Ein Porträt. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Nicolas Kröger.

Bars 2.12.2013

Nicolas Kröger ist ein junger und aufstrebender Bartender, Connaisseur und ein Cosmopolit der Berliner Szene. Seine Reisen führten ihn nach York, London, auf die Malediven und nach Südafrika. In Deutschland trifft man ihn derzeit in der Berliner Bar Lebensstern.

Wie kamst du das erste Mal mit der Welt der Bars in Berührung?

Zunächst wollte ich den Beruf des Kochs erlernen, aber nach Zureden meines Vaters habe ich mich doch dafür entschieden, eine Ausbildung zum Hotelfachmann zu beginnen, um später mehr Alternativen und berufliche Optionen zu haben. Die erste Berührung mit dem Wesen der Bar hatte ich wohl mit dem ersten Versuch von eigenen Destillaten. Darüber hinaus wuchs das Interesse am Thema Bar durch mein persönliches Faible für Weine und Spirituosen.

Was ist dein beruflicher Werdegang als Barmann?

Begonnen hat alles mit der Ausbildung im Hotel Steigenberger. Danach hat es mich nach England verschlagen. In York war ich im Marriott Hotel tätig. Einige Zeit später fand ich mich im Ritz  Hotel London wieder. Um mehr Lebens- und Arbeitserfahrung zu sammeln, entschied ich mich dazu, auf die Malediven zu reisen, um ein Projekt für das One & Only Resort zu leiten. Um mein fachliches Profil noch runder zu machen, absolvierte ich später eine Butler-Schule in Südafrika.

Meine Reise hat mich dann doch wieder nach Deutschland, genauer, direkt nach Berlin geführt, da mir die „deutsche“ Arbeitsmentalität fehlte. Hinzukam auch, dass ich meine Erfahrungen und meine berufliche Entwicklung hier in Deutschland anwenden wollte. So führte es mich nach Berlin in die Salut Bar, in der ich als Barchef fungierte. Und nun freue mich darüber, Mitglied der Bar Lebensstern zu sein und mit Cordula Langer und Thomas Altenberger arbeiten zu können.

Für was interessiert du dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast du Hobbys?

Mein Leben dreht sich um Leistung und Perfektion. Daher brauche ich einen Ausgleich, der extrem ist. In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit Geschwindigkeit. Ich fahre gerne Motorrad, ein Hobby, das schon in frühster Jugend begann. Das ist das bisschen Rock’n’Roll, das ich brauche.

Was ist dein Lieblings-Cocktail?

Das hängt immer von der Stimmung und von der Tageszeit ab. Aber im Rahmen des Cocktails halte ich mich gerne an einen guten Daiquiri oder Manhatten. Als Vergleichspunkt und um zu sehen, wie Kollegen mit einem „einfachen“, aber nicht zu unterschätzenden Klassiker umgehen.

Was ist deine Lieblingsbar?

Eine sehr schwierige Frage, wie ich meine, weil auch das immer von verschiedenen Punkten abhängig ist. Wenn es um Serviceorientierung, Qualität und Kreativität geht, muss ich sagen, dass ich ein großer Fan der Beckett’s Kopf Bar in Berlin bin. Ansonsten bin ich auch noch ein großer Fan der Londoner Artesian Bar. In meiner Zeit in London habe ich mich dort immer wieder gefunden. Eine Spitzen-Performance. Allerdings spiegelt mein derzeitiger Arbeitsplatz mein Idealbild einer Bar wieder.

Was ist dein Lieblings-Club?

Die Zeiten, in denen ich nach der Arbeit in Clubs ging, ist vorbei. Irgendwie ist das einfach nicht mehr mein Ding.

Hast du Vorbilder im Barbereich, wenn ja welche?

Bezüglich des Mixens von Cocktails, ist mein Mentor schon immer Harry Glockler gewesen. Er hat mir die grundlegende Anwendungungen des Cocktailmixens beigebracht. Als Vorbild – für die Einstellung zur Arbeit – sehe ich aber meinen Vater Thomas. Er hat mir Werte vermittelt und mir beigebracht, was Disziplin ist.

Von welchen Bartendern würdest du dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Das ist ganz klar Harry. Ansonsten noch mein ehemaliger Kollege Mateusz aus der Salut Bar. Da er meine Vorlieben und meinen Geschmack kennt, weiß er was ich will und, vor allem, wie ich es will. Und natürlich meine sehr geschätzte Kollegin Cordula.

In welcher Situation würdest du eine Bar sofort verlassen?

Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als in einer Bar mit Arroganz und schlechtem Service konfrontiert zu werden. Wenn Gäste nicht respektiert und mit einer überheblichen Art und Weise bedient werden, ist das ein Grund für mich, eine Bar zu verlassen.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack?

In meinem Traum Speed-Rack steht ganz klar Plymouth Gin, ein sehr überzeugendes Produkt. Eine Flasche Konik’s Tail Vodka würde man darin auch noch finden. Diplomatico Blanco ist mein Favorisierter Rum. In die Welt der Whiskys tauche ich gerne ein mit Johnny Drum Bourbon oder einem klassischen 10-jährigen Talisker, wenn es ein Malt sein soll. Tequila ist schwierig. Das Thema Tequila ist vermutlich auch mein schwächstes Gebiet, allerdings ist mein favorisiertes Produkt der Ocho Tequila.

Wenn es allerdings Produkte gibt, von denen ich am häufigsten schwärme, sind es vermutlich die Produkte der Stählemühle aus der Hand von Christoph Keller. Das sind richtige „Craft“-Produkte.

Worauf hast du dich spezialisiert, was kannst du besonders gut an der Bar?

Ich versuche mich gerade an der Bar nicht nur auf einen Punkt oder ein Themenfeld zu beschränken. Die Balance zwischen Fachwissen und Service auf höchstem Level sind für mich am wichtigsten. Die Serviceorientierung und Gästepflege haben bei mir vermutlich den höchsten Stellenwert, daher habe ich auch die Butler-Schule besucht. Es ging mir nie darum, Butler zu werden. Vielmehr ging es darum, die höchste Form des Services zu erlernen.

Platzierungen bei Cocktail- oder Bartender-Competitions?

Ich habe erst an vier Wettbewerben teilgenommen. Für Maker’s Mark UK habe ich einmal den Preis für den besten Cocktail überreicht bekommen, allerdings habe ich den Wettkampf leider nicht gewonnen. Bei dem Appleton Wettbewerb in Großbritannien holte ich den Sieg und freue mich aber schon auf das kommende Finale in Berlin für Île Four Sake, da sehen sich ja einige wieder.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Mit Mitte 30 möchte ich eigentlich kein Bartender mehr sein, eigentlich möchte ich nur nicht mehr nachts hinter dem Tresen stehen. Ich könnte mir schon eine eigene Bar vorstellen. Allerdings ist mein großer Traum, selbst Destillate herzustellen. Wie mit dem geschenkten „Pott“ aus meiner Jugend. Ich habe schon als Jugendlicher versucht, meine Freunde mit Selbstgebrannten zu vergiften. Aber selber Herr über die Destille sein, dass könnte ich mir sehr gut vorstellen.

Was möchtest du anderen Bartendern mit auf den Weg geben?

Ich sehe viele großartige Bartender, von denen ich selbst viel lernen konnte. Ich bin jetzt selbst erst 23 Jahre alt. Allerdings sehe ich es problematisch, wie andere Bartender, dabei müssen diese nicht mal jünger als ich sein, mit dem „Erfolg“ durch die Industrie umgehen. Kollegen, die den  gleichen Beruf ausüben, führen sich auf wie Rockstars und tragen auch diese Arroganz mit sich, die im Dienstleistungsgewerbe gar nichts zu suchen hat. Niemand wird ihnen ihren Erfolg nicht gönnen, jedoch wäre etwas mehr Bescheidenheit und „Down to earth“-Attitüde nicht verkehrt.

Ich danke dir für das Gespräch Nicolas!

 

Bildquelle: Bernd Brundert

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