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BIER, BARS & BRAUER #9

Der Mai lockt mit schönem Wetter in den Biergarten, und einen solchen wünschen sich auch Brlo zu ihrer neuen Brauerei.  Doch dunkle Wolken ziehen am Horizont auf:Preisabsprachen in der deutschen Bierindustrie rufen erneut das Kartellamt auf den Plan, und AB-InBev versucht dieses vor dem Megamerger mit SAB-Miller präventiv zu besänftigen, indem man eine Traditionsmarke abstößt.

Als Pilsener Urquell zu SAB Miller ging, war das Geschrei groß – doch, wie nun vielleicht auch die geschäftliche Liaison, war es nicht von allzu langer Dauer. Es wird spannend, wer nun alles um das erste Pilsener der Welt buhlen wird. Bevor wir im Anschluss zu den freudigen Nachrichten aus den USA und Berlin kommen, geht es zunächst einmal in die Abgründe der Geschäftemacher:

Preisabsprachen mit AB-InBev sorgen für Millionenstrafen

Einmal mehr haben Preisabsprachen zwischen Bierbranche und Handel das Kartellamt dazu bewogen, Millionenstrafen zu verhängen. Ab-InBev, Mutterkonzern der Marken Beck’s, Hasseröder und Franziskaner, soll mehrfach Ladenpreise sowie Stichtage für Preiserhöhungen bei den drei Hauptmarken mit Händlern wie der Metro AG, Netto, Edeka, Rewe, Kaufland oder A. Kempf Getränkegroßhandel GmbH abgesprochen haben. Aufgrund frühzeitiger Kooperation kommt AB-InBev jedoch wie schon 2014 beim Bierpreisskandal auch diesmal ungeschoren davon.

Die gut 90 Mio. Euro Strafzahlungen tragen die Handelsketten. Neben Bier sind auch weitere Produkte von Preisabsprachen betroffen gewesen, so etwa Haribo-Produkte bei Lidl oder Melitta-Produkte bei Rossmann. Letztere legte als einzige Kette Widerspruch beim Oberlandesgericht Düsseldorf ein. Die Gesamtsumme der Strafzahlungen beträgt über 242 Millionen Euro.

Pilsner Urquell zu verkaufen?

Nein, nicht das Bier im Laden ist gemeint, sondern die gesamte Brauerei. Denn im Zuge der gigantischen Übernahme der weltweiten Nummer Zwei SAB Miller versucht AB-InBev nun auf der ganzen Welt, die Kartellämter gnädig zu stimmen. Bereits im letzten Jahr wurde dazu bekannt, dass die SAB Miller-Marken Meantime, Grolsch und Peroni an die japanische Asahi Group veräußert werden würden.

Nun wird wohl auch die Pilsmarke, welche sich als Ursprung des Stils betrachten darf, aus dem Portfolio entfernt. Pilsener Urquell ist Teil eines rund 6 Milliarden Euro schweren “Osteuropa-Pakets”, welches Marken und Brauereien in Ungarn (Dreher), Polen (Kompania Piwowarska), Tschechien (Plzenský Prazdroj/Pilsener Urquell), Slowakei (Pivovary Topvar) und Rumänien (Ursus) umfasst. Wahrscheinliche Interessenten wären erneut die Asahi Group, die damit ihre neugewonnene europäische Präsenz stärken könnte, oder auch Molson Coors, welche nach ihrer Akquise von StarBev (Staropramen) im Jahr 2012 vielleicht erweiterte Präsenz anstreben.

Brlo Brwhouse: Keine Kuckucksbrauer mehr, oder doch? – Brlo baut mobile Brauerei

Nachdem sie soeben erst ihr Pale Ale bei Air Berlin untergebracht (MIXOLOGY berichtete) und mit dem German IPA ihr Standardsortiment um ein weiteres Bier erweitert haben, folgt nun der nächste Streich: die eigene Brauerei! Dafür hat man sich von BrauKon ein 20-Hektoliter-System bauen lassen, welches dann in einer neuen Anlage direkt am Park am Gleisdreieck zum Einsatz kommen wird. Diese umfasst neben der Brauerei einen Schankraum mit 20 Hähnen, ein Restaurant unter der Ägide von Neue Heimat-Veteran Ben Pommer und einen Biergarten. Das Besondere an dem Gebäude: Es besteht aus Schiffscontainern und ist beweglich. Wer jetzt an die Platoon-Kunsthalle im Prenzlauer Berg (oder auch in Seoul) denkt, ist auf der richtigen Fährte, denn die Architekten kommen in beiden Fällen aus dem Studio Graft.

Standorttreu bleibt man bei Brlo also womöglich nicht, treu jedoch den scheinbaren Zungenbrechern: Brlo Brwhouse heißt das Projekt. Wir freuen uns jedenfalls schon auf eine inoffizielle Brlo-Afterparty nach dem Bar Convent 2016, denn die Station Berlin ist ja nur einen Katzensprung entfernt. Ein paar salzige Brzeln zum flüssig Brt brngen wir auch mit, vrsprochen!

Credits

Foto: Flaschen via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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