Kölner Klüngel für Kapstadt: World Class 2015

Bars 13.6.2015

Die Kostüme blieben – ausgerechnet in der Karnevalstadt Köln – im Kasten: Das 2015er World Class-Finale für Deutschland und Österreich fokussierte wieder auf die Gastgeberqualitäten der Teilnehmer. Unter anderem mit einer Challenge, die sie Demut lehrte.

Die Bar war dreckig, richtig dreckig. Verranzte Servietten, leere Colaflaschen und volle Aschenbecher auf dem Tresen. Völlige Unordnung am Backboard, dazu Kartons, die den Weg zur Bar verstellen, das Ganze in flackerndes Discolicht getaucht. Dieses Szenario des Grauens für den Schichtbeginn war Teil des Bewerbs „Hospitality“, einer der drei Challenges beim deutschen und österreichischen Finale der diesjährigen Diageo World Class. Wie aus Sommelier-Wettbewerben mit fehlerhaften Weinkarten bekannt, ging es für die vier Österreicher und zwölf deutschen Bartender darum, möglichst viele dieser Störfaktoren zu entdecken und zu beheben.

Das Quäntchen Aufmerksamkeit: Worldclaus

A propos Fehler: Die Schreibweise „Worldclaus“ am Bar-Spiegel, eine Hommage an Jurymitglied Klaus St. Rainer (Goldene Bar, München), entdeckten nur zwei der Teilnehmerinnen. Nämlich Meike Zimmermann (Falk’s Bar, München) und Anna Lucia Schürmann (Galander, Berlin), die als Quer-Einsteigerin mit nur zwei Jahren Erfahrung diesen Bewerb sensationell gewann. Sie zeigten eindrucksvoll den Blick der Barfrauen für Details, während die männlichen Kollegen eher den DJ raushängen ließen oder sich um ihr Set up kümmerten.

Keine Drinks für den Richter

Ihnen passierte auch nicht der kapitale, aber mehrmals zu erlebende Lapsus, dass der seitlich neben Rainer und Gabriel Daun (Gekkos, Frankfurt) sitzende dritte Judge, InStyle-Redakteur Matthias Koth-Markgraf, übersehen wurde. Als „Mann, der keine Drinks bekam“ wurde er zum Running Gag des Finales, zeigte so aber auch den Tunnelblick manches Mixologen auf — und lehrte damit wieder eine gewisse Demut. Die 18-minütige Challenge zur Gänze bei Discolicht zu durchleben, kann man schließlich als Buß-Ritual betrachten — zumindest sah das die Jury so. Die Ehre der Herren rettete Perfektionist Philipp M. Ernst (Bar 67, Ischgl), der mit seinem Bar-Putz und den drei Drinks noch 16 Sekunden unter der erlaubten Zeit blieb.

Den „Theater Serve“ der Vorjahresfinali, der schon mal in Verkleidungsexzesse ausartete, wurde diesmal zugunsten des „Glamour Punch“ weggelassen. Da blitzten dann keine falschen Haarteile, sondern die Goldränder der Glasware, etwa bei Marco Arca (Ducktails, München), der einen aufwendigen Milk-Punch mit Kamille servierte. Goldstaub, Omas bestes Service und Cold Drips wurden aufgefahren. Dazwischen gab es mit Champagner, den Ben Koch (Eberts Bar, Wien) fließen ließ, auch eine willkommene Erfrischung für Alex Kratena (Artesian, London) und Bert Jachmann (Heuer, Wien), die zweiköpfige Punch-Jury. Die Einzel-Challenge gewann im „Little Link“ schließlich Marian Krause (Shake Kings, Köln), für Österreich schlug erneut Philipp Ernst zu.

Speed kills – Zittern im Savoy

Ben Koch flog dennoch nicht mit leeren Händen heim, er sicherte sich die „Speed and Taste“-Challenge, wie immer eine gefürchtete Runde. Die Divas-Bar des Hotel Savoy war der Schauplatz der von Stephan Hinz (Little Link) und Spike Marchant bewerteten Competition. „Diese Drinks sind mit Schweiß und Angst garniert“, brachte es Marchant zusammenfassend auf den Punkt. Denn selbst Deutschland-Winner Noureddine Elmoussaoui (The Parlour, Frankfurt) vergaß dabei um ein Haar, seinen sechsten Drink innerhalb der acht Minuten auch zu servieren.

Die Kapstadt-Jungs: Krause und Ernst

„Deutschland und Österreich – das ist heute wie der Eurovision Songcontest – nur dass es heute für beide Punkte gibt“, eröffnete Zeremonienmeister Spike Marchant die Bekanntgabe der Sieger gewohnt launig. Gemeinsam mit Alex Kratena verteilte er die sechs Trophäen der Einzel-Challenges. Die Starter bei der World Class in Kapstadt bat dann Diageo-Chefin Veronika F. Rost auf die „Cage“-Bühne: Der „Kölsche Jung“ Marian Krause, trotz seines jungen Alters mittlerweile einer der prominentesten deutschen Routiniers bei Competitions, sicherte sich den Sieg für Deutschland. Österreich wird Philipp M. Ernst im August in Südafrika vertreten. Zuvor wartet aber noch das Boot Camp in Spanien auf das Duo. Mit vielen neuen Challenges.

Photo credit: Bilder via Nils Krueger/Diageo

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