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Die Batanga ist eine Kombination aus Tequila Blanco, Cola, Limettensaft und Salz

Erfrischend. Köstlich. Und zu selten serviert: die Batanga

Die Batanga ist kein Tequila and Coke. Und auch kein Cuba Libre mit Tequila. Oder eine Paloma mit Cola. Eine Batanga ist eine Batanga. Der Drink aus Tequila, Cola, Limettensaft und Salz mag keine Raketenwissenschaft sein, ist aber, im richtigen Moment serviert, kaum zu übertreffen.

Giffard Alkoholfrei

Wer in seinem Leben einmal das Glück haben sollte, das kleine Städtchen Tequila besuchen zu dürfen, wird dort vermutlich – entgegen vielleicht anders lautender Annahmen – die Hitze Mexikos in aller Regel nicht mit eiskalten Margaritas bekämpfen. Vielmehr wird ein anderer Drink dort, im Epizentrum des Destillats aus der Agave Tequiliana Weber Azul, das Getränk der Wahl sein: die Batanga.

Der Drink mag auf den ersten Blick vielleicht etwas low-key erscheinen, manchem oder mancher vielleicht sogar profan oder gar an der Grenze zu unkultiviert. „Welcher distinguierte, urbane Europäer trinkt schon noch Highballs, die mit Cola aufgegossen werden?“ oder „Die beiden letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrtausends haben angerufen und wollen ihre Drinks zurück!“ So oder so ähnlich mögen jetzt einige witzeln. Sehr geistreich! Ich halte jedoch dagegen: Eine Batanga ist köstlich. Und erfrischend. Und wird zu selten serviert!

Batanga

Zutaten

4,5 cl Blanco Tequila
1-1,25 cl frisch gepresster Limettensaft
10 cl Cola
Fleur de Sel Crusta

Entstanden ist die Batanga vermutlich in den 1960er-Jahren
Entstanden ist die Batanga vermutlich in den 1960er-Jahren

Once upon a time in Mexico

Entstanden ist sie (das wird zumindest oft behauptet, andere sagen, die Kombination von Tequila und Cola mit etwas frischem Limettensaft sei bereits vorher durchaus gängig gewesen) in La Capilla (dt. die Kapelle), einer Cantina mitten in Tequila. Bei der kleinen Eckbar, in der die Zeit stillzustehen scheint, handelt es sich um ein must see für Bartender, die sich auf einer Reise durch Jalisco befinden. Der leider 2020 im Alter von 96 Jahren verstorbene Erfinder (oder zumindest der wichtigste Botschafter) der Batanga, Don Javier Delgado Corona, erinnerte sich selbst nicht mehr genau daran, in welchem Jahr er sie zum ersten Mal zubereitete. Er schätzte irgendwann um 1965 herum.

Selbstredend gab es bei Delgado kein Rezept, das Mililiter-Angaben o.ä. beinhaltete. Deshalb ganz grob: Er verwendete ein nicht zu kleines Longdrink-Glas, versah es mit einer Crusta aus Limettensaft und weißem Salz, gab den Saft einer halben Limette hinein, füllte es generös mit großen Eiswürfeln, ließ eine nicht minder generöse Menge Tequila folgen und goss anschließend mit Cola auf.

Als Signature Move wird die Batanga bis heute, nachdem sie im Gastglas gebaut wurde, im La Capilla mit dem Messer, mit dem die Limetten für den Mexican Ellbow halbiert wurden, umgerührt. Angeblich werden in der Cantina auch Avocados und Chilis damit geschnitten, was dem Messer einen eigenen Geschmack verleihen soll. Ein bisschen Folklore gehört im an Folklore nicht gerade armen Mexiko nun einmal dazu.

Kein Cuba Libre mit Tequila

Mir ist wichtig zu betonen: Eine Batanga ist kein Tequila and Coke. Und auch kein Cuba Libre mit Tequila. Oder eine Paloma mit Cola. Eine Batanga ist eine Batanga. Sicherlich handelt es sich bei ihr um keine Raketenwissenschaft. Sie mag über eine beinahe etwas rustikale Anmutung verfügen, und dennoch gehört sie zu den Getränken, die an einem heißen Sommertag (aber auch verrückterweise an einem unkomplizierten Abend bei etwas lauterer Musik und niedrigeren Temperaturen während kälteren Jahreszeiten) im richtigen Moment serviert kaum zu übertreffen sind.

Ich will dennoch einige Fine-Tunings und Varianten anbieten, mit denen man den Drink auch in einer eleganten Cocktail-Bar einer Metropole auf dieser Seite des Atlantiks ohne Erklärungsbedarf servieren kann. Zu diesem Zweck erscheint es mir zunächst sinnvoll, auf jede Zutat einen separaten kurzen Blick zu werfen.

Die Bausteine der Batanga

Die Cola:

Im La Capilla werden die Batangas mit Coca-Cola aufgegossen. Scheinbar eine einfache Sache. Jetzt kommt die schlechte Nachricht: Coca-Cola schmeckt, je nachdem wo man sich auf Gottes grünem Erdenrund befindet, anders. Das liegt in erster Linie an der Zuckerquelle, mit der gesüßt wird. In Deutschland ist das etwa Rübenzucker, in den USA nach wie vor i.d.R. der berühmt berüchtigte High Fructose Corn Syrup (aka. HFCS, Isoglukose oder Fruktose-Glukose-Sirup, in der EU bis 2017 nicht nur aufgrund seiner Adipositas, Fettleber, Gicht sowie andere Gebrechen fördernden Wirkung weitestgehend verboten gewesen) und in Mexiko Rohrzucker. Mexikanische Coca-Cola schmeckt – finde ich – von allen Coca-Colas, die ich bisher getrunken habe, am besten.

Die in Mitteleuropa erhältlichen Varianten sind okay, lassen aber das gewisse Je ne sais quoi vermissen. Eine spannende Alternative wäre (endlich kann ich es mal schreiben, ich formuliere doch eher selten meine Gedanken über Cola) Premium Cola! Und den Lesenden ebenfalls nicht vorenthalten möchte ich eine Variante des Münchner Barbetreibers (und MIXOLOGY-Autors) Marco Beier. Er empfiehlt (Flötzinger) Spezi in Verbindung mit einer Rauchsalz-Crusta (zum Salz kommen wir noch). Ob es sich hierbei noch um eine Batanga handelt, soll an anderer Stelle erörtert werden.

Der Tequila:

Kurz und schmerzlos: Blanco bitte. Einen gescheiten natürlich. Im La Capilla kommt El Tequileño ins Glas. Ich mag Siembra Valles Blanco oder Fortaleza Blanco. Auch die Blancos von Ocho liefern, auch wenn sie sich von Jahr zu Jahr oftmals deutlich voneinander unterscheiden, eigentlich immer tolle Ergebnisse. Für eine etwas kräftigere Batanga sei außerdem Cascahuín Plata 48% Vol. empfohlen. Bartender, die ihrem Beruf und dem Feld der Agaven-Destillate mit Ernsthaftigkeit begegnen, haben spätestens seit einigen Wochen die Tequila Matchmaker-App auf ihrem Handy und werden selbst wissen oder herausfinden, welche Tequilas außerdem geeignet sind. Warum kein Reposado? Er stellt der Cola meines Erachtens nicht ausreichend Frische entgegen.

Der Limettensaft

Gemeint ist allerfrischester, d.h. unmittelbar vor der Zubereitung des Drinks gepresster Limettensaft! Dies ist nicht der Drink, an dem man illustriert, das Super Juice eine Option sein kann oder bei dem mit einer Lösung aus malic und citric acids leichte Trübung im Drink umgangen wird und erst recht ist es nicht der Drink für den Saft aus der gestrigen Schicht! Die Limette wird bei einer Batanga à la minute aufgeschnitten. Keine Diskussion!

Das Salz

Ein gutes, kein billiges mit Rieselhilfen, das die Lippen taub macht und den Drink versaut! Wer mag, möge experimentieren. Denkbar ist auch, das Salz weiter zu aromatisieren. Neben dem bereits erwähnten Rauchsalz schlägt Philipp Fröhlich aus dem Trisoux ein Vanille-Salz vor. In der Londoner Mezcaleria Kol wurde das Salz mit einem Pulver aus dehydrierten englischen Stachelbeeren gemischt. Köstlich.

Soviel zur grundsätzlichen DNA einer Batanga. Ein Basisrezept könnte also – wie oben bereits zu sehen – folgendermaßen lauten:

Batanga

4,5 cl Blanco Tequila
1-1,25 cl frisch gepresster Limettensaft
10 cl Cola
Fleur de Sel Crusta
Highball-Glas; im Glas zubereiten.

Pimp my Batanga

Selbstredend kann, nein sollte man vom Basisrezept ausgehend kreativ werden. Ein paar Beispiele gewünscht? Gern. Eine Spur des mexikanischen Fernet Vallet steuert eine interessante Nuance Bitterkeit bei; früher oder später wird man den Drink selbstredend auch einmal mit Mezcal probieren wollen. Mit einem eigenen Cola-Sirup und Soda konnte ich ebenfalls bereits gute Ergebnisse erzielen.

Worauf ich hinaus will: Der Drink ist vor allem eines – gefährlich süffig! Will sagen, er verfügt über praktisch keinen Schüttwiderstand und lässt einen – wie alle besonders guten Getränke – bereits während des Konsums mehr davon trinken wollen. Der nächste Cinco del Mayo ist nicht mehr fern – und spätestens dieses Jahr darf es nicht nur an diesem Tag finde ich eine Batanga sein. ¡Salud!

Giffard Alkoholfrei
Credits

Foto: Sarah Swantje Fischer

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