Mixology: Magazin fur Barkultur

Fabisch Bar & Restaurant in Berlin

Bars 17.11.2008 2 comments

Bei all der Reisetätigkeit, die unser Medium mittlerweile einfordert, komme ich oft gar nicht mehr dazu, ins Berliner Nachtleben einzutauchen. Daher nutzte ich das letzte Wochenende, um endlich mal wieder verschiedenen Tresen meine Aufwartung zu machen. Am Samstag war eine ausgedehnte Runde mit Reingold, Tausend, Rum Trader, Victoria Bar (und dann noch mal Tausend und zwar Sonnenaufgangs-lang!) an der Reihe. Ein Highlight des Abends war die Darbietung des Badnerliedes in den hehren Räumen des Rum Traders, woraufhin sich 2/3 der Gäste als in irgendeiner Form Baden-Württemberg zugehörig erklärten. If you can’t beat them, join them! 😉

Dieser Blogeintrag soll sich allerdings mit dem Freitagabend befassen. Mit cocktailerfahrenem Besuch aus Frankfurt machte ich mich auf, erstmals die Räume des neuen Fabisch zu besichtigen. Das Fabisch ist der gastronomische Teil des neuen Circus Hotels am Rosenthaler Platz. Schräg gegenüber auf der anderen Seite des Platzes liegt das Circus Hostel, aus dem das Hotel auch hervorging. Laut Barmanager Jared Goldman (rechts im Bild) kann man jetzt der bestehenden Klientel eine größere Zahl an Ein- und Zweibettzimmern und den entsprechenden Comfort anbieten. Die Athmosphäre im Circus Hotel soll aber trotz des höheren Anspruchs locker bleiben.

Mixology-Abonnent Jared ist Amerikaner und seit über 10 Jahren in Berlin. Für das Fabisch sicherte er sich die Dienste eines jungen, talentierten Engländers: Gabe Toldi. Dieser zeichnet für die Bar des Fabisch verantwortlich. Gabe gehört zur neuen Generation von Bartendern, die mit dem Internet aufgewachsen ist. Zusammen mit seinem neuen  Karriereschritt in einen fremden Markt hinein, startete er sein eigenes Cocktail-Blog Strain and Serve. Während ich sonst außerhalb des Beruflichen meist lieber Pures trinke, stand beim erstmaligen Besuch der neuen Bar natürlich der Cocktailtest an. Aus einer kompakten, übersichtlichen Karte wählten wir für die erste Runde einen Ginger Pear Aviation und einen Lemograss Smash (die zweite frische Zutat ist mir leider entfallen). Die Wahl der Dame in der Runde fiel wiederum auf einen Sazerac.

Alle Drinks wurden vor unseren Augen sorgfältig und mit Liebe zum Detail zubereitet. Der Jigger kam dabei auch zum Einsatz, was mir sehr gefiel. (Der Jigger wird vermutlich zum von mir meistbenutzten Wort des Jahres 2009 avancieren, aber dazu demnächst an anderer Stelle mehr.) Während man uns die bestellten Speisen an die Bar servierte (das Fabisch ist gleichzeitig ein Restaurant mit deutscher Küche), hatte ich Muße die Bar zu betrachten. Den Tresen dominieren eindeutig zwei massive Zapfhähne mit Beck’s und Franziskaner im Faßausschank. Dem Klientel der Circus-Gruppe und der Lage des Fabisch wird damit wohl Rechnung getragen. Die Cocktailecke mit IMC-Modulen wirkt im Vergleich dazu etwas gedrängt. Das Rückbüfett dagegen verortet die Bar mit einer guten Spirituosenauswahl wieder eindeutiger in Richtung Cocktailbar.

Die Cocktails waren, bis auf den zu sauren Smash, exzellent. Gabe dekoriert seine Drinks sehr sparsam. Er erkundigt sich bei Klassikern eher vorher nach den Vorlieben der Gäste. So geschah es auch beim perfekten Sazerac, den er mit Cognac anrührte. In der zweiten Runde war die Wahl der Dame ein Old Fashioned, während die Herren sich mit einem Silver Fizz und einer Cachaca-Sour-Variation mit Orangenmarmelade "sanfteren" Drinks widmeten. Alle drei Cocktails waren ausgezeichnet. Besonders gefiel mir die Behandlung des Old Fashioned. Gabe Toldi erkundigte sich bei der Bestellung, ob der Gast die lange (12 Minuten gerührte) oder die schnellere Variante mit Zuckersirup wünsche. Ich bin ein erklärter Gegner der masturbativen und gästefeindlichen Behandlung des Old Fashioned, wie sie in London entstanden ist. Noch ein wichtiger Punkt fürs Fabisch also. 

Mit Gabe Toldi hat Berlins Barszene eine erfrischende Verstärkung erfahren. Er ist nach meinem ersten Eindruck ein freundlicher, technisch versierter und sehr produktfokussierter Bartender, von dem man sicher noch hören wird. Das Fabisch befindet sich übrigens noch in der Pre-Opening-Phase. Die offizielle Eröffnung erfolgt erst im Dezember. Bis dahin wollen Jared Goldman und Gabe Toldi auch noch Mankos wie das zu helle Licht der Rückbar und fehlende Haken unter dem Tresen behoben haben.

Link: www.circus-berlin.de

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel