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Bier, Bars & Brauer im Oktober 2015 II

Die Brooklyn Brewery bindet sich an den grünen dänischen Riesen, der schottische BrewDog will weiter gefüttert werden, ebenso wie deutsche Kleinbrauer. Und auf dem Bar Convent Berlin hat Brew Berlin eine fulminante dritte Runde hingelegt. Außerdem: der gefühlte 100. Snobismusvorwurf an die Craft-Szene. Prost!

Willkommen zum neuen Bier, Bars & Brauer! Ab sofort werden die aktuellen Neuigkeiten aus der Bier- und Barwelt im zweiwöchtenlichen Rhythmus erscheinen. Dazu kommen weitere, spannende Entwicklungen, die wir im Verlaufe der kommenden Wochen und Monate enthüllen werden. In dieser Woche beschäftigen wir uns mit dem Ende der Zusammenarbeit zwischen Braufactum und der Brooklyn Brewery, dem erfolgreichen Einstand des eigenen Brew Berlin-Messebereichs auf dem Bar Convent Berlin, BrewDogs rekordverdächtigem “Equity for Punks”, Crowd Funding deutscher Kleinbrauer, Hautpflegebier und dem nicht tot zu kriegenden Vorwurf des Craft-Snobismus. Alsdann!

Bye, Bye Brooklyn!

Nachdem die Brooklyn Brewery und Carlsberg bereits bei zwei Brauerei- und Gastroprojekten in Skandinavien zusammenarbeiten (New Carnegie Brewery in Stockholm und E.C. Dahls Brauerei in Trondheim), folgt nun der konsequente Schritt zur gemeinsamen Distribution. Leidtragender ist in diesem Fall der bisherige Distributor in Deutschland, die Radeberger-Tochter Braufactum. Die Biere aus Brooklyn gehörten seit Beginn der Braufactum-Marke zu den Zugpferden des Sortiments, Braumeister Garrett Oliver stellte vielleicht das prominenteste Gesicht für die frühen Präsentationen der deutschen Spezialitätenbiermarke.

Im diesbezüglichen Facebook-Post gibt Braufactum sich jedoch versöhnlich, betont die gute Zusammenarbeit und bedauert den Verlust. Mit der kürzlich erfolgten Aufnahme der Mikkeller-Biere hatte Braufactum die Lücke, die Brooklyn hinterlässt, bereits im Vorfeld gestopft. Weitere prominente Zugänge wurden angedeutet. Im Falle der Brooklyn Brewery hingegen darf man annehmen, dass dieser strategische Schritt die internationale Verfügbarkeit deutlich forcieren wird.

BrewBerlin auf dem Bar Convent Berlin

Im dritten Jahr seines Bestehens bekam Brew Berlin erstmals einen eigenen Messebereich samt Bühne, um Bier und Craft Beer dem Publikum näher zu bringen – mit durchschlagendem Erfolg. Mehr als ein Drittel der Besucher schaute im Bierbereich vorbei, ließ sich von alten Hasen wie Crew Republic, Newcomern wie Berliner Berg sowie dem Stand der dänischen Bierenthusiasten begeistern.
Der Erfolg gibt dem Bier recht, meint auch BCB-Mitbegründer Jens Hasenbein: “Bier ist neben Softdrinks und Spirituosen inzwischen eine tragende Säule unseres Messekonzeptes und entwickelt sich sehr dynamisch.“

BrewDogs Equity for Punks bricht Rekorde

“Equity for Punks” heißt die eigenwillige Mischung aus Shareholding und Crowdfunding, mit welcher der schottische Craft-Riese sich Geld für, einmal mehr, eine größere Brauanlage, abgefahrene Biere und sicherlich neue, internationale Bars wie die in Berlin zusammenklauben will – mit Rekorderfolg. In der vierten Runde von Equity for Punks wurde unlängst nach eigenen Angaben die 10 Millionen-Pfund-Marke durchbrochen.

Bei aller Begeisterung werden auch kritische Stimmen laut: Die Financial Times gibt zu bedenken, dass die Bewertung der Firma überhöht sei und Finanzprognosen nicht offengelegt würden. Außerdem können Anteile nicht, wie bei gelisteten Firmen üblich, nach Belieben verkauft werden, sondern nur einmal im Jahr und auch nur, wenn sich ein Käufer zu den gewünschten Konditionen findet. Das sensationelle Wachstum, das BrewDog seit seiner Gründung 2007 hingelegt hat, kann jedenfalls kaum endlos weitergehen.

All dies macht es zweifelhaft, ob “Equitiy for Punks” wirklich als profitträchtige Geldanlage zu sehen ist, oder eben doch als Crowdfunding aus purer Bierbegeisterung. Goodies wie Sonderabfüllungen und Rabatte in BrewDog Bars zeigen eher auf Letzteres.

Bier und Crowdfunding in Deutschland – eine Hassliebe

Andreas Bogk und sein Berliner Weisse-Crowdfunding setzten einst den Startschuss für Bierprojekte, die Kapital von Privatpersonen zu sammeln versuchen. Seitdem liegen Erfolg und Misserfolg auf Startnext, Crowdcube & Co. eng beieinander: Beer4Wedding versagte, Vagabund hatte Erfolg. Unlängst gesellte sich Brewcifer zu jenen, bei denen es beim Versuch blieb, während Berliner Berg das gesetzte Ziel von € 50.000 bereits erreicht hat.

Die Gründe für Erfolg und Misserfolgsind dabei nicht leicht zu packen. Sicher scheint, dass eine große mediale und soziale Vernetzung vonnöten ist, und dass die Kampagne fortwährende Betreuung erfordert. Belohnungen, die Investoren wirklich Teil der Brauerei werden lassen, helfen ebenfalls. Doch auch weniger greifbare Faktoren wie Humor und das Verkaufen eines gewissen Lifestyles, wie es BrewDog so meisterhaft beherrscht, bestimmen darüber, ob sich der Schritt zum Crowdfunding lohnt.

Mädel, bring die Dolden nach Berlin!

Das Alte Mädchen in den Hamburger Schanzenhöfen ist inzwischen eine Institution in der Bierwelt. Nicht nur bietet es gehobene Gastronomie zu gutem Bier, auch die verschiedenen Bierfeste wie die Craft Beer Days sind im Kalender Bierbegeisterter rot angestrichen.

Nun drängt die Nordmann-Gruppe, Getränkefachgroßhändler, Gastro-Unternehmer und Investor der Ratsherrn Brauerei und des Alten Mädchens, verstärkt in die Hauptstadt. Während The Pier (MIXOLOGY berichtete) ein unabhängiges Konzept verfolgt, erkennt man in der neuesten Dependence, dem Doldenmädel, eindeutig die Verwandtschaft zur älteren Schwester. Zumindest die Location, direkt am Mehringdamm im Kreuzberger Bergmannkiez, ist vielversprechend gewählt und sollte für raschen Zulauf sorgen.

Japanisches Kollagen-Bier zur Hautpflege?

Dass Bier gut für die Haare ist, besonders wenn man sich noch ein rohes Ei über dem Schädel zerbricht, ist inzwischen recht verbreitet. Nun will Suntory, vielen eher aus dem Whisky-Bereich ein Begriff, durch Bier mit Kollagen-Anteil japanische Frauen zum flüssigen Gold bringen. Erfolgreich? Nein, denn tatsächlich negiert der hautschädigende Effekt von Alkohol die positiven Wirkungen, und die zwei Gramm Kollagen pro Dose reichen einfach nicht, um dies auszugleichen, wie dieser Artikel bei den Kollegen vom Forbes Magazine enthüllt.

Das Letzte zum Schluss

Der Connaissör hat’s schwör. Wie oft müssen sich jene, die Vielfalt predigen, eigentlich noch anhören, sie wären snobistische Ausgrenzer? Diesmal bemüht sich Franziska Bulban für Spiegel Online um die Rettung der kumpelhaften Stammtischkultur vor den Craft-Beer-Elitaristen. Akt Tausend, Szene die Xte. Auf zu einer weiteren Tirade, geschmückt mit Craftausdrücken!

Doch halt, der Artikel gibt sich eigentlich recht versöhnlich, wäre da nicht diese überall mitschwingende Forderung, wir Biersnobs mögen unseren Kram doch bitte im stillen Kämmerlein zelebrieren, Otto Normalpilstrinker aber gefälligst nicht sein Feierabendbier verhageln. Nichts bringt die verdrehten Tatsachen der Lagerlightkultur besser zum Ausdruck als Bulbans Fazit: “Bier muss das Getränk des einfachen Genusses und der Verbrüderung bleiben. Sonst hat Bier in Zukunft vielleicht mehr Geschmack – aber weniger Seele.”

Immer gleiche Lager, egal ob aus bayrischem Familienbetrieb oder vom norddeutschen Pilsriesen, uniform auf den kleinsten, gemeinsamen Geschmacksnenner getrimmt? Oder eine internationale, offene Szene kollaborierender Brauer, in der – wenn ein Bier nicht schmeckt – noch 20 weitere aus dem Keller geholt werden, in der tatsächlich lokal gemacht und global gedacht wird? Was davon klingt mehr nach Bier mit Seele?

Cheers und bis zum nächsten Mal!

Credits

Foto: Bierglas via Shutterstock

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