Mixology: Magazin fur Barkultur

Was ist ein Signature Drink? Was ist ein Signature Cocktail?

Blog 26.6.2009 5 comments

Bei Betrachtung der ersten Einträge zum Schweppes Ideenwettbewerb fiel mir auf, dass es offensichtlich Aufklärungsbedarf gibt, was die Eigenschaften eines guten "Signature Drinks" sind. Der Schweppes Ideenwettbewerb ist kein herkömmlicher Cocktailwettbewerb, trotzdem wimmelt es in den Rezepturen an Dashes von Bitters, Infusionen und komplexen Aroma-Kombinationen. Über die Kreativität freuen wir uns sehr, aber wir möchten noch einmal auf die Worte hinweisen, mit denen wir zum Schweppes Ideenwettbewerb aufforderten:

"Auf welche Art kann man "Schweppes Russian Wild Berry" am besten trinken? Mit welcher Spirituose und in welcher Kombination lässt sich Russian Wild Berry an der Bar am besten einsetzen? Mit welcher Garnitur würdest Du den Signature servieren?"

Ein Signature Drink ist die sogenannte "sichtbare Unterschrift", die eine Spirituose oder ein anderes Getränk in der Bar hinterläßt. Eine Kombination mit anderen Zutaten und Aromen, die die Eigenschaften und Markenaussage des Produktes am meisten unterstützt und ins Auge des Betrachters rückt. Gleichzeitig bedeutet ein guter Signature Drink oder Signature Cocktail für eine Spirituose oder Limonade einen Schlüssel zu Präsenz und Umsatz. Ein viel gefragter Signature wandert in die Cocktailkarten und trägt dazu bei, dass die Flaschen keinen Staub ansetzen. Wichtiges Merkmal eines Signature Drinks: Um Breitenwirkung zu entwickeln, muss er einfach umzusetzen sein und hat in der Regel nur wenige Zutaten!

Beispiele für erfolgreiche Signature Drinks

Ein Beispiel für einen immens erfolgreichen Signature ist "Licor 43 mit Milch", eine Kombination, die vor allem in der Clubszene vermarktet wird, aber auch in vielen Bars ins Angebot gewandert ist. Nicht umsonst gibt es bei der Licor 43 Cocktail Competition seit einigen Jahren auch einen Sonderpreis mit Milch. Die Mischung ist insofern auch genial, als sie auf ein im Wareneinsatz günstiges Produkt setzt, dass ohnehin in jedem gastronomischen Betrieb vorhanden ist, und dazu noch nicht "geprägt" wurde im Cocktailbereich. 

Ein anderer grandioser Signature ist "Hendrick’s & Tonic" mit der Gurkenscheibe als Garnitur. Hendrick’s kommuniziert damit eines seiner ungewöhnlichen "Signature Botanicals", die Gurke, und setzte ebenfalls auf ein günstiges, visuell unglaublich präsentes Produkt, das in den Bars durch den Klassiker Pimm’s Cup bereits vorhanden war. Die Gurke hatte noch niemand in dieser Form in einem simplen Drink vermarktet – ich selbst habe in zig Bars erlebt, wie die Gäste diesen Drink, mit einer teureren Spirituose als im herkömmlichen G & T, ausschließlich wegen der Gurke orderten. Dabei erschlägt sie aus Connaisseur-Sicht bei der Massierung, wie sie in den meisten Bars in den Longdrink hineingeschnitten wird, den Charakter des Gins fast völlig. Trotzdem: aus Marketing-Sicht ein Geniestreich!

Was für andere Signatures gibt es noch? "Dark & Stormy" ist ein in einigen Märkten gesetzlich geschützter Signature der Marke Gosling’s Black Seal, die damit einen griffigen Namen für den Rum Mule (Rum, Limette und Ginger Beer) mit ihrem Produkt erfanden. In Großbritannien setzte sich dieser Name überall auf den Barkarten innerhalb kürzester Zeit durch, selbst wenn die Bars einen anderen Dark Rum verwendeten. Grund für die Marke, sich zumindest aus Vermarktungssicht die Rechte an dem Namen zu sichern, so wie es Bacardi vor Jahrzehnten mit dem "Bacardi Cocktail" tat.

Allerdings habe ich noch nicht gehört, dass Gosling’s oder einer der Importeure der Marke gegen eine Bar rechtlich vorgegangen wäre, die einen anderen Rum verwendet. Schließlich hat der griffige Name den Weg geebnet dafür, dass der Rum Mule als Longdrink populär wurde. Jetzt muss man nur noch die Bars abklappern und fragen: "Kennt ihr überhaupt den Original Rum für den Dark & Stormy?" Eine Aussendienstmannschaft hätte für diese Art von Öffentlichkeit, die der Signature in Windeseile erreichte, Jahre gebraucht.

Wie entwickelt man einen Signature für eine Limonade?

Was nun ist ein guter Signature für eine Limonade? Er muss der Limonade Präsenz lassen. Sie darf nicht nur eine Zutat zur Komplementierung der Spirituose sein. Ihr ureigener Charakter muss mit anderen Zutaten komplementiert werden. Die Signature-Kombination für Tonic Water ist Gin, die für Bitter Lemon Vodka, die für Ginger Beer meist Vodka oder Rum. Im Fall von Schweppes Russian Wild Berry ist bekannt, dass die Rezeptur für den skandinavischen und britischen Markt als Mixer für Vodka entwickelt wurde. Allerdings unterscheidet sich der öffentliche Geschmack dort von unserem kontinentaleuropäischen.

Die Lösung für den Signature kann daher ähnlich ausfallen, muss aber nicht. Vielleicht gibt es eben auch eine völlig andere bis dato unbekannte Garnitur wir beim Hendrick’s Tonic oder eine Kombination mit einer Spirituose, die dem Beeren-Charakter viel besser entgegenkommt? Spannende Zutaten habe ich in den Rezepturen schon entdeckt. Nur sind sie leider großteil im Stil von Cocktailwettbewerben "eingepackt". Wer sein Rezept bis zur Deadline am 31.7.2009 aufgrund dieses Beitrags noch ändern will, kann dies problemlos über den Editor machen. Einfach einloggen, den Beitrag aufsuchen und nachbearbeiten. 

Einen schönen Text über Signature Drinks findet man auch in der letzten Ausgabe des regelmäßigen Newsletters *nomy (Edit: auf Wunsch von brand.m Verlinkung geändert) im Blog von von brand.m findet, den man mit allen anderen Ausgaben auf der Schweppes-Seite aufrufen kann. Der Newsletter befasst sich in jeder Ausgabe mit gastronomischen Trends und ist immer hervorrangend recherchiert. Ich kann ihn allen Mixology-Lesern nur wärmstens empfehlen. 

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