Geld

Was verdient ein Bartender? Teil I

Blog 19.2.2007 18 comments

Unsere Autorin Tanja Bempreiksz hat für unsere nächste Printausgabe (Mixology Issue 2/2007 erscheint am 5.4.2007) Bartender rund um den Globus nach den Verdienstmöglichkeiten in ihrer jeweiligen Metropole befragt. Heraus kamen spannende Ergebnisse. Für die GSA-Länder (Germany, Switzerland, Austria) habe wir für den Drinksblog daraus ein Ranking erstellt.

Tanja stellte in ihrer Befragung den monatlichen Nettoverdienst zuzüglich des durchschnittlichen Trinkgeldes den Kosten einer 50m²-Wohnung gegenüber. Somit werden die ungefähren Lebenshaltungskosten der Stadt in Relation zum Verdienst gesetzt.

Weiter betont Tanja, dass es sich dabei nicht um eine empirische Untersuchung handelt! Vielmehr wurden Bartender aus unterschiedlichen Bar- und Gastronomiekonzepten befragt. Außerdem variierte die Zahl der befragten Bartender von Stadt zu Stadt! Das Ranking soll viel mehr als ein erstes Orientierungsmosaik dienen, dass mit eigenen Erfahrungen abgeglichen und vervollständigt werden kann.

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist beispielsweise Wien im Ranking zu tief platziert, auch wenn die Löhne in den Bars dort angeblich unter Druck waren die letzten Jahre. Beim durschschnittlichen Tip dürfte Wien ebenfalls nicht unter beispielsweise Berlin liegen. Die Mietkosten in Zürich wiederum sollte man eher etwas höher ansetzen, geht man von einer städtischen Lage der Wohnung aus.

Decken sich die Zahlen mit Euren Erfahrungen? Wir freuen uns über Feedback. Entweder hier in den Kommentaren zum Eintrag. Gerne aber auch anonym (Money talks, but nobody wants to talk about money…) an tanja [ät] barkeeping.net oder helmut [ät] mixology.eu.

 

LOHN-RANKING GERMANY, SWITZERLAND, AUSTRIA (GSA)

 

1. Platz

Zürich

2.398,80€ Lohn + 924,40€ Tip = 3323,20€

Die Miete entspricht 20% des gesamten Einkommens (665€).

 

2. Platz

München

1350€ Lohn + 1000€ Tip = 2350€

Die Miete entspricht 31,50% des gesamten Einkommens (740€).

 

3. Platz

Köln

1350€ Lohn + 951,50€ Tip = 2301,50€

Die Miete entspricht 24,80% des gesamten Einkommens (571,50€).

 

4. Platz

Dresden

1034€ Lohn + 1000€ Tip = 2034€

Die Miete entspricht 15,00% des gesamten Einkommens (305€).

 

5. Platz

Hamburg

999,90€ Lohn + 1034€ Tip = 2033,90€

Die Miete entspricht 28% des gesamten Einkommens (571,50€).

 

6. Platz

Wien

1476,70€ Lohn + 550€ Tip = 2026,70€

Die Miete entspricht 27,60% des gesamten Einkommens (560€).

 

7. Platz

Berlin

1024€ Lohn + 1000€ Tip = 2024€

Die Miete entspricht 21% des gesamten Einkommens (425€).

 

 

Daten: Tanja Bempreiksz

Text: Helmut Adam

Bildquelle: aboutpixel.de moneymoney © Petra Bork

18 comments

  1. Mike Triobar

    Wie immer eine ueberaus gelunge und fundierte Antwort zum Thema:
    Unterschiedliches Trinkgeldverhalten in Bars und Hotelbetrieben,
    aber der Schlussteil der sich dann wohl an mich richten soll.
    und nicht an Meike – geht etwas vorschnell ins Gericht mit mir
    und das wohl zu Unrecht.

    Zitat Herr M aus HH:
    „Kann mich Helmut nur anschließen. Michael: Die Erfahrungen aus Deiner Bar würde ich nur bedingt einfliessen lassen, Du hast zum einem eingeschränkte Öffnungszeiten, zum anderen besteht die Möglichkeit das konservative Gäste nach dem klassichen Vorbild vorgehen: Der Inhaber bekommt keinen Tip.“

    Auch hier, da es sich ja um dieselbe Aussage handelt,
    bezog sich meine Antwort auf meine Vergangenheit als Angestellter,
    denn heute erhalte ich ausreichenden Tip
    und habe eine Quote von weit mehr als 10%.

    Zitat Herr M aus HH:
    „Das Bartender meist extrem unterbezahlt sind, finde ich etwas reisserisch Formuliert. Es gibt viele Kritikpunkte bei Bezahlung, Nachtarbeit, Wochenendarbeit, Tip, Tronc etc etc.“

    Viele meiner Freunde und Bekannte sind regelmaessig ueberrascht wie wenig nur Bartender verdienen, denn sie wissen nur noch wie man als Student gut in der Gastro Kohle machen konnte. Tenor deren Aussage:
    fuer so wenig Kohle und dann noch die ganze Nachtarbeit und am Wochenende und soviele (meist unbezahlte) Ueberstunden – Nein, danke…
    Wie ein Familienvater (Alleinverdiener) als Barmann allerdings seine Familie durchbringt und seinen Kindern ein gutes Studium finanzieren kann,
    bleibt mir fraglich.

    Zitat Herr M aus HH:
    Ich verstehe diese generelle Kritik aus Deiner Ecke nicht wirklich Michael. Schließlich bist Du Inhaber einer Bar. Wie viele Mitarbeiter hast Du schon eingestellt und mit allen Sozialleistungen (Krankenkasse, Rente, Soli, KSt. Urlaub, Krankheit, etc.) bezahlt? Wie würdest Du deine Barkeeper in deiner Bar bezahlen – nach Tarif? Ich glaube Dir fehlt die Erfahrung einschätzen zu können, welche realen Kosten fest angestellte Barkeeper jeden Monat bedeuten.

    Warum sollte es das???
    Keine voreiligen Schluesse ziehen… Danke
    Hier in Berlin gibt es momentan mit Sicherheit mehr Menschen in Gastronomischen Betrieben die stark unterbezahlt sind,
    als welche die einen geregelten fairen Verdienst haben.
    Ich kenne Bartender die in Berliner 5 Sterne Haeuser arbeiten
    und auf 75-80 Stunden die Woche kommen
    und das ohne Ueberstundenausgleich bzw Auszahlung.
    Ich kenne die Problematik der Lohnstruktur nur allzugut
    und weiss wie schwer es ist hoehere Loehne zu finanzieren.
    Trotzdem aendert es nichts daran, das viele unterbezahlt sind,
    man ist nunmal unterbezahlt (mit 4,85 pro Stunde),
    selbst wenn der Chef sich nicht mehr auszahlt.

    Wer fuer mich gearbeitet hat, hat stets genug bekommen
    und war auch stets zufrieden!
    Ich halte an meiner Aussage fest,
    aber sage nicht,
    das es nur an Kokainsuechtigen Gastrobesitzern liegt,
    sondern das es ein klares Versaeumnis der Politik ist.

    Wie immer liegen wir uns in unseren Aussagen viel naeher,
    als es diese Diskussion darstellt.

    Schone Gruesse aus dem Institut an den schoenen Loewen
    und wenn ich das naechste Mal in Hamburg werde ich mir erlauben,
    Dich zu einem Wacholder-Drink einzuladen.

  2. Helmut

    Der folgende Kommentar hat mich per Mail erreicht. Der Absender möchte anonym bleiben, hat mir aber erlaubt den Text hier zu posten:

     

    Hallo Kollegen!

    Erstmal herzlichen Dank für die ermittelten Zahlen. Auch wenn mir bei den Trinkgeldern die Ohren „schlackerten", bin ich begeistert, dass es endlich mal Zahlen und somit Vergleichsmöglichkeiten gibt.

    Verdienste von Barkeepern sind ein sehr heikles und schwieriges Thema. Sie hängen von sehr vielen Faktoren ab und sind somit eigentlich nicht zu pauschalisieren. Zunächst sollte man Hotels von eigenständigen Bars unterscheiden. Das alleine sollte das Mindeste sein, da viele Barkeeper keine Gastronomische Ausbildung haben und dadurch fast nie in Hotels arbeiten. Ausgenommen sind Jenige, die sich durch Erfahrung, Fachkenntnisse und Qualität einen Namen gemacht haben. Wovon es leider viel zu wenige gibt.

    Aus Erfahrung (zugegebener Maßen noch zu wenig) kann ich sagen, dass der Grundlohn 1000-1200 Euro netto entspricht. In Hochburgen mit Sicherheit noch 100-200 Euro mehr. Das wird aber durch die höheren Lebenskosten wieder aufgefangen. Im Schnitt dürfte der Grundlohn bei allen somit ähnlich sein. Auch je nach Haus.

    Es gibt wohl Zusammenhänge mit der wirtschaftlichen Stärke der Region, in der man arbeitet. So dürften Bartender im Norden und Osten weniger verdienen als im Süden und Westen. Wenn ich mir die Bars so anschaue, so komme ich zu dem traurigen Ergebnis, dass die Qualität der Bars genauso verläuft. Ausnahmen sind natürlich möglich. Siehe Hamburg und Berlin. Sind aber wieder Metropolen.

    Das Trinkgeld ist keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. Viele geben keinen Cent, obwohl der Service richtig gut war. Sie schieben das dann auf die hohen Preise. Wenn man Geld sparen möchte, soll man zu Hause bleiben.

    Wie dem auch sei. Es sollte Ziel sein, die Qualität einer jeden Bar zu erhöhen. Dadurch kommt vielleicht mal endlich eine richtige Barkultur zustande.

    Ich selbst habe lange Zeit in Hannover gearbeitet (netto 1100 € + 300 € Tip). Leider gibt es in Hannover keine ansprechende Bar. Jedenfalls keine, welche meinen Qualitätsansprüchen genügt. Am Personal liegt es nicht. Kenne genug qualifizierte Kollegen, die sehr viel Motivation haben, eine richtig gute Bar zu führen. Leider fehlt es hier an Geld / Geldgebern. Hier herrscht ein Massenmarkt. Gäste gebe es, die ein solches Lokal zu schätzen wüssten. Allerdings weiß keiner ob es genug sind…

    Eine kleine Anmerkung muss ich mir noch erlauben: Wenn solche Trinkgelder, wie hier ermitteln, als Berechnungsgrundlage für die Einkommenssteuer genommen werden, kann ich nur sagen „Gute Nacht". Vorausgesetzt die Steuerfreiheit der Trinkgelder wird abgeschafft.

    Einen Dank an Tanja

    Happy Shaking.

  3. Helmut

    @Michael/Triobar:

    Das ist doch jetzt weit konstruktiver…also doch das richtige Forum. 😉

  4. Mike Triobar

    Hallo Helmut,
    so schnell schiessen die Preussen nicht…
    musste doch zwei Personen getrennt antworten,
    damit wir hier nicht aus Versehen etwas falsch lesen bzw fehlinterpretieren.

    Ich meinte es so:
    Trotz gutem Service kam ich nur selten auf 1000 Euro Tip pro Monat
    und das Trinkgeldverhalten scheint auch eher ruecklaeufig,
    wie Herr M aus HH auch schon schreibt.
    Ich wuensche allen Profis im Gastgewerbe das das Trinkgeldverhalten in der
    Republik hier langsam besser wird.

    …. …. ….

    Werde es aber nicht persoenlich nehmen… ;-),
    denn ich mag diese fachlichen Auseinandersetzungen
    und manchmal bereichern sie sogar einen Beitrag –
    allerdings nur manchmal…
    werde mich also bemuehen noch praeziser zu werden… 😉

    freue mich schon auf Mittwoch 15.00 Uhr,
    wenn wir uns live zanken koennen.

  5. Helmut

    @Michael/Triobar: Wenn Du das in den falschen Hals bekommen hast, dann nehme ich das zurück. Hab da kein Problem mit.

    Mir gehts nur um die fachliche Qualität dieses Blogs. Und dass so eine pauschale Aussage wie die von Dir dem nicht dienlich ist, siehst Du vielleicht mittlerweile ein? Immerhin hat sie zu einer Menge Informationen geführt.

  6. Barno

    Stimmt, ist echt etwas zu hoch. In der Regel wird nicht so viel verdient. Habe mal recherchiert und ein ähnliches Resultat gefunden.
    sagt, dass 19500 Euro verdient werden. Ich glaube, dass kommt gut hin. Ist ja aber auch immer eine Frage der Stadt…

  7. Samuel

    Hallo,

    Ich kann vielleicht euch mit den Zahlen weiterhelfen. Ich arbeite in einem 5* Hotel als Barchef. Ich kann euch sagen wie viel ich verdiene ca. 4000 Euro Brutto.(Nachts- Wochenende Zuschlag in dem Gehalt drin)+ Trinkgeld: ca. 400 Euro(Trotz 5* Hotel ist, muss man nie vergessen, dass die Menschen keine Lust auf Trinkgeld zu geben haben, sie denken automatisch, dass sie für alles schon früher bezahlt haben, und sie denken dass du ein Gehalt so wie so bekommst) : Naja Es ist leider Gastronomie, in diesem Bereich wird so wie so wenig bezahlt, weil alle denken, dass sie auch als Kellner oder Barkeeper arbeiten können.
    Mfg
    Samuel

  8. ShakinHands

    Ich weiß das ich schon etwas spät mit einem Kommentar bin, doch für ich auch gerne noch etwas zu diesem Thema sagen. Wir sind Barkeeper aus leidenschaft und weil wir es lieben gute Drinks zu mixen, nicht um Reich zu werden. Klar gibt es viele Betriebe die eindeutig zu wenig zahlen, doch das sind dann meist auch diese Betriebe die zum einen gerade es Eröffnet haben und Privat geführt werden, dadurch kein hoher Lohn möglich ist. Oder es ist wie bereits gesagt, zu viel Schnee im Keller. Ich muss dazu sagen das ich zwar im Augenblick in einem 4*+ Hotel arbeite aber ich mich auch weiterentwickeln möchte und da muss man auch mal abstriche machen. Verwöhnte Gastronomen werden (ich entschuldige mich falls es zu allgemein geschrieben ist) arroant und vergessen was es heißt sich um Gäste zu kümmern und nicht sich zu profilieren. Man darf aber auch nicht vergessen das wir teilweise selbst schuld sind was den lohn angeht. Wir haben zumindestens aus meiner Erfahrung keine funktionierende Gewerkschaft, was daran liegt, auf jedenfall in SH, das wir nur 4% Mitgliederanteil haben. Desweitern liegt diese Situation auch oft daran das viele aus Angst nicht beitreten da sie meist schlechtere Dienste bekommen.
    Dies soll auch nur eine kleine Anmerkung sein und evtl. ein kleiner Gedanken anstoß, falls ich komplett daneben liege korrigiert bitte.

    Lg ShakinHands

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