzen Tag lang“, grinst er. Außerdem ist Reisen ein essentieller Teil seines Lebens. „Ich schaue mir einfach gerne die Welt an, besonders Asien hat es mir angetan.  Auch der Malecón von Havanna ist ein ziemlich cooler Ort“, erklärt er und fügt grinsend hinzu: „Aber am schönsten ist es dann doch noch zu Hause.“

Botschafter für Bananen

Und wenn das tropische Fernweh doch mal wieder größer wird, ist da ja noch die Sache mit den Bananen. „Das“, lacht Christian, „hat irgendwann so eine ganz merkwürdige Eigendynamik entwickelt.“ Denn eigentlich war es einfach nur eine lustige Idee, auf die er und Meimi Sanchez irgendwann einmal bei ein paar Drinks kamen. „Wir haben uns überlegt, was einer dieser Klassiker aus den Achtzigerjahren ist, der nirgends mehr auftaucht, uns aber trotzdem schmeckt und ein geiler Drink ist,“ erinnert er sich. Die Wahl fiel schließlich auf den Bananen-Daiquiri. Und mit sportlichem Ehrgeiz beschlossen beide, zu schauen, wie weit sie ihn durchs eigene Barnetzwerk wiederbeleben können.

„Wir haben ihn überall gemixt und bestellt“, fährt Christian fort. „Und irgendwann fingen dann alle an, auf sehr hohem Niveau mit Bananen zu Mixen. Das war natürlich super interessant zu sehen, zumal die Idee nie ganz ernst gemeint war.“ Übrigens ebenso wenig wie das Liebäugeln mit neuen Herausforderungen. „Vielleicht“, scherzt Christian noch, „werde ich ja irgendwann mal Markenbotschafter von Chiquita!“

Nur ob es im Obstgeschäft auch Awards gibt, bliebe zu klären. Denn einen zu gewinnen, sei schon super. „Als ich da letztes Jahr im Hyatt saß und mein Name fiel, ist mir im ersten Moment fast das Herz stehen geblieben. Ich habe mich tierisch gefreut“, erinnert sich der „Brand Ambassador des Jahres“ zurück. Überbewerten wolle er seine Trophäe aber nicht. „Es ist einfach eine tolle Sache, weil es eben aus der Szene kommt. Und natürlich ist es eine großartige Anerkennung, wenn man nominiert ist und eine riesige Motivation, wenn man gewinnt. Aber mein alltägliches Leben hat sich dadurch natürlich nicht grundlegend geändert.“ Wenn es dieses Jahr wieder mit einem der begehrten Awards klappen sollte, freue er sich natürlich sehr. Ohne Frage. „Aber“, sagt Christian, „ich gönne es jedem auf der Liste von Herzen, weil ich weiß, wie kräftezehrend dieser Job sein kann, und dass ihn alle auf der Liste mit Leidenschaft machen. Ich ziehe meinen Hut vor den Kollegen.“

Bochumer Jungs

So bleibt zum Schluss eigentlich nur noch eine grundlegende Frage: Also Hand aufs Herz! Deutsches Bier oder kubanischer Rum? „Ich komme ja aus dem Pott, daher kommt an erster Stelle wohl immer noch das ehrliche Pils und gleich an zweiter Stelle der Rum“, gesteht Christian und verrät im gleichen Atemzug, wie gut man beides kombinieren könne. „ Meimi Sanchez und ich haben den Shaquiri erfunden. Dafür trinkt man sein Pils halb leer und kippt anschließend seinen Daiquiri ins Bierglas. Das Ganze ist dann wie ein Radler, funktioniert super und schmeckt erstaunlich geil.“ Im Kölner Suderman hat es diese verwegene Mischung sogar auf die Karte geschafft.

Und auch außerhalb der Domstadt trinkt es sich wunderbar. Dann „gerne, aber leider viel zu selten im Pacific Times in München.“ Allein schon des Tatars wegen. „Aber“, sagt Christian, „eine Aufzählung soll es ja gar nicht werden, da vergisst man immer jemanden.“ Vielmehr gehe er schlichtweg gern dort trinken, wo man nett ist und ehrliche Arbeit leistet. „Ich bin schließlich gerne auch einfach mal nur in der Kneipe, trinke Bier und spiele Karten. Ganz ohne Chichi.“

Oder natürlich im Stadion beim VfL. Dann gibt es Fiege Pils und wirklich leckere Bratwurst. Letztere ist übrigens die „Echte” von der Fleischerei Dönninghaus, preisgekrönt und auch international ein Aushängeschild. Ganz anders als der VfL also. Ob Bochum denn wenigstens diese Saison den Aufstieg schafft? – „Darüber reden wir nicht.“

Photo credit: Foto via Ava Celik.

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