Mixology: Magazin fur Barkultur

Spiegelschau

Blog 12.6.2009 21 comments

Eigentlich sollte die Überschrift über diesem Blogeintrag "Und was macht eigentlich Goncalo?" heißen. Ja, was macht eigentlich Goncalo de Sousa Monteiro? Nachdem das frühere Mitglied der Victoria Crew, das auch für unser Medium als Autor tätig war, in Hamburg Le Lion mit aufgesperrt hatte, war wenig von ihm zu hören. Grund sich mal wieder auf einen (oder mehrere) Drinks zu treffen. Goncalo ist jetzt designierter Barchef der "Admirals Bar". Und wartet, dass er die flüssige Stätte im Imperium von Falk Walter, dem Geschäftsführer des renovierten städtischen Kleinods an der Friedrichstrasse, endlich eröffnen kann.

Bevor wir im nahgelegenen Windhorst einkehrten, gab Goncalo eine Führung durch die zukünftigen Räume der Bar. Sie befindet sich im unteren Geschoss des Gebäudes und wird über eine unscheinbare Treppe im Hof zu erreichen sein. Wenn sie fertig ist, soviel verspricht der Blick hinter die Abdeckplanen (siehe Bild oben), wird die Admirals Bar ein schickes Domizil im Stil der 20er-Jahre. Neben der Bar befindet sich der zukünftige Club, der laut den Betreibern 500 Personen fassen soll. Im Blog des Admiralspalastes wird erklärt, weshalb es zu der Verzögerung kam und Goncalo derzeit die Hände gebunden sind:

"Neben den vielen positiven Momente gab es in diesem Jahr kurz vor der Berlinale einen unverschuldeten baulichen Rückschlag für die Betreiber. Eigentlich sollte zu dem Filmereignis Anfang Februar im Keller des Gebäudes der neue Admirals-Klub für 500 Besucher eröffnet werden. Doch kurz vor der Fertigstellung des Saals wurde ein Großteil der Inneneinrichtung durch eine ungewöhnliche Baupanne zerstört.

Bei Fundamentarbeiten auf dem Nachbargrundstück der Friedrichstraße 100 wurden die Außenwände des Admiralspalastes von tonnenschweren Betonmassen eingedrückt (wir berichteten). Die Schadenshöhe liegt laut Falk Walter im sechsstelligen Bereich. Im Frühsommer soll nun der zweite Eröffnungsversuch gestartet werden."

Nach der Besichtigung gings wie gesagt in das benachbarte Windhorst, wo ich zur Feier des Tages eine von Goncalos Kreationen, den "Beuser & Angus Special" bestellte. Ein Ergebnis unserer Unterhaltung war, dass Goncalo demnächst wieder sein kreatives Denken in die flüssige Seite von Mixology einbringen wird. Ich freue mich schon auf die erste Session an der Mixology Bar, denn für mich ist Goncalo einer der technisch besten Bartender Europas, wenn nicht der Welt. 

Was aber hat die Überschrift "Spiegelschau" mit diesem Blogeintrag zu tun? Goncalo und ich unterhielten uns auch über die Schwierigkeit von "Ego" in unserer Branche. Gerade die Kommentare und der Gossip der letzten Zeit sind ein Zeichen dafür, dass viele Leute offenbar vergessen haben, wo sie anfingen. An dieser Stelle des Gesprächs machte ich Goncalo den Vorschlag, dass wir unsere ersten, ehrlichen Barerfahrungen hier in den Blog posten. Unsere Leser sind herzlich dazu aufgefordert, es uns gleich zu tun! Ich mache den Anfang:

"In meiner ersten Bar mixte ich scheußlich übersäuerte Drinks und war eine Null im Gästeumgang. Außer ‚Guten Abend‘ und dem Überreichen der Karte betrieb ich keinerlei Kommunikation. Aber ich wechselte die Aschenbecher! ;)"

Mal sehen, was hier zusammen kommt, und wer den Blick in den Spiegel wagt. Prosit!

21 comments

  1. Stefan Stevancsecz

    @Helmut Adam
    oaky Herr Kollege – dann packe ich einmal ein paar Kippen für den 29.06. ein und werden dann schauen wer der „Gott des Aschenpinsels“ ist (….wenn uns fad werden sollte)
    der Sieger bekommt ein Tanqueray Tonic – der guten alten Zeiten willen;-)
    @bra tender
    dieser oben genannte Wettstreit ist dann halt als Nostalgie-Fight zu sehen

  2. Goncalo

    Die anerkennenden Worte erfreuen mich wirklich Sehr.

    Mein erster gastronomischer Schritt war als Spüler.
    An meine erste Bar Schicht kann ich mich nicht mehr erinnern.
    Bin immer noch traumatisiert von der klebrigen Explosion.
    Ein Whoodini, sprich Vodka mit Bitter Lemon. Geschüttelt!

  3. dieblondeausmsaarland

    ich sag nur „buffetkraft“ in der klostergaststätte marienstatt – busseweise wallfahrtswütige senioren und kännchen kaffee und käse-sahne am fließband! hab nirgendwo mehr über die bedeutung von mise en place gelernt 😀

  4. sanjaych

    einer meiner ersten jobs als barman war es bei einer neueröffnung einer bar den ganzen abend lang nur caipis zuzubereiten und das drei abende am stück – die ersten anderthalb abende mit der rechten hand, danach war vor lauter schwielen an der rechten, nur noch die linke hand zum muddeln zu gebrauchen (die rechte wurde dafür permanent beim achteln der limetten desinfiziert…)

    am peinlichsten war aber mit sicherheit, dass mir zu meiner zeit in münchen mal der boston shaker beim versuch einen mai tai nur mit einer hand zu shaken aufgeplatzt ist… vor allen gästen an der theke und meinem damaligen chef… zum glück hat das liquide fast ausschliesslich mich selbst erwischt… lustigerweise ist meinem chef beim versuch mich an einem der folgenden abende spasseshalber zu imitieren genau dasselbe passiert – nur hat es bei ihm auch die gäste am tresen erwischt….
    was haben wir lachen müssen…

  5. Dominik.mj

    Sehr cooles Thema…

    Nach meiner Lehre, habe ich in einer Lobby Bar angefangen… Meine Beschaeftigung: Cappuccino fuer die Gaeste zuzubereiten [und manchmal ein Wasserchen dazu], und vor allem Glaeser vom Restaurant polieren… [die Chefin war die Restaurant Leiterin mit der Meinung: Cocktails kokolores…]. Die wenigen Drinks die ich machen durfte brauchten einige Zeit, da ich ein Buch konsultieren musste…

    Spaeter in einer Discothek habe ich einen Martini Cocktail in einem Cognac Schwenker serviert, da es keine Martini Glaeser gab… Das war wirklich peinlich….

  6. Erich

    Es war so im Sommer 1992 in einem damalig gut gehenden Szenelokal, ich hinter der Schank beim Bier zapfen, Spritzer (Weinschorle), Kaffee, mal ein Bacardi oder Whisk(e)y Cola herzurichten, da wurden 2 Whiskey Sour bestellt, ich leicht panisch, eh, ja gleich, sofort, aber ja doch, Gott sei dank hatten wir die Bible „American Bar von Ch. Schumann“ Rezept gefunden Seite 196 also ans Werk aber keine Ahnung von oz umrechnung fragen wollte ich nicht „peinlich“ ach ja das berühmte 4-3-2-1 viel mir ein, okay ruhig bleiben, Shaker wo ist dieser gottverdammte Shaker, ach da, gut also 4 cl Four Roses Whiskey runter drücken vom Portionierer, Zitronensaft, ich brauch Zitronensaft, Handpresse wieviel sind 3 cl keine Ahnung Schnapsglas her passt, Zuckersirup kein Zuckersirup, also ein Kandisin mit ein wenig Wasser auflösen, mein 4-3-2-1 System hinfällig, da nur ein Kaffeelöffel des Kandisingemisches dafür aber 2 cl Orangensaft (Tetrapack) komisch steht nicht so bei Schumanns aber egal ich hab ja auch kein Sourglas, Sourglas?? ah Tumbler, Sourglas hätten wir sowieso nicht gehabt, Eiswürfel , ja die Hohleiswürfel in den Shaker, shaken, shaken, komisch kein Klang der Eiswürfel mehr im Shaker, okay fertig, neues!!! Eis ins Glas, und rein mit der Mixtour, Zitronen und Orangenscheibe noch schneiden okay rein damit fertig, kamm mir wie eine Ewigkeit vor, aber wie hat es den Gästen geschmeckt, fragen habe ich mich nicht getraut
    Erich HALBESTADT BAR

  7. klaus st. rainer

    …und wer hat seinen ersten long island icetea geshaket? Kaboooom!

  8. Rick1967

    Ich war geboren in der Stadt und brauchte dennoch das Geld: Ich heuerte bei einem Großen Catering Unternehmen an, das damals die Fischauktionshalle in Hamburg bewirtschaftete. Mein erster Abend, null Erfahrung, jung und…
    Ich kam also an: “ Wir haben heute eine große Veranstaltung, alle LADA (gibt es dieses Auto noch?) Händler Deutschlands treffen sich heute hier.Unser zweiter Mann für die Cocktails ist ausgefallen. Dafür brauchen wir :“ DICH!“
    So ähnlich war das.
    Das Ende vom Lied. Eimerweise zusammengewichstes Zeug: Billiger Rum, Tonnen an Sahne und Kokos…dazu Ananassaft.
    Der geneigte Leser weiß worauf ich hinaus will.
    Denn der Begrüßungscocktail dieser Veranstaltung war ein „Geniestreich“ eines jeden Veranstalters:
    Eine Pina Co“ LADA“….denn so hieß besagtes umworbenes Automobil.
    Ich vergaß zu erwähnen: Miami Vice hatte seine letzte Staffel, ein Handy kannte niemand, Faxen war modern und die Jeans von damals würde ich heute nicht mal Nachts tragen.
    Willkommen im Jahre: 1989.

  9. Rick1967

    Wobei: Wenn ich das hier alles so lese.
    Es könnte auch ein Neues Thema sein:
    Die beklopptesten Gäste und wie ich sie erlegt habe.

  10. Krissi

    1986, Azubi im höchsten und grössten Hotel meiner Stadt:
    Musste in der Hotelhalle aushelfen und Eisbecher servieren. Vielleicht kennt noch jemand diese wackeligen Alubecher, die einen fürchterlichen Stand hatten. Auf jedenfall tapfer und voll konzentriert schlich ich zu den Gästen mit zwei solcher Eisbecher auf einem Tablett. Den ersten konnte ich noch sanft und unfallfrei vor dem Gast abstellen, der zweite landete im Dutt einer Dame…
    Cocktails waren erst 5 Jahre später in einer anderen Hotelbar dran, da wusste ich mich schon ein wenig besser zu bewegen 😉

  11. bra tender

    nicht mir persönlich passiert, aber einer ehemaligen kollegin.
    Sommer, Terrassengeschäft. Eiskaffee, Eisschokolade. Restauranttür bis Terrasse 3 Stufen. Direkt an der Treppe sitzt n Pärchen, die sich ne Pause vom intensiv Shopping genehmigt haben. geschätzte 12232312 Tüten neben der vollkommen hergeschminkten Madame. Und der Kollegin rutschen 2 Becher Eisschokolade vom Tablett. Auf sie, auf ihn, auf ihr weisses Kostüm, in ihre Handtasche, in all Ihre Einkaufstaschen… überall.
    Für ein Foto von ihr in dem Moment würd ich immer noch viel zahlen. Er hat sehr gelacht, und das ganze mit viel Humor genommen. Sie nicht so ganz…
    Ich glaub deren Kaffee ging aufs Haus damals!

    in a bit

  12. Arnoldo

    Mein erster Job in der Gastronomie war in einem Gays & Friends Club, der am Abend im Durchschnitt 1200 Leute fasst. Damals war der Club legendär! Ich war froh mit 18 meinen ersten Job in der Bar/Clubwelt zu bekommen. Ich war Springer und habe Gläser Dosen und Flaschen mit ner Colakiste aufgesammelt. Dabei hat man sehr viele Sache gesehen die man sehen nicht wirklich sehen möchte oder verhalten das man nicht dulden möchte. Da mir nie jemand Platz machte lief ich mit der Colakiste einfach vorraus und rammte die den Personen die mich nicht hörten leicht in den Rücken, so hatte ich immer Platz und konnte meinen Job schnell und sauber erledigen. Später stieg ich auf zum Barbestücker und Supervisor der Springer. Ansage war, wenn der Jacky aus ist füll einfach J.Walker rein. Wenn der J.Walker aus ist nimm der Southern Comfort……..

    Ich habe damals für mein Leben gerne Caipirinha und Vodka Red Bull getrunken und hatte Respekt vor muffeligen sprittigen Whiskey und habe es getan ohne dies zu hinterfragen. Das Schockierende war, an der Bar hat kein Gast es gemerkt…..

    Heute tippe ich den Gästen auf die Schulter um durch zu kommen, und füll höchstens meinen Tee in meine Thermoskanne…..

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