Loos Bar in Wien

Loos American Bar in Wien. Architektur trifft Cocktailkirsche.

Bars 13.4.2012 1 Kommentar

Eine beeindruckende Perle modernistischer Gastronomiegestaltung mit einer Aura von gelebter Geschichte und der Gier nach Glamour-Gesellschaft. Das bezaubernde Kleinod des Architekten Adolf Loos aus dem Jahre 1908.

Grundsätzlich ist es unglaublich sympathisch, wenn eine Bar bereits um 12 Uhr mittags ihre Pforten öffnet. Die frühen Stunden locken mit günstigen Offerten insbesondere die Champagner-Liebhaber herbei. Mit etwas Glück erwischt der frühe Barfly sogar einen jener raren Augenblicke, an dem die Loos Bar erst spärlich gefüllt ist und dadurch die seltene Gelegenheit erlaubt, den Raum in seiner architektonischen Schönheit zu erleben.

Meister Loos wirkte als strikter Gegner des Jugendstils und verachtete überflüssige Ornamente. Sein Idealbild der Moderne begleitete ein reduziertes, geradliniges Design, ausgestattet mit hochwertigen Materialien, was die American Bar mit Marmor, Onyx, Messing und Holz eindrucksvoll dokumentiert. Große Spiegelflächen vergrößern optisch den winzigen Gastraum.

Die bescheidenen 27 Quadratmeter füllen sich rasch mit Gästen. Bei einigen trifft der Begriff „Fans“ wohl besser zu. Bussi links, Bussi rechts, schnell kommt man sich näher und verhält sich so, als wäre man prominent. Manche sind es auch. Die Liste berühmter Trinker ist lang und enthält legendäre Berichte, wie jenen über Quentin Tarantino, der einer Bardame im Loos verfiel und ihr in Kill Bill eine Figur widmete.

„Happy Loosers“ soweit das Auge reicht

Unter dem wenig respektvollen Titel verewigt ein Fotoprojekt die Gäste des Hauses. Ein eigenes Buch präsentiert die illustre Meute in ihrem engen Lieblingstreffpunkt. In ist, wer drin ist. Wo andere gastronomische Einrichtungen längst wegen Überfüllung ihre Tür geschlossen hätten, da pfercht man noch ein Dutzend Durstige in die Loos Bar hinein.

Selbst die Bartender sind hier Stars. Mit eleganter Eitelkeit wirft der Barback seine Haare in den Nacken, um sich zum Nachfüllen der Eiskiste mit selbstgefälliger Brachialität den Weg zu bahnen. Er kehrt zurück mit dem traurigsten Eis, das jemals einen Drink verwässerte.

Im Falle dieser Momentaufnahme einen Prince of Wales für 14 Euro, der eher langweilig mundet und als Longdrink serviert wird. Ganz im Sinne der Loos´schen Reduktion wäre der Havana Club Rührstab in dem Champagnerdrink durchaus verzichtbar gewesen. Ein Daiquiri mit jungem Havana Club, aber diesmal ohne gleichnamigen Rührstab, zu 9,50 Euro, vermag nur mittelmäßig zu begeistern. Der launigen Meute ist es egal. Glücklich strahlen selbst dann noch die Schönen, die Wichtigen und die Möchtegerns in ihrer „gemütlichsten Zündholzschachtel der Welt“. Ob der ernsthafte Cocktailfreund ebenfalls strahlt, bleibt geringfügig Glückssache.

Loos American Bar

Kärntner Durchgang 10, 1010 Wien

U1 Stephansplatz

Kontakt: +43 (1) 512 3283

Donnerstag bis Samstag von 12 Uhr bis 5 Uhr
Sonntag bis Mittwoch von 12 Uhr bis 4 Uhr

Kartenzahlung: Ja

Rauchen: Ja

loosbar.at

Ein Kommentar

  1. Harald Steindl

    Danke für die gelungene Rezension. In der Tat geht kaum wer der Drinks wegen in die Loos, was schade ist.
    Davon abgesehen sorgt die schon bei halbvollem Lokal vollkommen überforderte Lüftung leider nicht für einen angenehmen Aufenthalt.

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