Notizen aus der Provinz Part II: Bars in Bonn, rheinische Freundlichkeit und ausgelagerte Leuchttürme

Bars 24.3.2011 7 comments

Eine Lobeshymne nach der anderen wurde in den vergangenen Jahren auf die sich rasant entwickelnde deutsche Barkultur gesungen. Klar, Berlin platzt aus allen Nähten vor guten sowie individuellen Bars. München und Wien können schon auf jahrzehntelange Tradition zurückblicken und viele der dortigen Bars müssen als Klassiker bezeichnet werden. Hamburg, Köln und Zürich, sogar Basel haben jeweils einzelne Bars von unbestreitbarer internationaler Klasse. Die Rezepte werden an diesen Orten täglich komplexer, die Techniken ausgefeilter. Mittlerweile geht man selbstverständlich flächendeckend von dem großen Vormarsch der Barkultur aus. Doch wie schaut es in den Provinzen aus?

Nach Bonn zu fahren, um Bars zu sehen, konnte von einigen Seiten nicht wirklich nachvollzogen werden. Nichts desto trotz wurde das Projekt in Angriff genommen. Dann, mit der Bahn im ehemaligen „Sitz der Bundesorgane“ angekommen, folgten schon die ersten Überraschungen. Das ist genau so wenig ein würdiger Bahnhof für eine Residenz, wie der bisherige Flughafen Schönefeld ein ernstzunehmender internationaler Flughafen für eine Weltstadt ist. Sofort fallen viele Jugendliche auf und man erinnert sich an den eigenen Schulausflug nach Bonn, um auf den Spuren Beethovens, Schumanns und anderen Größen zu wandeln. Die vorgenommene Liste war lang und entsprechend schnell war die erste Bar in Aussicht.

Partyflair und fragwürdige Opernbar

Das Shakers Bonn existiert seit elf Jahren und wurde von lokalen Zeitschriften vielfach als beste Bar ausgezeichnet. Die Atmosphäre am frühen Abend macht es nicht schwer, den Normalbetrieb zu erraten. Hier soll es abgehen. Discolichter zucken schon munter direkt nach Öffnung durch das Geschäft. Die Theke ist lang und es gibt eine Galerie mit abgetrenntem VIP Bereich. Die Karte wartet mit einer Fülle an Cocktails auf. Zwischen vielen Fancys sind sogar Klassiker wie Bronx oder Gibson zu finden. Gestartet wurde mit einer Margarita und für die begleitende Dame gab es einen Cosmopolitan.

Die Flair-Ansätze des Thekenmeisters verdichten den Eindruck, dass man hier gerne Massen anzieht und diese bei Laune halten möchte. Die Drinks sind beide etwas verwässert und ziemlich süß. Die Eisdiskussion soll jedoch hier nicht ausgebreitet werden. Zur Süße: der Cosmopolitan hatte offenbar eine gute Ladung Lime Juice abbekommen. Muss nicht sein, aber vorstellbar, dass, wie zuletzt in Ulm, auch in Bonn die Geschmacksnerven allgemein etwas auf Süße getrimmt sind. In einer Ecke der breiten Spirituosenauswahl konnte noch ein Chartreuse ausgemacht werden. Auf Nachfragen beim Barmann, was er damit denn so mache, entdeckte auch er die Flasche. Leider zum ersten Mal. Das Shakers scheint ein Selbstläufer zu sein, wo die Motivation zur Weiterentwicklung vor Jahren leider etwas abhanden gekommen ist. Schade, denn man verspürte doch ein gewisses Potential.

Die darauf besuchte, zum Stadttheater gehörige Hausbar ist kaum der Mühe wert, zusammenhängende Sätze zu schreiben. Unglaublich unfreundlicher Service, kaum Auswahl, fiese Spirituosen, schreckliches Interieur, infantile Wandbemalungen und obenauf noch unzumutbare Cocktails nach einer endlosen Wartezeit in der restlos leeren Bar. Der auf einen Haufen zerstoßenes Eis geschüttete Champagner-Drink der Begleitung war mit einem Champagner produziert worden, der nicht nur sämtliche Perlage längst verloren hatte, sondern auch geschmacklich bereits ein neues Leben angefangen hatte. Daneben ein fürchterliches Gemisch, das einen Whisky Sour darstellen sollte. Nie wieder!

Junge Affen und gutes Essen

Es folgte der Stadtaffe. Eine relativ junge Bar, in der zumindest mal ein Konzept erkennbar war. Dieses war nicht affig, wie der Name vielleicht vermuten lassen würde, sondern auf eine diffuse Art freundlich. Die verwinkelten Räumlichkeiten werden dort gut genutzt und während der Barmann anfänglich als etwas unterkühlt und distanziert wahrgenommen wurde, entpuppte er sich doch als sehr freundlich und aufgeschlossen gegenüber Innovationen aller Art. Das Angebot und die Drinks selbst sind auch hier auf ein breites Publikum zugeschnitten. Das Probierte war geschmacklich sicherlich fern von moderner Barkultur, aber die Ambitionen lassen Optimismus aufkeimen. Es bleibt zu hoffen, dass ein Funken weitergetragen wurde.

Nun war es an der Zeit, sich mit Nahrungsmitteln für die weitere Tour zu stärken. Dafür wurde das Tao, ein stilvolles Bar und Restaurantkonzept, ausgesucht. Dieses liegt schon weit ab der Innenstadt, was Bonner offenbar nicht scheut, denn das große Lokal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Während in der Innenstadt hauptsächlich sehr junges und studentisches Publikum gesichtet wurde, war im Tao dann doch schon eher eine gehobene Gästemischung zu finden. Zum großartigen und preislich adäquaten Essen, gab es einen Whisky Sour. Rye war leider unbekannt. Vom Tender wurde stattdessen ein Black Bottle Whisky empfohlen. Da dieser ja auch nicht in vielen Läden zu finden ist, nahm man dankend an und erfreute sich kurz darauf an einem ordentlich balancierten Mischgetränk. Wunderbar, wenn Küche und Bar funktionieren.

Zwei unterschiedliche Hotelbars

Nicht weit entfernt liegt das Maritim Hotel mit seiner Piano Bar. Schon vor der Türe der Bar war denn auch Pianomusik zu vernehmen. Dazu grottiger Gesang. Die Bar ist wenig einladend und man möchte eigentlich gleich wieder flüchten. Geifernde Proleten in schummrigem Licht und ein gackernder Jungesellinnenausflug. Man wählte eine Ecke und bereute schnell die Wahl, denn in allen Ecken lief zusätzlich zum schiefen Gesang aus dem Lautsprecher auch noch halblaut Fußball im Flimmerkasten.

Wieder erschreckend unfreundlicher, sogar patziger Service. Auf Nachfrage, ob man für den eigenen Daiquiri auch einen besonderen Rum wählen könne, wurde dunkler Meyers ans Herz gelegt. Nach betretenem Schweigen auf Gästeseite wurde dann noch Captain Morgan offeriert. Man blieb dann vorsichtshalber doch lieber beim einfachen Havanna Club. Der kurz darauf kredenzte Drink überraschte dann jedoch mit einer bodenständigen Ausgeglichenheit. Das konnte jedoch keinesfalls die unbalancierte Stimmung wettmachen und es wurde der schnelle Rückzug angetreten. Denn einen Punkt gab es ja auch noch auf der Barliste.

Die Puregold Bar im Kameha Hotel. Das beeindruckende Fünf-Sterne-Hotel hat bei dieser stilvollen Bar keine Kosten gescheut. Schon vorab wusste man von den außergewöhnlichen Zuständen an diesem Abend, denn die Puregold Bar feierte ihre monatliche Gold Rush Party. Eine Dame an den Plattentellern heizte ein und es waren schnell einige bekannte Gesichter zu entdecken.

Denn die Party wurde auch vom Kräuterzirkel, der Initiative des Team Spirits Barzirkels, für ein kleines Get Together genutzt. Im speziellen Fokus des Abends stand Averna. Hiermit wurde auch eine appetitliche Hauskreation als Begrüßungsdrink gereicht. Es folgten unterschiedlichste Cocktails, um die durchgängig sehr jungen Barleute ein bisschen auf Herz und Nieren zu prüfen. Alles wurde professionell und elegant sowie geschmacklich distinguiert gemeistert. Sonderwünsche darüber hinaus flexibel und sauber umgesetzt. Ausschließlich bleibt in negativer Erinnereung, dass es, wie in ganz Bonn, keinen Rye Whiskey gab. Was aber bei den dargebotenen Alternativen und der gehaltenen Qualität mehr als zu verkraften war.

Mit der Puregold Bar hat Bonn einen Leuchtturm. Leider ist dieser fernab der Innenstadt gelegen und wohl kaum ein Anlaufpunkt für viele Einheimische. Fraglich, ob dieser Turm der Barkultur in absehbarer Zeit bis ins alte, bartechnisch kränkelnde Herzen Bonns ausstrahlen wird, um diesem wieder zu einer wachsenden Blüte zu verhelfen. Es bleibt zu hoffen. Alternativ müsste sich die Innenstadt selbst animieren. Dafür wurde zwar vereinzeltes Potential gesichtet, doch ist es zweifelsohne schwerer, als einfach mal am eigenen Stadtrand zu schauen was alles so in einer Bar machbar ist.

 

Shakers

Bornheimer Straße 26

53111Bonn

Öffnungszeiten: So. bis Di. 17 bis 1 Uhr, Mi. & Do. 17-2 Uhr, Fr. & Sa. 17 bis 3 Uhr

Snacks: Nein

Rauchen: Ja

 

FON +49 228 9814490

http://www.shakers-bonn.de

 

Hausbar

Am Boeselagerhof 1

53111 Bonn

Öffnungszeiten: So. bis Mi. 9 bis 2 Uhr, Do. bis Sa. 9 Uhr bis Open End. Cocktails immer ab 18 Uhr

Snacks: Nein

Essen: Nein

Rauchen: Separate, beheizte Raucherterasse

 

FON +49 228 1844770

http://www.hausbar-operbonn.de

 

Stadtaffe

Rathausgasse 34

53111 Bonn

Öffnungszeiten: So. bis Di. 18 bis 1 Uhr, Mi. & Do. 18 bis 2 Uhr, Fr. & Sa. 19 Uhr bis Open End

Snacks: Ja

Essen: Nein

Rauchen: Ja

 

FON +49 228 61799394

 

Tao

Mildred-Scheel-Straße 1

53175 Bonn

Öffnungszeiten: Mo. bis Do. 11 bis 1 Uhr, Fr. & Sa. 11 bis 1 Uhr, So. 11 bis 24 Uhr

Snacks: Ja

Essen: Ja

Rauchen: Nein

 

FON +49 228 3728289

http://www.taobonn.com

 

Piano Bar im Maritim Bonn
Godesberger Allee

53175 Bonn

Öffnungszeiten: Unbekannt

Snacks: Ja

Essen: Ja

Rauchen: Nein

 

FON +49 228 81080

http://www.maritim.de

 

Puregold Bar im Kameha Grand

Am Bonner Bogen 1

53227 Bonn

Öffnungszeiten: Mo. bis So. 18 bis 2 Uhr

Snacks: Ja

Essen: Ja – bei Bedarf direkt aus der Hotelküche

Rauchen: Separate, beheizte Raucherterasse

 

FON +49 228 43345000

http://www.kamehagrand.com

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