Mixology: Magazin fur Barkultur

Das Zeitalter der Netzwerke (I)

Blog 3.4.2009 8 comments


Diese Serie beschäftigt sich mit der Notwendigkeit und Wirksamkeit von Netzwerken für den Berufstand des Bartenders.

Das hier eingangs genutzte Zitat habe ich mir seit Monaten für diese Blogserie aufgehoben. Es erreichte mich als Reaktion auf diesen Eintrag zum Bartender-Netzwerk Toptender. Versandt wurde es an mich aus den Reihen genau dieser Gruppierung. Der Name der Person tut nichts zur Sache und ich habe ihn oben auch mit "Mr. X" unkenntlich gemacht. Er ist mir vorher nicht geläufig gewesen und ich habe ihn mir auch nach dem Lesen der Email nicht gemerkt. Die "Rechtschreibung" allerdings habe ich original übernommen.

Seit ich zum ersten Mal den Shaker in der Hand hatte, sind mir Menschen, die  Lautstärke mit Leistung verwechseln, zuwider. In meiner Zeit hinter den Tresen Zürichs, Wiens, Londons und Berlins, habe ich genügend Vertreter dieser Spezies kennen gelernt. Und generell steht ein zu großes Ego auch einem langfristigen Weiterkommen im Beruf im Wege. Nicht nur unser Beruf, der des Bartenders, ist ein Beruf, der Team-Fähigkeit erfordert. Die Entwicklung unserer menschlichen Zivilisation war nur möglich, weil sich Menschen in Gruppen zusammen fanden. Nur in der Gruppe war es für Urmenschen etwa möglich, über Tage ein Feuer zu unterhalten oder gar ein Mammut zu erlegen, um mal ein etwas drastisches Beispiel zu wählen.

Netzwerke dienen dazu das Wissen vieler zu bündeln und anderen zugänglich zu machen. Eine anschauliche Episode über die Wirksamkeit eines Netzwerkes schildert der amerikanische Journalist Jeff Jarvis in seinem Buch "What would Google do?". Protagonist der Geschichte ist, wie sollte es auch anders sein, Marc Zuckerberg, der Gründer von Facebook, dem populärsten sozialen Netzwerk im Internet, um das es in einer späteren Folge dieser Serie gesondert gehen wird.

Wie Netzwerke funktionieren

Wie viele Studenten war auch Zuckerberg mit dem Problem konfrontiert, zu wenig Zeit (und Motivation) in der Vorbereitung einer Prüfung zu haben. Der smarte Amerikaner stellte daraufhin Bilder, die in einer bevorstehenden Kunst-Klausur behandelt werden würden, ins Internet und bat seine Kommilitonen per Mail darum, Kommentare unter die einzelnen Bilder zu schreiben. Innerhalb kürzester Zeit kam so eine Menge an Information zusammen und Zuckerberg konnte sich die aufwändige, eigene Recherche  zum Thema sparen.

Er bestand die Klausur mit Bravour. Der Professor in dem entsprechenden Kurs teilte außerdem mit, dass der gesamte Notendurchschnitt dieser Arbeit einiges besser ausgefallen sei, als in sonstigen Klausuren. Der Netzwerker Marc Zuckermann, der später sein Talent zum Geschäft ausbauen sollte, hatte eine Plattform geschaffen, wo jeder sein Wissen teilen und sich durch diese Bereitschaft individuell verbessern konnte. Vom Teilen profitierten also alle.

Die Cocktailbar als Mikro-Netzwerk

Genauso wie ist es in einem Bar-Team. Verschiedene Individuen haben unterschiedliches fachliches Wissen, sprechen verschiedene Gästegruppen an und erfüllen auch verschiedene Rollen in den Arbeitsabläufen. Nehmen wir das Beispiel einer fiktiven Berliner Bar, die ich an ein reales Vorbild anlehne. Die Bar hat ca. 100 m2 Grundfläche und ein Team von mehreren Personen, bestehend aus Voll- und Teilzeitmitarbeitern.

Es gibt in dieser Bar einen Mitarbeiter, der die Rolle des Gastgebers erfüllt. Er besitzt sehr starke kommunikative Qualitäten und kennt die Stammgäste und ihre Vorlieben. Das Begrüßen, Unterhalten und Verabschieden der Gäste ist zeitintensiv. So ist es klar, dass die Arbeit dieser Person im Service und hinter der Bar von anderen Mitarbeitern aufgefangen werden muss.

In der Bar gibt es ein, zwei technisch hervorragende Bartender, die einen Drink auch unter großem Druck nuanciert und balanciert auf den Tresen oder das Tablett des Service-Personals bringen. Allerdings besitzen diese Mitarbeiter nicht das gleiche Interesse an Gästen wie ihr Kollege, der den „Floor" macht, während dessen Drinks wiederum immer ein wenig an Sorgfalt vermissen lassen. Beide, Gastgeber und Cocktail-Spezialisten, sind also Meister auf ihrem Gebiet. Fehlt der eine in dieser Bar, ist ein Besuch nur die Hälft wert, da ich nicht begrüßt werde und in ein kommunikatives Vakuum hineinlaufe. Fehlt einer der anderen wiederum, werde ich zwar begrüßt und platziert, muss aber eher zu einem Longdrink greifen, weil ich keinen so guten Cocktail bekomme, wie sonst.

Das Verständnis für die jeweiligen Talente des anderen und auch dessen Mängel, macht aus diesen Individuen ein starkes Team. Und genau so wie dieses Bar-Team funktionieren auch größere Bartender-Netzwerke.

In den nächsten Teilen der Serie werden verschiedene Netzwerke für Bartender vorgestellt.


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