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bijou cocktail

Ein Juwel der Extraklasse: Der Bijou Cocktail

Das von Harry Johnson aufgeschriebene Juwel hat Staub angesetzt: Der Bijou Cocktail geriet im Wandel der Zeiten in Vergessenheit. Dabei ist der Drink aus dem 19. Jahrhundert eine hervorragende Kombination aus Gin, Wermut und grüner Chartreuse. Vor allem, wenn man deren Verhältnis an die Gegenwart anpasst.

Warum eigentlich geraten Drinks in Vergessenheit? Ist es die Abkehr der Bevölkerung durch neu aufflammende Geschmäcker? Liegt es daran, dass die den Klassikern nachgesagte Verkleidung in manchen Fällen eben doch nicht zeitlos ist, oder ist die Ursache vielmehr darin zu suchen, dass der bekanntere Bruder dem recht ähnlichen Klassiker ein Schattendasein aufbürdet, das diesen am Überleben hindert? Womöglich ein wenig von allem.

Es ist des Menschen Naturell, Dinge zu vergessen; durchzechte Nächte, an Banalität kaum zu übertreffende Randinformationen, aber auch unsere eigene Geschichte. Das Gehirn funktioniert dabei ähnlich wie ein Speicher. Es tauscht unwichtige Ereignisse mit jenen Momenten aus, die einen höheren emotionalen Stellenwert genießen, überholte Informationen werden durch neueste Erkenntnisse ersetzt. So geraten Dinge auch in Vergessenheit, wenn ihre Präsenz abnimmt.

Erstmals aufgeschrieben von Harry Johnson

Der Bijou Cocktail ist ein Drink, den dieses Schicksal ereilt hat. Irgendwann wurde er einfach nicht mehr serviert. Möglicherweise erfreute sich der Gast fortan am Martinez, der ihm sehr ähnlich ist, aber das weiß man nicht so genau. Was man allerdings weiß: Der Bijou Cocktail ist ein wahres Urgestein der Bar. Er entstand mit der aufkommenden Wermut-Welle in den USA im späten 19. Jahrhundert um das Jahr 1880 und fand seine erste Niederschrift in Harry Johnson’s Barmanifest: „New and Improved Bartender Manual“.

Aus dem Französischen übersetzt bedeutet „un bijou“ ein Juwel. Hat dieser Drink ein solches Prädikat überhaupt verdient? Definitiv. In seiner klassischen Komposition aus Gin, rotem Wermut und Chartreuse Vert sowie einem Hauch Orange Bitters schmiegt er sich nicht nur an den klassischen Zeitgeist der Vergangenheit, er gestaltet sich auch als äußerst komplexer Drink. Die kraftvollen Noten des Gin im Zusammenspiel mit den süßlich-herben Noten des Wermuts treffen auf eine wirkungsstarke, kräuterliche Chartreuse. Abgerundet durch floral anmutende Orange Bitters, die ihm die nötige Tiefe verleihen, steht der Drink geradezu Sinnbild für die heute gelebte Renaissance der Passé.

Die Mischung macht’s im Bijou Cocktail

Dale DeGroff, Bartender, der keiner Vorstellung bedarf, sieht die Sache ähnlich. Er allerdings verweist darauf, dass ein der damaligen Rezeptur von Harry Johnson entsprechender Bijou Cocktail dem heutigen Geschmacksgeist in keiner Weise entspräche.

Und er hat Recht. Schließlich ist die frühe Rezeptur aus gleichen Teilen Gin, Wermut und Chartreuse obsolet und überladen. Sie macht den Klassiker geradezu kaputt. Hat man in der damaligen Zeit die Präsenz des Gins im Cocktail aufgrund seiner im Vergleich zu heutigen Verhältnissen dilettantischen Herstellung mit anderen Zutaten zu kaschieren versucht, hat sich die Geschichte mittlerweile dahin gehend gewandelt, dass Gin als Spirituose die Hauptrolle einnehmen kann. Wie auch im Martini übrigens.

Und so wandelt sich das, was zunächst eine Gemeinsamkeit mit dem Martinez aufwies, unter heutigem Gesichtspunkt in eine Abwandlung des Klassikers per se. Macht das einen Drink nicht gerade aus? Er ist unserem Gehirn insofern sehr ähnlich. Auch wir verdrehen und verändern, bevor wir vergessen. Er bleibt jedoch in Erinnerung, der Bijou, ein wahrliches Juwel der Cocktail-Mine.

Bijou Cocktail(adaptiert nach John Harvalis)

Zutaten

7 cl Gin

2 cl roter Wermut

1 cl Chartreuse Vert

1 Dash Orange Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten in ein Rührglas geben und auf Eiswürfel gut und lange kalt rühren. Anschließend in eine Cocktailschale einfach abseihen. Mit einer Orangenzeste abspritzen.

Glas

Cocktailschale

Garnitur

Orangenschale

Credits

Foto: Foto via Tim Klöcker.

Comments (8)

  • Jens Kümmerer

    Ich würde auch lieber einen Kommentar zum Cocktail bzw. zum Artikel schreiben, aber leider geht die Paywall mal wieder nicht weg, obwohl mein Jahresabo noch zwei Monate gültig ist und ich bei Laterpay eingeloggt bin. Das hatte ich zuletzt häufiger und es ist extrem ärgerlich… :/

    reply
    • Redaktion

      Lieber Jens,

      das tut uns Leid. Wir werden uns persönlich mit Dir in Verbindung setzen, um das Problem zu beheben.

      Herzliche Grüße aus dem Redaktionsbüro // Nils Wrage

      reply
  • Jens Kümmerer

    Ich würde auch lieber einen Kommentar zum Cocktail bzw. zum Artikel schreiben, aber leider geht die Paywall mal wieder nicht weg, obwohl mein Jahresabo noch zwei Monate gültig ist und ich bei Laterpay eingeloggt bin. Das hatte ich zuletzt häufiger und es ist extrem ärgerlich… :/

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    • Redaktion

      Lieber Jens,

      das tut uns Leid. Wir werden uns persönlich mit Dir in Verbindung setzen, um das Problem zu beheben.

      Herzliche Grüße aus dem Redaktionsbüro // Nils Wrage

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  • Alex

    Hallo,

    auch bei mir geht die Paywall nicht weg… trotz Bezahlung.
    Passiert hier (bei diesem Rezept) durchwegs… bei anderen sporadisch.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet!

    Danke!

    reply
    • Redaktion

      Hallo Alex,

      wir bitten dafür um Verzeihung. Wir melden uns mit einer persönlichen Nachricht bei Dir.

      Herzliche Grüße aus der Redaktion // Nils Wrage

      reply
  • Alex

    Hallo,

    auch bei mir geht die Paywall nicht weg… trotz Bezahlung.
    Passiert hier (bei diesem Rezept) durchwegs… bei anderen sporadisch.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet!

    Danke!

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    • Redaktion

      Hallo Alex,

      wir bitten dafür um Verzeihung. Wir melden uns mit einer persönlichen Nachricht bei Dir.

      Herzliche Grüße aus der Redaktion // Nils Wrage

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