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Bier, Bars & Brauer #3

Ende Februar richtet sich der Blick der Bierwelt auf Bayern und Franken: Bayreuth bekommt eine moderne Braugaststätte und die Braukunst Live! wirft ihre Schatten voraus. Außerdem debütiert in München eine Wanderausstellung zum Reinheitsgebot und in Berlin wartet man tatsächlich auf Dosenbier aus dem Hause Stone Brewing.

Wussten Sie übrigens schon, dass sich sogar kalifornische Craft-Giganten Sorgen um die Berliner Bürgersteige machen? Doch schauen wir zunächst nach Bayreuth, wo seit wenigen Tagen ein neues Mekka nicht nur für Weißbierfreunde seine Pforten geöffnet hat.

Ach du Liebesbier!

Bereits zu Beginn des Jahres berichteten wir, dass Michael König das Team von Maisel & Friends verstärkt und dabei hauptsächlich als Biersommelier in der neuen Braugaststätte Liebesbier in Bayreuth tätig sein wird. Anfang Februar öffnete Bayreuths neue Bierpilgerstätte nun ihre Pforten. Liebesbier bietet an über 20 Zapfhähnen und mit 85 Flaschenbieren (Anzahl steigend) die größte Biervielfalt der Stadt, die eingebettet ist in eine Biererlebniswelt, zu der eine Gläserne Brauerei – die „Brauwerkstatt“ – sowie ein Brauereimuseum gehören.

Laut König ist der Einstand mehr als gelungen: “Wir haben fast jeden Tag ein volles Haus, die Resonanz ist fantastisch. Auch veranstaltungstechnisch sind wir ausgebucht. Sobald es wärmer wird, kommt der Außenbereich hinzu.” Im Moment ist die Mehrzahl der Zapfhähne mit hauseigenen Bieren belegt, doch das sollte Bierliebhaber nicht abschrecken, finden sich darunter doch auch Exklusivitäten wie der Nachfolger des ausgezeichneten Citrilla Weizen-IPAs.

Wächter des Reinheitsgebots

Vom 12. bis 18. Februar gab es in der Alten Kongresshalle München die Ausstellung “Wächter des Reinheitsgebots” zu bestaunen. Thema der Ausstellung sind Fotografien von Dr. Sead Husic, die bayrische Brauer und Bierpersönlichkeiten zeigen, darunter so große Kaliber wie Weihenstephan, Paulaner oder Prof. Dr. Ludwig Narziß, dem Verfasser wissenschaftlicher Standardwerke zum Thema Brauen. Auch kleine und durchaus progressive Brauereien, wie etwa die Pyraser Landbrauerei, werden aufgeführt. Wer die Ausstellung verpasst hat, braucht sich nicht zu grämen, denn sie wird noch bis November als Wanderausstellung durch den Freistaat touren und schließlich auf dem Nürnberger Messegelände ihren Abschluss finden. Unbeantwortet bleibt allerdings die Frage, gegen was die Damen und Herren eigentlich Wache stehen.

Braukunst Live! 2016 – Die andere Seite Bayerns

Fünf Jahre hat das deutsche Bierfestival, das als erstes einen spürbaren Craft-Einschlag vorweisen konnte, inzwischen auf dem Buckel, doch es hält sich weiterhin schadlos: Auch in diesem Jahr wird es zwischen dem 26. und 28. Februar wohl wieder an die 9.000 Besucher (Vorjahr: 8.500) ins MVG-Museum in München locken. Gründe sollten sich genug finden: Über 80 Aussteller repräsentieren mehr als 100 Brauereien und damit mehrere Hundert Biere, 17 geleitete Verkostungen bringen die Gebräue auf fachkundige Weise näher. Dabei lief im Vorfeld bei Weitem nicht alles glatt.

Frank Böer, Initiator und Organisator des Festivals, dazu: “Gerade kleinere Brauereien haben mit den vielerorts anstehenden Feierlichkeiten zum Reinheitsgebot alle Hände voll zu tun und mussten absagen. Außerdem verweigerte man uns in diesem Jahr die Sammelausschank-Lizenz, was eine separate Lizenz für jeden Aussteller bedeutet hätte. Zum Glück half uns der Deutsche Brauer-Bund aus.

Erfreut zeigt sich Böer dagegen über die Dynamik unter den Ausstellern, ein bunter Mix aus groß und klein, traditionell und experimentell. Auch das erneute Erscheinen der Brewers Association aus den USA ist ein positives Signal. Dass es sich bei der Braukunst Live! inzwischen um eine gefestigte und erfolgreiche Veranstaltung handelt, gibt Böer auch an die Aussteller weiter: Es gibt trotz gleich hoher Standgebühren keine Beteiligung des Veranstalters am Umsatz durch Ausschank mehr, was bisher oft zu Unmut unter den Brauereien geführt hatte.

Zwei sehr spannende Entwicklungen dürften einerseits die Präsenz von Alexander Himburg und der Stand von Stone Brewing sein. Ersterer wird erneut zu den Ausstellern gehören, jedoch bewusst nicht unter „BrauKunstKeller“ aufgeführt – der laufende Rechtsstreit schlägt also auch hier Wellen. Des Weiteren wird Stone Brewing ebenfalls auf dem Festival präsent sein – entgegen der US-Firmenpolitik, nicht auf Veranstaltungen auszustellen, die Standgebühren verlangen. Ein leichtes Umdenken für den deutschen Markt im sonst eher starren Ethos der Brauerei ist hier, wie auch bereits beim Braufest Berlin 2015, spürbar.

Stone can do!

Weiter geht’s mit Stone. In unserer zweiten November-Ausgabe hatten wir es bereits angedeutet, nun wurde es auch von Stone Brewing Berlin offiziell bestätigt: Für den deutschen Markt setzt der kalifornische Craft-Überflieger auf die Dose. Damit bleibt man dem Grundsatz treu, immer ein wenig gegen den Strom zu schwimmen und auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Denn die Bierdose hat in Deutschland noch immer einen schlechten Ruf, trotz klarer Vorteile für empfindliche Biere, wie bessere Licht- und Luftundurchlässigkeit. Greg Koch, CEO von Stone Brewing, findet jedoch auch eine andere Erklärung für diesen Schritt: „Ich habe gehört, dass Berlins Bürgersteige mit Glasscherben und Flaschenverschlüssen übersät sind. Hoffentlich wissen es die Berliner zu schätzen, dass wir an dieser speziellen Eigenart Berlins nicht teilnehmen werden.” Wie gut sich Stone-Dosen für Dosenfußball auf der Straße eignen, dürfen angehende Berliner Kicker dann spätestens zur Eröffnung der Brauerei, voraussichtlich im 2. Quartal 2016, ausprobieren.

 

Credits

Foto: Bierflaschen via Shutterstock; Postproduktion: Tim Klöcker

Comments (1)

  • Thomas

    @StoneBrewingBerlin
    Aus was sind denn die Dosen gemacht? Doch wohl aus Aluminium. Ich finde das verwerflich zur heutigen Zeit und bei dem Wissensstand. Erst recht die Tatsache es auch noch so zu vermarkten, als würde man gegen den Strom schwimmen. Meiner Meinung nach ist das einfach nur nicht weit genug gedacht. Und der richtige Weg, Glassplitter auf Gehwegen zu vermeiden ist es bestimmt auch nicht, da liegt die Wurzel des Übels an einer anderen Stelle.
    Und nein, ich bin kein Öko-Nerd oder wie man das bezeichnet, sondern denke nur, dass man vielleicht auch etwas nachdenken sollte. Insbesondere in einer solchen Grossstadt und Szenegebieten, denn wie sonst kann man Leute am besten erreichen. Man sollte diese Plattform wohlbedacht nutzen.

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