Ein Porträt. MIXOLOGY ONLINE im Gespräch mit Nils Boese.

News 9.12.2013 1 Kommentar

Nils Boese ist ein Gentleman. Mit Mut zur Tat und dem gepflegten Wort auf seiner Seite, ist der Betreiber und Bartender der Manhatten Bar in Hildesheim und Markenbotschafter für Jägermeister stets für einen guten Negroni und einen Espresso zu haben.

Was ist Dein Beruflicher Werdegang?

Nachdem ich in Schottland war, habe ich `93 mit der Gastronomie begonnen. Es handelte sich um einen kleinen Jazzclub in Hannover. Ich erinnere mich noch daran, dass dort sehr gute DJs aufgelegt haben. Ein angesagter Laden. Damals. Für Hannover. Sehr gut und mindestens genauso offensiv. Das hat mir damals genau das gegeben was ich suchte. Weitere Erfahrungen habe ich dann auf Veranstaltungen und Messen jeglicher Art sammeln können. Gastronomisch war es einfach eine andere Zeit. Aber ich hatte Spaß an meinem Wirken.

Die größte Motivation in der Gastronomie zu bleiben und etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, war vermutlich das große Interesse und die Neugier an dem Handwerk selbst. In erster Linie jedoch haben mich die Freiheit und die damit verbundene freie Selbstbestimmung in meiner Tätigkeit daran festhalten lassen. Aber ich bin heute sehr zufrieden und dankbar für die Erfahrungen, die ich machen konnte. Meine Entscheidung eine eigene Bar zu eröffnen war damals grundlegend inhaltsorientiert. Mein Interesse für die Welt der Spirituosen und Brände hat mich einfach immer weiter machen lassen.

Für was interessierst Du Dich außerhalb der Arbeit hinter der Bar? Hast du Hobbys?

Ich könnte sagen mein Hund. Ein treues Tier, das mich in Bewegung hält und das mich nicht vollquatscht. Aber ich habe auch Kampfsport betrieben. Genau genommen habe ich Thai-Boxen gemacht. Das Kickboxen beinhaltet viele verschiedene Elemente wie Kombinatorik, Reaktion, Kondition und das Fordern des Geistes. Ansonsten genieße ich auch gerne das Wildwasserpaddeln. Das ist für mich eine Herausforderung und ein Sport, der mich demütig werden lässt. Demut sollte man vor diesem Sport definitiv haben. Die Energie und das Abenteuer die im Wasser stecken, darf man nicht unterschätzen. Doch, das macht mir Spaß und ist für mich ein guter Ausgleich.

Was ist Dein Lieblings-Cocktail?

Das ist vermutlich immer der nächste Cocktail den ich mache. Aber das wird Euch vermutlich als Antwort nicht reichen nicht wahr?

Nicht wirklich, was würdest Du Dir denn selber einschenken?

Das ist einfach. 2cl Sipsmith Gin, 2cl Jägermeister und 2cl Punt e Mes. Dazu noch eine Zitronenzeste.  Jägermeister-Negroni. Fantastisch. Bei dem Drink stimmt einfach meiner Meinung nach die Harmonie zwischen den Aromen und den Nuancen der Brände. Wenn Du mich allerdings nach meinem Lieblings-Drink fragst, mit dem ich die schönste Erinnerung verbinde, ist es ein Scapa 8 Jahre. `90 oder `91, ich bin mir nicht ganz sicher, habe ich auf einer Schafsfarm gearbeitet. Es hat geregnet, und trotzdem wurde zum Sonnenuntergang der Himmel und das Gewitter aufgerissen und bildete eine Szenerie, die wie gemalt war. Und ich konnte auf diesen wundervollen Anblick mit einem Gläschen Scapa 8 Jahre anstoßen.

Welche ist Deine Lieblingsbar?

Für mich ist eine Bar ein Ort an dem ich den ganzen Tumult ablegen kann. Ein Ort an dem ich mich setzen und einfach ankommen kann. Ein Ort an dem mein Dasein willkommen ist. Ich würde sagen die „Bar Gabanyi“ in München und das „Le Lion – Bar de Paris“ in Hamburg. Stefan und Mario sind einfach großartige Bartender und vor allem Gastgeber, die ihren Beruf in Perfektion ausüben. Jede Bar ist nur so gut, wie der Mann der dahinter steht. Und in diesem Fall sind es für mich diese beiden. Gute Bars.

Hast Du Vorbilder im Barbereich?

Stefan Gabanyi. Ich schätze ihn als Mensch, Bartender und Gastgeber. Er ist ehrlich. Er vergibt Kritik genauso wie „credits“. Der Mann hat Ecken und Kanten. Schwierigkeiten, Charme und Charakter. Wie auch Stefan Gabanyi beherrscht Mario Kappes sein Handwerk in Perfektion. Beide arbeiten und spielen mit Nuancen und Aromen. Beide auf ihre eigene Art und Weise.

Von welchen Bartendern würdest Du Dir blind einen Cocktail mixen lassen?

Stefan und Mario. Aus dem gleichen Grund warum es meine „Vorbilder“ sind. Ich respektiere sie beide sehr.

In welcher Situation würdest Du eine Bar sofort verlassen?

Als Bartender und als Gast würde ich eine Bar sofort verlassen, wenn sie gefüllt ist mit Gruppen. Eine  Gruppe aus fünf oder sechs Leuten genügt schon, um einen wunderschönen Abend zu ruinieren. Am schlimmsten sind die Gruppen die in den Laden kommen und ein Alphatier dabei haben. Der dann die Bestellung und die Stimmung der Gruppe dominiert. Furchtbar. In meiner Bar gibt es von daher keine Gruppen. Ich habe allerdings auch nur 16 Sitzplätze. Eine Bar braucht jeden einzelnen Pixel. Kleine unterschiedlich bunte Punkte, die ein Gesamtbild malen. Das soll meine Bar sein. Ein Mosaik aus Charakteren, die den Abend genießen.

Was steht in Deinem Traum-Speed-Rack`?

Sipsmith Gin, der kommt immer gut. Im Straight-up Ausschank kann er bestehen. Aber wirklich gut zur Geltung und zur vollen Entfaltung, kommt er erst vermixt in Drinks. Jägermeister. Der Likör ist für mich einfach unglaublich rund. Eine schöne Flasche Rhum Clément. Sehr schmackhaft. Gefällt mir sehr gut, der Tropfen aus Martinique. Und als Whisky wäre es der Williams.

Worauf hast Du Dich spezialisiert?

Jägermeisterdrinks und Espresso. Ich mache keine Milchgetränke. Aber ich mache Dir einen fantastischen Espresso.

Dann hast Du bestimmt schon mal an einer Competition teilgenommen? Und etwas mit Espresso serviert?

Eigentlich bin ich auf Competitions nur als Juror. Aber Du hast Recht. Ich habe schon mal an Wettbewerben der DBU teilgenommen und bei einem Wettkampf der SCEA, der Speciality Coffee Assosiation of Europe. Aber bei Wettkämpfen mit Kaffeekreationen hat man sehr strikte Regularien. Ich wurde leider disqualifiziert, weil ich Angostura verwendet habe. Auf jeden Fall halte ich die ganzen Wettkämpfe für etwas schwierig. Viele junge Teilnehmer haben sehr viel Wissen über die Bar und die Produkte. Allerdings finde ich, fehlt es vielen an Erfahrung. Ohne diese Erfahrung entwickelt sich selten nur eine persönliche Handschrift. Sagen wir, ich bin kein großer Freund von Competitions.

Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?

In zehn Jahren sehe ich mich immer noch in der Bar. Und dann auch als Bartender. Ich bin Markenbotschafter für ein Produkt, das ich liebe und zu dem ich stehe. Die Bar ist mein Leben. Ich habe ein sehr erfülltes Leben. Und ich kann es genießen. Da ich auch oft aus meiner Provinz rauskomme, würde ich nicht mal sagen, dass mir etwas fehlt. Ich bin sehr zufrieden!

Vielen Dank für das Gespräch, Nils.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel