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Bier, Bars & Brauer #4

Deutschlands Biertrinker zittern vor Glyphosat, der weltgrößte Bierkonzern zittert vorm chinesischen Kartellamt und muss verkaufen und Camba Bavaria zittert vor Nachbarschaftsklägern. Das Urteil im Falle BrewDog gegen Hofmark hingegen ist gefällt und es gibt einen Hoffnungsschimmer für den Braukunstkeller.

Glyphosat knackt die Schutzglyphe des Reinheitsgebots! Offenbar schafft es Bier nur dann vermehrt in die Massenmedien, wenn mal wieder irgendetwas damit nicht stimmt, und dann ist auch kaum Platz für etwas anderes, während Gerstensaft zum Spielball politischer Interessen wird. Das sich das Rad trotz allem weiter dreht, zeigen weitere Neuigkeiten aus der Bierwelt. Also auf zum ersten Bier, Bars & Brauer im Monat März.

Die Glyphosaat des Bösen – Herbizid in deutschem Bier

Es ist in diesem Jahr mit Sicherheit der größte Aufreger in der Bierwelt bisher: Glyphosat. Das Unkrautvernichtungsmittel steht im Verdacht, erbgutschädigend und krebserregend zu sein. Es wurde in den Siebzigern vom inzwischen arg in Verruf geratenen Monsanto-Konzern erstmals eingesetzt und kommt weitläufig auch in der deutschen Argrarindustrie zum Einsatz. Nun ergab ein Test des Umweltinstituts München, dass sich der Wirkstoff teils in 300fach höherer Konzentration als (für Trinkwasser) zulässig in des Deutschen liebster Malzbrause findet. 14 Biere wurden getestet, den unrühmlichen Spitzenplatz belegte das zum weltgrößten Braukonzern AB-InBev gehörende Hasseröder Pils mit 29,74 Mikrogramm pro Liter.

Der Deutsche Brauer-Bund zögerte verständlicherweise nicht lange und veröffentlichte eine Gegendarstellung, in der er die Studie erheblich in Zweifel zog: Einerseits sei der Einsatz von Glyphosat nichts Neues und laut Bundesinsitut für Risikobewertung sei erst bei einem Konsum von ca. 1000 Litern Bier pro Tag eine Gefährdung zu erwarten, andererseits stufte man die Veröffentlichung der Studie zum jetzigen Zeitpunkt als politischen Schachzug ein, um auf die anstehende Abstimmung der Bundesregierung, den Einsatz von Glyphosat für weitere 10 Jahre freizugeben, Einfluss zu nehmen.

Die Debatte hinterlässt gemischte Gefühle, denn selbst wenn niemand 10 Hektoliter pro Tag konsumieren kann, und auch wenn Alkohol weiterhin die mit Abstand gefährlichste Substanz im Bier bleibt (auch als Karzinogen), ist die Belastung durch Glyphosat nicht auf den Gerstensaft beschränkt und damit Teil eines größeren Problems. Außerdem führt sie dem Konsumenten einmal mehr vor Augen, dass das Reinheitsgebot nicht davor schützt, dass sich solche Stoffe im Bier wiederfinden, und bietet Gegnern der Verordnung ein gefundenes Fressen.

Baustopp für Camba

Brauanlagenhersteller BrauKon und die Brauerei Camba Bavaria müssen den Bau ihres neuen Fabrikgebäudes in Seeon/Bayern vorerst stilllegen. Ein Eilantrag beim Münchener Verwaltungsgericht, eingereicht von einer verärgerten Nachbarin, erwirkte den Baustopp ab dem 2.3.2016. Trotz erteilter Baugenehmigung wehren sich die Einwohner gegen das, was sie als Industriegebiet im Zentrum ihrer idyllischen Gemeinde empfinden. 10.000 m² der verfügbaren, 11.000 m² großen Fläche haben BrauKon und Camba erworben, nun beschweren sich die Anwohner, dass ihnen der Gemeinderat ein “kleines, verträgliches Gewerbegebiet“ vorgegaukelt habe, obwohl dort unter anderem ein 90x40m großes und 11m hohes Gebäude entstehen soll.

BrauKon-Geschäftsführer Markus Lohner ist verärgert, er beziffert die möglichen Verluste im sechstelligen Bereich pro Monat, in denen die Bauarbeiten nicht fortgesetzt werden können. Sollte das Projekt scheitern, könne sogar “eine komplette Neuorientierung der Firmen BrauKon und Camba Bavaria” nötig sein, so Lohner.

Vorläufige Waffenruhe

Mit Spannung verfolgten wir in den letzten Ausgaben von Bier, Bars & Brauer einerseits den Streit um den deutschen BrewDog-Import, anderseits das Schicksal von Craft-Pionier Alexander Himburg und seinem BrauKunstKeller. An beiden Fronten hat sich die Aufregung ein wenig gelegt, und zumindest eine ist vorerst geklärt:

2016 bleibt Hofmark offizieller Exklusivimporteur für die schottische Craft-Marke. Burkhart Cording, Geschäftsführer bei Hofmark, bestätigte dies und machte deutlich, dass man sowohl BrewDog gemeinsam mit dem Neuzugang Thornbridge in Deutschland weiterhin aktiv fördern werde. Dass dies im Falle der Schotten 2017 fortgesetzt wird, ist jedoch nach momentanem Stand der Dinge nicht zu erwarten.

Seit dem 2.2.2016 ist Cordings Anwaltskanzlei zudem beim deutschen Marken- und Patentamt als Vertreter der Marke Braukunstkeller eingetragen. Damit wird die Vermutung gestärkt, dass die Zusammenarbeit zwischen Hofmark und Himburg in Zukunft über das reine Kuckucksbrauen hinaus gehen wird. Himburg deutete MIXOLOGY gegenüber an, dass in Kürze ein Relaunch der Marke BrauKunstKeller zu erwarten sei.

BREWDOG ZUM SELBERBRAUEN

BrewDog weiß, wie man Schlagzeilen macht, und deswegen gibt es gleich nochmal schottische Braukunst, diesmal zum Selbermachen: Unter „Do it yourself Dog“ (DIY-Dog) veröffentlichte man unlängst 215 der eigenen Bierrezepte, vom alltäglichen Punk IPA bis zum 55%-Vol.-Monster The End of History. Sämtliche Details, die ein professioneller Brauer benötigen würde, um exakte Kopien zu erstellen, finden sich zwar nicht in den Beschreibungen, sie lassen sich jedoch implizieren, und für Heimbrau-Annäherungsversuche reicht es allemal. Wer sich über soviel Großzügigkeit wundert, dem sei gesagt: BrewDog verkauft auch Heimbrau-Kits, die das Nachbrauen besonders einfach gestalten. BrewDog bleibt also seinem Ruf treu, ungewöhnliche Geschäftsmodelle aggressiv, aber auch mit einem Augenzwinkern zu vermarkten.

So begrüßten die Firmengründer Martin Dickie und James Watt ihre versammelte Belegschaft (inzwischen über 500 Angstellte weltweit) bei der ersten globalen Mitarbeiterversammlung, genannt  “Blackout Day”, mit der Ankündigung, die Brauerei an AB-InBev und die Pubs an die Wetherspoon-Kette zu verkaufen. Typischer BrewDog-Humor eben.

Chinesischer Schnee – Resources Beer wird Marktführer in China

Snow ist das meistgetrunkene Bier der Welt, und es stammt aus Fernost. Nicht nur daran zeigt sich, dass die Volksrepublik mehr und mehr auf den Biergeschmack kommt. Nun wird das beliebteste Bier Chinas vollständig chinesisch:
Nachdem AB-InBev im Zuge der Übernahme von SAB Miller (eine Fusion der weltweiten Nummern 1 und 2) schon in den USA einen Großteil seines Geschäfts veräußern musste, um sich der Zustimmung des US-Kartellamtes zu versichern, stößt SAB Miller nun in Vorbereitung des Mega-Mergers seine Anteile an der Marke Snow ab. Der Käufer ist China Resources Beer, die damit für recht günstige 1,6 Milliarden US-Dollar zum Marktführer im Lande avancieren.

Credits

Foto: Flaschen via Shutterstock. Postproduktion: Tim Klöcker.

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