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Die Hauptstadt der Cocktailkolonie Teil II.

In den letzten Jahren tauchten vermehrt Berichte über die Innovationskraft und Frische der Barkultur Australiens auf. Barkultur-Botschafter wie Matthew Bax oder Tim D. Phillips sind allseits bekannt und ziehen eine kleine Armada an jungen, vor Tatendrang sprühenden Kollegen in ihrem Kielwasser in internationale Gewässer. Und so soll sich diese Bartour endlich mit Sydney befassen: neben Melbourne einer der beiden Hauptstädte der Cocktailkolonie Australien. Ein Bericht in zwei Teilen.

Schwingen wir uns nun schon schwindelig ins Taxi, so spuckt es uns bald darauf bereitwillig in Kings Cross wieder aus. Vergleichbar mit der Hamburger Reeperbahn lassen sich hier eigentlich keine kulinarischen Höhenflüge erwarten. Doch seit wenigen Monaten stemmt sich das Roosevelt dagegen. Fassade, Einrichtung, Teppich und die Siphonkabinetts sind zwar stilsicher der Epoche Roosevelts zugeordnet. Doch brechen erst die szenigen Bartender das Bild auf und man ist erleichtert, doch nicht in einem stehengebliebenen Altherrenklub gelandet zu sein.

Der Service und die Fachkenntnis sind hervorragend und so lassen wir uns zu einer Art Old Fashioned mit Kardamom, Nelken und Zimt, sowie einem Side Car beraten. Die Old Fashioned-Variation mit Geruchsbeilage ist großartig, gehört aber vielleicht eher in kältere Breiten. Der Side Car mit Lavendelbeilage ist ausgewogen, doch leider etwas flachbrüstig. Und so bleibt der Eindruck, diese Bar wäre trotz ihres sehr hohen Niveaus eher etwas für Inneneinrichter, als für Bartender.

Superstar Lebenswasser

Also doch lieber wieder raus aus der geordneten Ruhe dieser Bar und durch Zuhältergeschrei und Männergruppengegröle auf den Weg ins Eau De Vie. Auf der anderen Seite der alles beherrschenden Neonbeleuchtung des Kings Cross’ gelegen, betreten wir nun zuletzt den wohl international am meisten gefeierten Neuzugang der hiesigen Trinktempel.

Das Eau De Vie ist ebenso schwer zu finden wie die vorher besuchten Adressen und man muss erst an einem Portier den Weg vorbei finden, um endlich Eintritt in die „13.-beste Bar der Welt 2011“ (Drinks International Magazine) und „Die Beste neue Cocktailbar der Welt 2011“ (Tales of The Cocktail) zu erhalten. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Schnell und einladend werden wir empfangen und für uns wird glücklicherweise noch Platz an der Bar gefunden.

Hier wird es schwierig, sich auf einen klassischen Cocktail zu limitieren. Eine konzentrierte und ambitionierte Spirituosenauswahl und eine sich direkt an die Bar anschließende Miniküche voller Einweckgläser, Flaschen, Flakons und Kochutensilien, lassen uferlosen Geschmacksvariationen erahnen. Ebenso durchdacht und charmant ist die Getränkekarte gestaltet und uns scheint, hier wird für jeden Cocktail ein explizites Glas bereitgehalten. Aus einem gläsernen Frauenstiefel zu trinken kommt für uns heute jedoch nicht in Frage und so entscheiden wir uns nach kurzem, einfühlsamen Gespräch mit dem Bartender für einen Rob Roy, welcher nach Rücksprache sehr gerne mit Gewürzen und Rösterei angereichert werden darf. Der Name des zweiten Getränks ist aufgrund der Dauer der Bartour leider nicht mehr geläufig. Der Rob Roy gelingt jedoch überaus und so wird der Autor jeglichen „ungewürzten“ Rob Roy ab jetzt wohl eher als flach empfinden müssen.

Das Eau De Vie glänzt mit seinem Wanddekor aus Siphons, Gläsern, Punchschüsseln und Raritäten. Doch der ganze Raum ist eher dunkel und übersichtlich und lädt somit mehr zum Versumpfen, als zum Freudentaumel ein.

Abschließend kann Sydney also jedem Genießer wärmstens empfohlen werden. Wer offen für Neues ist wird in dieser Stadt aus dem Kosten und Genießen nicht mehr herauskommen. Dies gilt nicht nur für Cocktails und Essen, sondern auch für die immer besseren Weine.

Was mich daran erinnert: Wie zum Henker hieß denn noch mal dieser für Continental Sour so perfekte Wein zu Beginn unserer Tour…!?

 

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